Bad Kissingen
Fall Laudenbach

Bad Kissingens Ex-OB: Keine Geburtstagsblumen in der Zelle

Von wegen "schneller Prozess": Das Verfahren gegen den früheren Bad Kissinger Oberbürgermeister Karl Heinz Laudenbach wegen Vorteilsannahme und Steuerhinterziehung dümpelt vor sich hin.
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Keine Blumen zum Geburtstag: Karl Heinz Laudenbach durfte sich über das Gebinde freuen, in seine Zelle mitnehmen durfte er es aber nicht. Foto: Edgar Bartl
Keine Blumen zum Geburtstag: Karl Heinz Laudenbach durfte sich über das Gebinde freuen, in seine Zelle mitnehmen durfte er es aber nicht. Foto: Edgar Bartl
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Bad Kissingen — Es handelt sich nicht nur um einen Kriminalfall, es ist auch eine menschliche Tragödie. Der kommunalpolitische Anfänger und Newcomer Karl Heinz Laudenbach (parteilos/ CSU) hatte 2002 den damaligen Bad Kissinger Oberbürgermeister Christian Zoll (SPD) mit einem fulminanten Wahlergebnis gleich im ersten Anlauf aus dem hohen Amt gekickt. Während Zoll am Mittwoch die Ehrenbürgerwürde der Stadt Bad Kissingen erhalten hat, wurde Laudenbach am Donnerstagmorgen wieder von zwei uniformierten Polizisten aus der U-Haft in Schweinfurt vorgeführt. Dort sitzt er seit fast elf Monaten ein.
Es war für Laudenbach kein Tag wie jeder andere: Er wurde 57 Jahre alt. Partystimmung kam allerdings nicht auf. Sonnten sich einst in seinem Glanze etliche Bad Kissinger, so ist die Schar jener, die ihm treu geblieben sind, sehr übersichtlich geworden. Aber die waren nicht mit leeren Händen gekommen. Es gab einen kleinen Riegel Schokolade, eine große Sonnenblume - "bitte kein Foto" - und viele gut gemeinte Glückwünsche. Ihnen schlossen sich auch die beiden Polizeibeamten an.
Aber: Auch an Geburtstagen drückt Justitia in Bayern kein Auge zu. Laudenbach durfte zwar die kleinen Präsente sichtlich gerührt entgegen-, nicht aber mit hinter Gitter nehmen. Obwohl der Blumengruß sichtbar weder Feile noch Eisensäge enthalten hat. Er freute sich dennoch sehr: "Danke, dass Ihr gekommen seit."

Zeugen kamen nicht

Verhandelt wurde auch. Aber nur ansatzweise. Als wenn Staatsanwältin Tanja Zechnall das geahnt hätte - sie ließ sich vertreten. Mehrfach, aber vergeblich rief Vorsitzender Richter Hans Brückner die beiden für Donnerstag geladenen Zeugen auf. Beide glänzten durch Abwesenheit. Das ist für das Gericht ärgerlich, bleibt aber für die Betroffenen ohne finanzielle Konsequenzen. Am Morgen war die Ladung eines Immobilien-Kaufmanns aus Gochsheim mit dem Vermerk zurückgekommen, er sei unter der bekannten Anschrift nicht mehr erreichbar. Die Verteidiger versicherten, sie würden "zeitnah" die aktuelle Adresse ermitteln und dem Gericht mitteilen. Am 31. Juli soll ein neuer Anlauf unternommen werden, legte Brückner fest.
So ging der Morgen mit langen Wartezeiten und einigen Terminabstimmungen ins Land. Ursprünglich waren nur vier Verhandlungstage vorgesehen, jetzt sind weitere neun dazu gekommen. Der vorerst (?) letzte wird am 22. September sein, der nächste ist am Donnerstag, 17. Juli. Dann werden drei Zeugen erwartet. Denkbar ist durchaus, dass das Verfahren zu einem echten Dauerbrenner wird. Denn vorgeladen werden auch einige Personen aus dem Ausland. Und das kann bis zu einem Jahr dauern...

Weiter in U-Haft

Vorerst bleibt Laudenbach vermutlich - wegen angeblicher Fluchtgefahr - in U-Haft in der "Villa Rosa" in der Hadergasse zu Schweinfurt. Das stößt bei Prozessbesuchern auf gewisses Befremden. Außenstehenden verschließt sich auch die ausgefeilte Strategie der beiden Verteidiger. Die Anwälte verzichten vor Gericht klugerweise auf spektakuläre Show-Auftritte, die sowieso nichts brächten. Vermutlich sorgen sie hinter den Kulissen für Wallung. Allerdings ist es ihnen bislang nicht gelungen, den früheren Kriminaldirektor aus der Zelle zu holen.

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