Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille im Mainzer Staatstheater: Mit einem leidenschaftlichen Hilfsappell für die Menschen in der Ukraine hat die Schriftstellerin Nino Haratischwili am Mittwoch (18. Januar) die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz entgegengenommen. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) würdigte sie als sprachmächtige Autorin, die Haltung mit dem Mut zum großen Erzählen verbinde. "In ihren Büchern und Theaterstücken entfaltet sich das ganze Panorama menschlicher Freude und menschlichen Leids." Bildstark und schonungslos zeige sie, wie Menschen lebten und überlebten.

Nino Haratischwili, eine der großen deutschsprachigen Erzählerinnen und Dramatikerinnen, sei eine Stimme Osteuropas, die dringend gehört werden müsse, sagte Dreyer. Ihr Werk fordere dazu auf, die Perspektive osteuropäischer Länder verstehen zu lernen. Für alles finde die Preisträgerin Worte, auch für Macht in all ihren Färbungen. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine seien ihre Romane erschreckend aktuell. Dabei finde Nino Haratischwili zu einer eigenen Sprache für Menschlichkeit.

Schriftstellerin Nino Haratischwili bekommt Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz

"Sicherheit ist eine Illusion, alles kann sich von einem Augenblick auf den nächsten ändern", sagte Haratischwili in ihrer Dankesrede mit Blick auf den Georgien-Krieg von 2008. Jetzt gehe das Grauen in der Ukraine immer weiter. "Lasst uns diesen Krieg nicht zu einem Hintergrundrauschen werden lassen, denn diese Menschen brauchen unsere Hilfe."

In ihrer Laudatio beschrieb die ehemalige georgische Außenministerin Maia Panjikidze, wie sie das zuletzt erschienene Buch "Das mangelnde Licht" von Nino Haratischwili ins Georgische übersetzte: "Ich lebte in diesem Buch, ich lebte mit diesem Buch, ich tauchte ein in sein Universum." Die Geschichte der Freundschaft von vier ganz unterschiedlichen Frauen erschien in Deutschland am 26. Februar vergangenen Jahres, zwei Tage nach Beginn des Krieges in der Ukraine.

"Ich bin in diese Sprache eingewandert, mitsamt meinen importierten Geschichten", sagte Haratischwili zur Verleihung des Preises für Verdienste um die deutsche Sprache. "Sie adoptierte mich ohne Wenn und Aber und gab mir die Möglichkeit, vollkommen frei zu sein, also ich selbst." Die deutsche Sprache habe ihr auch die nötige Distanz gegeben, um ihre nicht immer heiteren Geschichten aus Georgien zu erzählen. "Ich möchte diese Sprache nie enttäuschen, ich möchte ihr gerecht werden."

Haratischwili ist in der georgischen Hauptstadt Tiflis geboren 

„In ihren Romanen ist viel Schatten, doch trotz der Abgründe geht das Licht nie aus. In diesem Optimismus ist sie dem großen Carl Zuckmayer sehr ähnlich. Ich freue mich sehr darauf, Nino Haratischwili mit der Carl-Zuckmayer-Medaille auszuzeichnen“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer bereits vor der Verleihung.

Rund 650 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur sowie 150 Schüler*innen von Mainzer Schulen nahmen an der Ehrung im Mainzer Staatstheater teil. Auch die früheren Preisträger Rafik Schami und Thomas Brussig waren mit dabei.

Haratischwili wurde 1983 in der georgischen Hauptstadt Tiflis geboren und lebt seit 2003 in Deutschland. Besondere Resonanz fand 2014 ihr Roman "Das achte Leben (Für Brilka)", in dem sie auf mehr als 1200 Seiten das Schicksal einer Familie vor dem Hintergrund der sowjetischen Geschichte im 20. Jahrhundert beschreibt.

Das sind die Preisträger der vergangenen Jahre

Im vergangenen Jahr erhielt der in Syrien geborene Schriftsteller Rafik Schami die Zuckmayer-Medaille. Zuvor wurden unter anderen die Lyrikerin Nora Gomringer, der Romanautor Friedrich Dürrenmatt, der Mainzer Lyriker und Liedermacher Hanns Dieter Hüsch, die Poetin Hilde Domin und der Filmemacher Edgar Reitz ausgezeichnet.

Die Carl-Zuckmayer-Medaille wird seit 1979 jährlich vom Land Rheinland-Pfalz am Todestag Carl Zuckmayers, dem 18. Januar, an Persönlichkeiten vergeben, die sich um die deutsche Sprache in besonderer Weise verdient gemacht haben. Die Verdienste werden mit einer Kulturveranstaltung gewürdigt.

Zu Ehren Carl Zuckmayers: Preisträger erhalten 30 Liter Wein

Zum Preis gehören die von Künstler Otto Kallenbach geschaffene Medaille sowie ein 30-Liter-Fass Nackenheimer Riesling vom Weingut Gunderloch, dem Lieblingswein Carl Zuckmayers. Der Dramatiker war ein "großer Weinkenner und Weingenießer und liebte insbesondere den rheinhessischen Wein.", wie Andrea Bähner, die Sprecherin der Landesregierung, auf Nachfrage von inRLP.de mitteilte. Nach Angaben der Sprecherin werde das Weinfass in insgesamt 40 Flaschen Wein abgefüllt und der Preisträgerin Nino Haratischwili nach Hause transportiert. 

Redaktion mit dpa

 

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