Bamberg
Überwintern

Igel machen sich fit für den Winterschlaf

Igel sind Wildtiere und stehen deshalb unter Artenschutz. Die beste Unterstützung für diese Tiere ist, das Umfeld "igelgerecht" zu gestalten.
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Schwankender Gang und eingefallene Augen: Bei diesen Anzeichen ist der Igel wahrscheinlich krank. Aufnehmen sollten ihn Laien aber nur, wenn sie sich vorher in einer Igelstation kundig gemacht haben. Foto: Patrick Pleul/dpa
Schwankender Gang und eingefallene Augen: Bei diesen Anzeichen ist der Igel wahrscheinlich krank. Aufnehmen sollten ihn Laien aber nur, wenn sie sich vorher in einer Igelstation kundig gemacht haben. Foto: Patrick Pleul/dpa
Auch wenn Igel noch so niedlich aussehen, solle man sie nicht bemuttern. Vor allem Kinder wollen oft kleine Igel mit nach Hause nehmen. Auf übertriebene Reinigungsaktionen sollte man unbedingt verzichten. Dieser ökologische verkehrte Putz kostet vielen wichtigen und notwendigen Tierarten unserer Heimat, wie den Igeln, den Lebensraum.

Außerdem werden auch viele Kleintiere vernichtet, von denen viele die Nahrungsgrundlage für das sympathische Stacheltier sind. Jeder Einzelne kann mit "unaufgeräumten Ecken" im Garten schon sehr viel für das biologische Gleichgewicht tun.


Igel brauchen Rückzugsorte das ganze Jahr über



Igel brauchen nicht nur für den Winterschlaf, sondern das ganze Jahr Rückzugsgebiete für die Aufzucht ihrer Jungen, als Versteck und für den Winterschlaf. Sehr einfach geht dies durch die Anlegung eines Reisighaufens in Kombination mit Laub.

Dankbar nehmen die Igel einen regengeschützten Platz im Garten wie Schuppen oder ein Dachvorsprung an. Als Grundlage dient ein fester Karton oder eine Holzkiste, die auf ein Holzbrett gestellt werden, damit von unten keine Feuchtigkeit aufsteigt. Als "Bett" wird etwas Heu verwendet. Darüber kommen dann viel trockenes Laub und Äste zur Absicherung. Wenn der Igelhaufen im Freien ist, kann man noch ein Stück Folie oder Dachpappe in die Mitte des Haufens einbauen, um den unteren Bereich vor Regen zu schützen.

Dabei ist darauf zu achten, dass die Wetterhaut nicht so weit nach unten gelegt wird, da sich sonst Schwitzwasser im Schlafquartier des Igels bilden kann. Ein günstiger Platz für einen Igelhaufen aus Reisig, Laub oder Langgras ist unter einem Nadelbaum, da hier nur wenig Regen zum Boden durchdringt. Auch Holzstapel werden gern als Unterschlupf angenommen.

Nicht nur Igel, sondern auch viele andere Tierarten wie Kröten, Molche, Laufkäfer und die insektenfressenden Spitzmäuse benötigen solche Winterquartiere zum Überleben. Leider wird Reisig und Laub immer mehr als lästiger Abfall angesehen und entsorgt.


Zufüttern mit Katzenfutter



Zwar sind Igel nachtaktive Säugetiere, aber im Herbst sind sie auch tagsüber anzutreffen. Denn jetzt fressen sie sich vor dem bevorstehenden Winterschlaf noch einmal so richtig voll. Nur mit einer genügend dicken Speckschicht unter den Stacheln sind sie gerüstet, die kalte Jahreszeit in einem gut gepolsterten Nest im Schutz von Reisig und Laub zu überstehen.

Wer glaubt, einen sehr schwachen Igel zufüttern zu müssen, kann dies am besten mit Katzenfutter oder Igelspezialfutter tun. Auch ein rohes Ei mit Rinderhackfleisch so wie Mehlwürmer als lebendes Futter ist für eine ausgewogene Ernährung wichtig. Liegengelassenes Fallobst wird ebenfalls als eine gesunde Zusatzkost gern angenommen. Das gut gemeinte Schälchen Milch am Abend, so wie es immer wieder empfohlen wird, kann dem Igel den Tod bringen. Frisches Wasser aber sollte nicht fehlen.


Igelpflegestationen helfen gerne beim Überwintern



Das Idealgewicht zum Überstehen des langen Winterschlafes beträgt circa 700 g. Bei weniger als 500 Gramm im November, besteht nur eine geringe Chance den langen Winterschlaf von fünf bis sechs Monaten zu überstehen. Es ist aber nicht einfach, unterernährte Tiere zu retten. Sie benötigten fast den ganzen Winter Pflege, da manche in Gefangenschaft kaum schlafen. Täglich muss dann nach solchen "Patienten" geschaut werden. Auch eine tierärztliche Betreuung der "Findlinge" ist wichtig.

Kranke und unterernährte Tiere werden im November, je nach Wetterlage und Gesundheitszustand gern von Igelpflegestationen aufgenommen. Nicht alle Tiere sind krank, die dann noch untergewichtig unterwegs sind. Apathische Igelkinder sollte man erst einige Zeit beobachten, bevor eingegriffen wird. Oft ist die Mutter in der Nähe, die sich um ihre Kinder kümmert. Wenn diese einen gesunden Eindruck machen, sollte man sie deshalb unbedingt in ihrer gewohnten Umgebung belassen; denn hier kennen sie sich aus. Bis zum Winterschlaf, der ungefähr Mitte November beginnt, können kleine Igel noch reichlich wachsen.


Viele Gefahren für Igel



Es gilt, Gefahrenbereiche für den Igel zu minimieren. Gartenteiche mit steilen Ufern sind Todesfallen. Der Igel kann zwar schwimmen, aber an glatten und senkrechten Wänden hat er nicht die Möglichkeit sich hochzuziehen. Deshalb sollten Gewässer im Garten immer flache Uferzonen haben. Es müssen auch hinreichend genug Durchschlupfmöglichkeiten in Maschendrahtzäunen geschaffen werden. Immer wieder kommt es vor, dass Igel mit dem Hals in einer engen Masche hängen bleiben und durch ihre Stacheln, die sich dann aufstellen und wie ein Widerhaken wirken, nicht mehr zurück kommen können.

Igel benötigten einen großen Aktionsradius, um sich zu ernähren. Deshalb sollte ein ungehindertes Wandern von einem Garten zum anderen möglich sein. Weitere Todesfallen sind oft aufgerollte Maschendrahtzäune und Netze, in denen sich Igel oft verheddern. Beim Umsetzen des Komposthaufens muss man vorsichtig sein, da sonst die Tiere, die hier die Wärme suchen, erstochen werden können. Es sollte weiterhin eine Selbstverständlichkeit sein, im Garten auf Schädlingsbekämpfungsmittel zu verzichten.

Relativ neu ist die Gefahr durch Motorsensen. Beim Mähen werden Igel oft brutal in ihren Verstecken getötet. Besonders lebensfeindlich aber sind die motorbetriebenen Laubsauger. Diese Geräte wurden zuerst in den Vereinigten Staaten von Amerika benutzt. Deren Verwendung rief bei vielen Naturfreunden Kopfschütteln hervor. Inzwischen haben diese höllisch lärmenden Maschinen leider auch bei uns Einzug gehalten. Sogar kleine Igel können beim Einsatz mit dem Laubsauger eingesogen werden. Mit dem Laub wird vielen Kleintieren, die dem Igel als Futter dienen, eine wichtige Nahrungsgrundlage entzogen.

Auch Lichtschächte sind Fallen, aus denen sich die Stacheltiere nicht mehr von alleine befreien können. Diese gilt es lückenlos abzusichern. Liegengelassene Plastiktüten oder Tierfutterdosen können ebenfalls tödlich wirken, wenn sich die Igel darin verfangen. Gruben und Löcher gilt es immer zu zudecken. Sogar in Gullys können Igelkinder fallen.

Durch das Zerschneiden der Landschaft mit Straßen sind Igel erheblichen Gefahren ausgesetzt sind. Eine defensive und vorsichtige Fahrweise in der Nacht kann oft das sympathische Stacheltier vor dem Tod durch Überfahren bewahren. Leider werden jetzt im Herbst besonders viele tote Igel auf der Straße gesehen.
Jupp Schröder
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