Update vom 27. Januar, um 15.05 Uhr: Todesursache des getöteten 14-Jährigen steht fest

Im Fall des getöteten 14-jährigen Jungen aus dem niedersächsischen Wunstorf steht stumpfe Gewalteinwirkung als Todesursache fest. "Das ist das Ergebnis des Obduktionsberichtes", sagte Can Türkay, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, am Freitag, dem 27. Dezember . Die Ermittler informierten zudem darüber, dass der gleichaltrige Mordverdächtige bei der Jugendrichterin zu den Vorwürfen schwieg.

Das zuständige Amtsgericht hatte am Donnerstag Untersuchungshaft für den Beschuldigten angeordnet, weil das Mordmerkmal der Heimtücke - wie von der Staatsanwaltschaft beantragt - gesehen wird. "Der 14-Jährige war arg- und wehrlos", hatten die Ermittler ihre Sicht dazu erläutert. Er habe nicht damit gerechnet, dass er von seinem "Spielkameraden" umgebracht werden könnte, hieß es. Der Verdächtige sei in die Jugendanstalt Hameln gebracht worden.

Der Vater des Getöteten hatte seinen Sohn am Dienstagabend als vermisst gemeldet, weil er nicht von einem Treffen mit einem ebenfalls 14-Jährigen aus Wunstorf nach Hause zurückgekommen war. Erst am Mittwoch war die Leiche des vermissten Jungen auf einem Brachgelände in der Ortschaft Wunstorf-Blumenau entdeckt worden.

Tatverdächtiger Teenager schweigt vor Gericht

Nachdem der Beschuldigte ersten Polizeiberichten zufolge die Ermittler selbst darüber informiert hatte, den gleichaltrigen Jungen getötet und versteckt zu haben, schwieg er später vor der Jugendrichterin. Er habe sich bei der Vorführung nicht zu den Vorwürfen geäußert, sagte Staatsanwalt Türkay. Der Junge habe mittlerweile einen Pflichtverteidiger an seiner Seite.

Weiterhin offen ist die Frage, was genau zwischen den beiden Jugendlichen mit deutscher Staatsangehörigkeit passierte. Die stumpfe Gewalteinwirkung als Todesursache deutet in Richtung von Medienberichten, nach denen ein Stein als Tatwaffe in Frage kommen soll. Staatsanwalt Türkay kündigte an, dass mit der Veröffentlichung weiterer Details vorerst nicht zu rechnen sei. Die Ermittlungen werden mit Vernehmungen und der Spurenauswertung fortgeführt.

Mitschülerinnen und Mitschüler gedachten des getöteten Teenagers am Freitag in der Schule mit einer Trauerandacht, an der auch Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg teilnahm, wie die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers mitteilte. "Wir legen unsere Verzweiflung und unsere Ratlosigkeit zusammen. Es kann nicht sein, es darf und soll nicht sein. Die tiefe Traurigkeit darüber, dass ein Mitschüler tot ist, getötet worden ist", sagte Landesbischof Ralf Meister dort laut Mitteilung in seiner Ansprache.

Ursprüngliche Meldung vom 26. Januar, um 17.30 Uhr: Stundenlange Suche mit tragischem Ergebnis

Nach dem gewaltsamen Tod eines 14-Jährigen aus Wunstorf bei Hannover hat die zuständige Jugendrichterin Untersuchungshaft für den gleichaltrigen Verdächtigen angeordnet. Der Haftbefehl sei wegen Mordes erlassen worden, sagte Can Türkay, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, am Donnerstag. Das Mordmerkmal der Heimtücke werde - wie beantragt - gesehen. Der Tatverdächtige sei in die Jugendanstalt Hameln gebracht worden. Am Vortag war noch wegen Totschlags gegen den anderen Jungen ermittelt worden.

Nach einer mehrstündigen Suchaktion war am Mittwoch die Leiche des zuvor vermissten 14-jährigen Jungen in der Ortschaft Blumenau gefunden worden. Im Rahmen der Ermittlungen habe ein gleichaltriger Freund des Jungen gegenüber der Polizei angegeben, diesen getötet zu haben, hieß es. Der 14-Jährige wurde wegen des dringenden Tatverdachts festgenommen. Gegen den Teenager wird wegen Totschlags ermittelt.

In dem Fall sind viele Fragen weiterhin offen. "Es ist noch zu früh für Details, wir stehen am Anfang der Ermittlungen", hatte eine Polizeisprecherin aus der niedersächsischen Landeshauptstadt am Mittwochabend den Zwischenstand beschrieben. So gibt es zum Motiv eines möglichen Tötungsdelikts keine näheren Erkenntnisse, und die Ermittler erhoffen sich durch Vernehmungen möglichst rasch Klarheit.

Der Vater des Jungen hatte seinen Sohn am Dienstagabend als vermisst gemeldet, weil er nicht von einem Treffen mit einem gleichfalls 14-Jährigen aus Wunstorf nach Hause zurückgekommen war. Die Polizei ging zunächst von einem Vermisstenfall aus, bis der gleichaltrige Freund des Jungen erklärte, diesen getötet und versteckt zu haben.

Mutmaßlicher Täter nutzte wohl einen Stein

Wie der Norddeutsche Rundfunk unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtete, soll der Verdächtige die Tat über mehrere Monate geplant und einen Stein genutzt haben. Auch die "Bild" berichtete von einer langen Vorbereitung und einem Stein als Tatwaffe. Die Staatsanwaltschaft Hannover machte dazu und zu weiteren Details zunächst keine Angaben. Nach Angaben der Ermittler sind sowohl das Opfer als auch der Verdächtige deutsche Staatsangehörige.

Hannovers Landesbischof Ralf Meister drückte am Mittwochabend sein Mitgefühl aus. Seine Gedanken und Gebete seien bei der Familie des toten Jugendlichen und bei dessen Schulgemeinschaft, hieß es in einer Mitteilung. In der Schule des toten Jugendlichen ist für Freitag eine Trauerandacht geplant. Seelsorger betreuten nach Angaben der Schulleitung die Schüler. Alle seien "entsetzt, fassungslos und unendlich traurig".

Auch über die Kleinstadt hinaus löste der Fall Entsetzen aus und erinnerte viele Menschen an eine Tat in Salzgitter, wo im vorigen Sommer die 15 Jahre alte Anastasia getötet worden war. Seit wenigen Wochen steht ein 14-Jähriger in Braunschweig vor Gericht, weil er gemeinsam mit einem zur Tatzeit 13-Jährigen - und damit strafunmündigen - Mitschüler die Jugendliche heimtückisch ermordet haben soll.

Weniger Tötungsdelikte

Trotz der oft großen Emotionalität bei solchen Fällen verwies der Kriminologe Klaus Boers von der Universität Münster darauf, dass die Anzahl der Tötungsdelikte in Deutschland seit Jahren rückläufig sei.

Das gelte auch für Gewalt von Jugendlichen und Heranwachsenden. Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt, dass schwere Gewaltdelikte mit minderjährigen Tatverdächtigen bundesweit rückläufig sind.

Nach Auswertungen des Deutschen Jugendinstituts (DJI) hat sich die Zahl der Verdächtigen in der Altersgruppe der 14- bis unter 18-Jährigen zwischen 2008 und 2021 halbiert.