Trotz Iran-Krieg: Exporte steigen dritten Monat in Folge
Autor: dpa
, Dienstag, 09. Juni 2026
Deutschlands Ausfuhren legen erneut zu. Grund zum Jubeln sehen Ökonomen allerdings nicht. Die leichte Erholung bleibt aus ihrer Sicht fragil.
Deutschlands Exporteure haben trotz Iran-Kriegs und Ölpreisschocks die Ausfuhren den dritten Monat in Folge gesteigert. Im April wuchsen die Exporte verglichen mit März leicht um 0,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden auf Basis vorläufiger Ergebnisse mitteilte. Einen Lichtblick gab es mit einem leichten Produktionsanstieg auch für die Industrie. Ökonomen dämpfen dennoch die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Belebung.
Der Wert der Exporte belief sich im April auf 136,6 Milliarden Euro - ein Plus von 3,6 Prozent zum Vorjahresmonat. Die Werte sind bereinigt um Kalender- und Saisoneffekte. Die Importe nahmen gegenüber März um 1,2 Prozent auf 122,1 Milliarden Euro zu, das waren 6,2 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Daraus ergab sich ein Exportüberschuss von 14,5 Milliarden Euro, etwas weniger als im März.
USA-Exporte legen leicht zu, Europa stark
Auch im April blieben die USA wichtigster Exportmarkt für Deutschland. Nach dem Dämpfer im Vormonat nahmen die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten zum März wieder etwas zu, und zwar um 1,8 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro. Damit lagen die Ausfuhren aber fast 13 Prozent unter dem Niveau von April 2025.
Auch die Ausfuhren nach China sanken - ihr Wert fiel gegenüber März um 3,5 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Nach Großbritannien lieferten die deutschen Unternehmen ebenfalls weniger, hier schrumpften die Exporte seit März um 9,5 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro.
Als Fels in der Brandung für die deutsche Exportwirtschaft erwies sich dagegen das Europa-Geschäft. Die Ausfuhren in die EU-Länder nahmen im Vergleich zu März um 1 Prozent zu auf 79,1 Milliarden Euro.
Produktion wächst leicht
Die Folgen des Iran-Kriegs mit hohen Energiepreisen bremsen die Erholung der deutschen Wirtschaft. So verteuern die gestiegenen Ölpreise den Warentransport für die Unternehmen. Zuletzt hatten etwa die Wirtschaftsweisen ihre Konjunkturprognose für Deutschland gesenkt. Sie erwarten nun nur ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent.
Etwas Rückenwind für die deutsche Wirtschaft kommt aus dem Verarbeitenden Gewerbe. Im April legte die Produktion in den Unternehmen im Monatsvergleich um 0,4 Prozent zu - es war der erste Anstieg nach vier Rückgängen. Während die Baubranche zulegte, wurde die Produktion durch eine schwache Entwicklung in der Autoindustrie gebremst. Die Produktionsdaten gäben etwas Zuversicht, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP-Bank. «Der Zuwachs weckt Hoffnungen, dass dem deutschen Bruttoinlandsprodukt ein Rückgang im zweiten Quartal erspart bleibt.»