• Nosferatu-Spinnen in Mainz: Breitet sich die Spinnenart in der Region tatsächlich schneller aus?
  • Größe und Zeichnung der Spinne: So erkennt man die Art
  • Was zu tun ist, wenn sich die Spinne ins Haus verirrt

Seit Wochen liest und hört man überall davon: Eine neue Spinnenart - die Nosferatu-Spinne - breitet sich in Deutschland aus. Auch in Rheinland-Pfalz und speziell der Landeshauptstadt Mainz häufen sich die Sichtungen. Doch wie erkenne ich die Spinne und warum ist sie in der Region heimisch geworden? inRLP.de hat beim Naturschutzbund (NABU) nachgefragt.

Seit 2006: Die Nosferatu-Spinne ist in Rheinland-Pfalz heimisch geworden

Menschen mit Spinnenphobie dürfte diese Nachricht alles andere als freudig stimmen, doch es stimmt: Die Nosferatu-Spinne, eine Spinnenart, die ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet stammt, ist in Deutschland längst heimisch geworden. "Die ersten Funde der Nosferatu-Spinne in Deutschland gab es schon 2005", erklärt Rainer Michalski von der NABU-Regionalstelle Rheinhessen-Nahe.

Die ersten Tiere seien um die Jahrhundertwende, vermutlich gut versteckt in Kisten und Containern per Warentransport über die Alpen und nach Deutschland gekommen. Seither würde sich die Spinnenart vom Süden her kommend, vor allem entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse ausbreiten.

Im Jahr 2006 sei die erste Nosferatu-Spinne in Mainz gesichtet worden. "Das warme Stadtklima sagt der Art besonders zu, aber es gab im selben Zeitraum auch Funde aus vielen anderen Städten in Deutschland", so der NABU-Sprecher.

NABU: "Seit Mai dieses Jahres wurden uns rund 150 Funde von Nosferatu-Spinnen aus Mainz gemeldet"

Doch wenn es die Nosferatu-Spinne bereits seit den 2000ern in Rheinland-Pfalz gibt, stimmt es dann überhaupt, dass sie sich aktuell weiter ausbreitet? "Seit Mai dieses Jahres wurden uns rund 150 Funde von Nosferatu-Spinnen aus Mainz gemeldet", berichtet Michalski auf Nachfrage von inRLP.de.

Das sei jedoch nicht zwingend auf eine Zunahme der Art zurückzuführen, denn Funde habe es, wie der NABU-Sprecher weiß, in den letzten Jahren immer wieder gegeben. "Vielmehr wurde in diesem Zeitraum mehrfach in verschiedenen Zeitungen, im Fernsehen und im Internet über die Nosferatu-Spinne berichtet, was viele Menschen erst auf diese Neubürger in ihrer Wohnumgebung aufmerksam machten", so der Experte.

Auffällige Zeichnung und Größe: So erkennt man die Nosferatu-Spinne

Auch ein gehäuftes Auftreten der Spinnen an bestimmten Orten sei nicht zu beobachten. "Die Art ist überall im Stadtgebiet Mainz vorhanden", erklärt er. Lediglich am Anfang seien die Spinnen vor allem in der Neustadt und Oberstadt, den wärmsten Region von Mainz, beobachtet worden: "Die Hitzesommer der letzten Jahre haben es der Wärme liebenden Nosferatu-Spinne leicht gemacht, sich von dort aus zu verbreiten."

Viele Menschen stellen sich aktuell die Frage, wie man die Nosferatu-Spinne überhaupt erkennt. "Das auffallendste Kennzeichen der gelblich-braun gefärbten Nosferatu-Spinne ist die an einen Schmetterling erinnernde Zeichnung auf dem Vorderkörper", beschreibt sie Rainer Michalski.

"'Nur' eine große, nicht die größte Spinnenart in unseren Breiten"

Außerdem sei die Spinne relativ groß und kann bis zu sechs Zentimeter messen. "Damit ist sie allerdings 'nur' eine große, aber nicht die größte Spinnenart in unseren Breiten." Die Große Winkelspinne, die in beinahe jedem Keller vorhanden ist, wird mit einer Spannweite von bis zu 10 Zentimetern deutlich größer.

Auffällig ist zudem, dass Spinnen dieser Art keine Netze bauen: "Sie sind Lauerjäger, die Insekten im Sprung erbeuten und mit einem Giftbiss töten." Durch Hafthaare an ihren Beinenden können Nosferatu-Spinnen auch glatte, senkrechte Flächen, wie etwa eine Badewannenwand, erklettern. Andere Arten, zum Beispiel Winkelspinnen, würde daran scheitern.

Einfangen und nicht reizen: Was bei Kontakt mit der Spinne zu tun ist

Die Nosferatu-Spinne breitet sich, laut Rainer Michalski, in Rheinland-Pfalz nicht schneller aus als in anderen Gebieten. Doch sie schätzt warmes und trockenes Klima, weshalb sie sich in Rheinhessen und am Oberrhein besonders wohlfühlt. Diese Regionen würden nämlich zu den wärmsten und trockensten in Deutschland gehören.

Wer der Spinne begegnet, sollte erstmal nicht in Panik verfallen. Stattdessen rät der Experte dazu, die Spinne mit einem Stück Papier und einem Glas einzufangen. Etwas weiter vom Haus entfernt könne die Spinne dann wieder freigelassen werden. "Man sollte das Tier jedoch nicht bedrängen oder reizen, da es sonst zubeißen könnte – eine durchaus schmerzhafte Erfahrung, die einem Wespenstich vergleichbar ist", so ein weiterer Ratschlag des NABU-Sprechers.

Außerdem hat der NABU vor kurzem ein Meldeportal eingerichtet, in dem der Fund einer Nosferatu-Spinne eingetragen werden kann. Durch Meldeaktion erhofft sich der Naturschutzbund, einen genaueren Überblick über die Verbreitung der Spinnenart.