• Rheinland-Pfalz: Weinreben leiden unter Trockenheit
  • Je nach Alter sind sie unterschiedlich anfällig
  • So stellen sich Pfälzer Winzer auf den Klimawandel ein

Trotz wiederholten Regens klagen vor allem die Bauern im südlichen Rheinland-Pfalz in diesem Jahr über zu viel Trockenheit. Doch auch auf den Weinanbau wirken sich Trockenheit und hohe Temperaturen langfristig negativ aus. Darüber, wie Winzer*innen sich auf den Klimawandel einstellen, hat inRLP.de mit dem Winzer Jochen Bähr gesprochen, der in Neustadt an der Weinstraße die Bähr Pfalztraube GmbH betreibt.

Trockenheit und hohe Sonneneinstrahlung belasten die Weinreben

„Ein steter Wechsel von mittellangen Sonnenzeiten und kräftigem Landregen ist für Weinreben in der Vegetationsphase ideal“, so Bähr. „Starke Trockenheit wirkt sich dagegen negativ auf die Weinreben aus. Sie reagieren auf fehlendes Wasser zum einen, indem sie weniger Trauben produzieren. Aber auch die Qualität der Trauben leidet unter der hohen Sonneneinstrahlung. Es ist, als ob sie einen Sonnenbrand bekämen.“

Gegenüber Bauern, die Getreide- und Gemüseanbau betreiben, haben Winzer*innen zwar den Vorteil, dass Trockenheit und Dürre nicht alle Rebstöcke gleichermaßen beträfen. Dieser Umstand ergebe sich aus dem Wurzelsystem der Reben, das je nach Alter der Rebstöcke unterschiedlich ausgeprägt sei.

So verfügten ausgewachsene Reben über Wurzeln, mit denen sie aus einer Tiefe von bis zu zehn Metern Wasser empor saugen können. Junge Rebstöcke und solche, deren Wurzeln etwa durch Krankheit oder äußere Einflüsse geschädigt seien, könnten jedoch leicht austrocknen

Dauerhumus und Bewässerung: Wie sich Pfälzer Winzer dem Klimawandel stellen

Um gerade junge Weinreben vor Trockenheit zu schützen und somit den Bestand des Weinberges zu sichern, müssten Winzer*innen wie Jochen Bähr daher vielfältige Maßnahmen ergreifen, die ganz schön ins Geld gehen können.

„Für Sofortmaßnahmen wie die Bewässerung der Weinreben benötigen wir Bewässerungsschläuche, Tanks sowie gegebenenfalls Pumpen und Brunnen. Dazu kommen die Kosten für das Wasser“, erklärt Bähr. 

Langfristig müssten Winzer*innen sich zudem um den Aufbau von Dauerhumus kümmern. Wenn es regnet, könne dieser besonders viel Wasser speichern und es später wieder abgeben. Dies erfordere wiederum angepasste Bearbeitungsmaschinen sowie spezielles Saatgut für die Zeilenbegrünung. Eine Investition, die sich lohne: Denn sobald er einmal angelegt sei, speichere der Dauerhumus sogar Kohlenstoffdioxid.

Eine langfristige Investition: Südliche Rebsorten für die Pfalz

Obwohl der Dauerhumus das Wassermanagement auf dem Weinberg signifikant verbessere, sei es damit jedoch noch nicht getan. Mit Blick auf eine wärmere Zukunft müssten Winzer*innen sich auch bei der Auswahl der Rebsorten umstellen.

Um die hohen Kosten etwa für die Bewässerung zu vermeiden, verfolgen Winzer*innen mit Blick auf den Klimawandel eine langfristige Strategie. „Wenn wir Reben neu anlegen, ist das eine Investition für 25 bis 30 Jahre“, so Bähr. „Deshalb müssen wir natürlich bedenken, dass die Welt sich verändert.“ 

Es sei daher kein Zufall, dass in der Pfalz schon heute Rebsorten aus südlicheren Gegenden angebaut würden, die es hier früher nicht gegeben habe. Dazu gehörten beispielsweise der Chardonnay und der Cabernet Sauvignon

Heike Wittneben mit dpa