Vornamen-Rankings sind bei werdenden Eltern beliebt, um sich Inspiration zu holen. Die jährlichen Listen zeigen aber auch, welche Vornamen immer weiter abrutschen. "Das ist dieses Phänomen des Modenamen-Kreislaufs", sagt Knud Bielefeld im Interview mit der "Welt".

Der Wirtschaftsinformatiker veröffentlicht seit 2006 jedes Jahr eine Topliste der häufigsten Vornamen für Neugeborene. Die Top 10 für Deutschland und Bayern findet ihr hier. Eine amtliche Statistik gibt es in Deutschland dazu nicht, Bielefeld greift stattdessen auf Geburtenregister der Standesämter und Kliniken zurück. Auf seiner Webseite finden sich Daten zurück bis ins Jahr 1890. Mit der Entwicklung von beliebten Vornamen über die Jahre hat er sich also eingehend beschäftigt.

Vornamen im Abwärtstrend: Diese Babynamen werden immer unbeliebter

Dabei hat sich gezeigt, dass alle paar Jahre die Vornamen, die einst am häufigsten von Eltern vergeben wurden, immer weiter im Ranking absteigen. Aktuell sieht Bielefeld die Top-Namen der Neunziger auf dem absteigenden Ast. "Das ist diese Elterngeneration: Julia, Daniel, Christian", so der Vornamensexperte. Und das hat einen einfachen Grund. Namen, "die man aus dem eigenen Freundeskreis kennengelernt hat, vergibt man nicht an seine Kinder." Das beweist nicht nur Bielefelds Ranglisten, sondern auch eine ähnliche Statistik der Gesellschaft für deutsche Sprache.

Christian und Daniel waren zum Beispiel zwischen 1990 und 1999 dauerhaft in den Top 20 vertreten. Julia landete sogar immer wieder auf Platz 1, nach der Jahrhundertwende begann dann aber ein Abwärtstrend. Nun, da viele Neunziger-Kinder selbst Eltern werden, wollen sie kaum mehr die Namen benutzen, mit denen sie ihr ganzes Leben lang umgeben waren. 2022 steht Julia auf Platz 68 unter den Mädchennamen. Daniel ist bei den Jungs nur noch auf Platz 67 und Christian erst auf Platz 130

Weitere Absteiger aus den Neunzigern sind zum Beispiel Lisa und Jan. Einst Spitzenreiter, sind sie 2022 jenseits von Platz 70 gelandet. Den wohl größten Verlust musste jedoch Kevin einstecken. Von Platz 1 im Jahr 1991 ist er 2022 nur noch auf Platz 242 zu finden. Kevin gehöre jetzt zur "typischen Vätergeneration", sagt Bielefeld.

Modenamen-Kreislauf: Erst nach 100 Jahren wird ein Vorname wieder beliebt

Bis sich ein Vorname "erholt" und wieder mehr vergeben wird, dauert es dem Experten zufolge etwa 100 Jahre. Zunächst kommen die Namen aus der eigenen Generation in den Abwärtstrend, die Namen der Elterngeneration sind schon längst nicht mehr in Mode und bleiben es auch. Erst wenn es "nicht mehr viele zeitgenössische Namensträger gibt", so Bielefeld, wird der Name wieder beliebter.

Ausnahme sind allerdings die "verdorbenen" Vornamen. Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist der Name Adolf. Seit den Fünfzigern werde er in Deutschland so gut wie gar nicht mehr vergeben, sagt Bielefeld. Aus den letzten Jahren kamen dazu noch Greta oder Alexa. Einen direkten Zusammenhang zur jungen Klimaaktivistin Greta Thunberg könne Bielefeld aber nicht nachweisen. Der Name des Sprachassistenten von Amazon war dagegen noch nie besonders beliebt in Deutschland.

Laut einer Umfrage von YouGov aus dem Jahr 2021 wird das auch erstmal so bleiben. Von 2.000 Befragten antworteten fast 90 Prozent, sie würden ihr Kind wahrscheinlich nicht Adolf nennen. Rund 80 Prozent schlossen den Namen Alexa aus und 75 Prozent den Namen Greta. Insgesamt sind die Ranglisten heutzutage aber mit Vorsicht zu genießen. "Es gibt vielmehr verschiedene Namen, die sich auf die ganzen Kinder verteilen", erklärt Bielefeld. Die beliebtesten Vornamen werden also an einen kleineren Anteil der Kinder vergeben, wie noch vor einigen Jahrzehnten. Viele Eltern würden sich auch die Hitlisten ansehen und sagen "Ich will keinen Top Ten Namen", meint der Wirtschaftsinformatiker.

Welche Babynamen sind bald out?

Den Modenamen-Kreislauf könne man aber trotz der größeren Verteilung erkennen. "Die zukünftigen Namen im Abwärtstrend sind die Top-Namen von heute", sagt Bielefeld. Man brauche dafür nur eine Hitliste aufschlagen, zum Beispiel die beliebtesten Vornamen im Jahr 2000. "Dann weiß man, die werden in 20 Jahren keine Rolle mehr spielen." Anna, Lea, Sarah, Lukas, Tim oder Finn werden wir dann wohl bald deutlich seltener hören.

Übrigens: Die Babynamen-Trends für 2023 könnt ihr hier nachlesen. Es gibt in Deutschland aber auch Namen, die komplett verboten sind. Mehr dazu verraten wir euch hier.