So nah und doch so unzugänglich: Die Rheininsel zwischen Mainz und Wiesbaden hat besondere Aufgaben in der Wasserwirtschaft. Die besondere Auenlandschaft gibt auch seltenen Vogelarten ein Zuhause.

Drei Kilometer lang schmiegt sich die Petersaue in den Rhein. Am Ufer stakst der Graureiher durch das in diesem Sommer sehr flache Wasser. Über Eschen und Silber-Weiden kreist der Schwarzmilan. Aber die Flussidylle verbirgt, dass die Petersaue von großer Bedeutung für die Trinkwasserversorgung von Mainz und für die Abwasserreinigung von Wiesbaden ist. Mit dem Hinweis auf die kritische Infrastruktur wird erklärt, warum niemand auf die Insel darf.

Die Petersaue bei Mainz - aus alpinen Kalkablagerungen entstandene Insel

Kurz bevor der breite Strom nach Westen abknickt, trennt die langgestreckte grüne Insel die Industriegebiete links und rechts. Sie liegt auf hessischem Gebiet, zwischen der Mainzer Neustadt und den Wiesbadener Stadtteilen Mainz-Kastel und Mainz-Amöneburg.

Die aus alpinen Kalkablagerungen entstandene Insel ist im Stromverlauf die erste einer Kette, die sich weiter über Rettbergsaue, Mariannenaue, Fulder-Aue und Ilmen-Aue bis zur Rüdesheimer Aue und der Mäuseturminsel erstreckt. Die Ufer sind meist dicht bewachsen. Die Petersaue gehört zum Vogelschutzgebiet Inselrhein. "Von der Petersaue profitieren zahlreiche klimasensitive Arten", sagt eine Sprecherin des hessischen Umweltministeriums und nennt unter anderem Grauspecht, Wachtelkönig, Flussregenpfeifer und den Großen Brachvogel.

Gewöhnt haben sich die Vögel an die Einrichtungen der Wasserwirtschaft. An der nordwestlichen Spitze liegt die Kläranlage von InfraServ, der Betreibergesellschaft des Wiesbadener Industrieparks Kalle-Albert. In der Mitte erstreckt sich das Wasserwerk der Stadt Mainz. Das südöstliche Ende ist bei Hochwasser schnell überflutet. Dort lagern Kormorane, an einem Tümpel, dessen Wasser auch nach langer Trockenheit noch durch die Bäume schimmert.

Im vergangenen Jahr wurden 5,5 Millionen Kubikmeter Wasser entnommen

Nahe der Eisenbahnbrücke liegt das seit 1958 bestehende Wasserwerk der Mainzer Stadtwerke. Aus den 26 Brunnen der Petersaue, die meist etwa 80 Meter tief in Kalk- und Tongestein reichen, wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des hessischen Umweltministeriums 5,5 Millionen Kubikmeter Wasser entnommen. Das waren 15,7 Prozent weniger als 2020, aber 14,8 Prozent mehr als 2019. Das Rheinwasser wird beim Versickern durch die Bodenschichten gereinigt. Dieses Uferfiltrat wird dann nach oben gepumpt.

Im Wasserwerk wird es unter anderem mit Luft angereichert, so dass unerwünschte Inhaltsstoffe wie Eisen und Mangan oxidieren und in einer Mehrschichtfilteranlage abfiltriert werden. Schließlich wird es mit UV-Licht bestrahlt und so desinfiziert. Nitrat macht hier anders als beim Grundwasser aus landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen keine Probleme. Bei einem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter wies das Petersaue-Wasser bei Messungen meist Werte von weniger als 0,5 Milligramm auf.

Die biologische Abwasserreinigungsanlage behandelt täglich 15.000 Kubikmeter Abwässer

Uferfiltrat, also ufernahes Grundwasser, deckt rund 30 Prozent der Grundwasserversorgung in Rheinland-Pfalz ab. Bei einer Zunahme extrem trockener und heißer Jahre werde die Suche nach Entnahmemöglichkeiten aus ufernahen Rheinbrunnen künftig an Bedeutung gewinnen, erwartet das Umweltministerium in Mainz. Gleichzeitig werde der Druck auf rheinnahe Wasserwerke mit hohem Anteil an ufernahem Grundwasser zunehmen.

An der Nordwestspitze der Insel geht es darum, belastete Industrie-Abwässer zu reinigen. Die 1972 eingerichtete biologische Abwasserreinigungsanlage (Bara) behandelt nach Angaben der Firma InfraServ täglich rund 15.000 Kubikmeter Abwässer aus den Produktionsanlagen des Wiesbadener Industrieparks Kalle-Albert. Diese gelangen über eine Betriebsbrücke, traditionell benannt nach der früheren chemischen Fabrik Kalle, zur Kläranlage auf der Insel.

Mikroorganismen kommen zum Einsatz

Dort wird das Abwasser zunächst mechanisch, chemisch und physikalisch vorgereinigt, ehe die eigentliche biologische Reinigung folgt. Dabei kommen Mikroorganismen zum Einsatz, mal unter Ausschluss von Sauerstoff (anaerob), mal mit Beteiligung von Sauerstoff (aerob). Für die Entwässerung und Verwertung von dabei entstehendem Schlamm wurde im April dieses Jahres eine neue Anlage in Betrieb genommen. Auf dem Bara-Gelände arbeiten rund um die Uhr etwa 20 Beschäftigte. Zusätzlich zur Abwasserreinigung werden außerdem etwa 85.000 Kubikmeter Kühl- oder Regenwasser der Fabriken nach Kontrolle am rechten Rheinufer in den Rhein geleitet.

Ihren Namen hat die Petersaue, historisch auch als Peters Au bezeichnet, vom Stift St. Peter vor den Mauern, dem die Insel gehörte. Heute erinnert die barocke Kirche St. Peter in Mainz mit ihren markanten Doppeltürmen an das 944 gegründete und 1802 aufgehobene Stift.

Wird es bald eine Fährverbindung von der Mainzer Neustadt geben?

Ein Teil der Insel wird landwirtschaftlich genutzt, etwa für den Getreideanbau. Historisch bedeutsam war die Insel auch wegen seiner von Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts errichteten Befestigungsanlagen. Deren Reste tauchten in vergangenen Jahren gelegentlich in Verfärbungen im Gerstenfeld auf.

Am Mainzer Rheinufer träumen sich zwei Frauen zur Petersaue hin. Der Vorschlag einer Fährverbindung von der Mainzer Neustadt auf die Petersaue wurde bisher nicht weiterverfolgt. So sind einstweilen nur Blicke auf das grüne Eiland möglich.

Redaktion mit dpa