• Der neue Tatort aus Ludwigshafen läuft unter dem Titel "Das Verhör"
  • Diesmal werden Frauenhasser in den Fokus genommen
  • Ermittlerin Lena Odenthal ermittelt in "Männerdomänen" wie dem Militär

Der populäre ARD-Sonntagskrimi "Tatort" wird nach zehn Wochen Sommerpause am 4. September 2022 (20.15 Uhr, ARD) wieder mit einem neuen Fall aus Ludwigshafen zurückkehren. Dabei geht es in "Das Verhör" um einen brisanten Fall: Ein Frauenhasser lässt eine Frau bei lebendigem Leibe verbrennen. Und die Folge stellt die Frage: Woher kommt der Hass? Für die Kommissarin wird es persönlich.

Tatort aus Ludwigshafen: "Das Verhör" nimmt Frauenhasser in den Blick

Mit größtmöglicher Brutalität tötet ein Unbekannter die Investmentbankerin Ann-Kathrin Werfel. Der Angreifer zertrümmert erst die Scheibe ihres Autos, dann verbrennt er die Frau bei lebendigem Leib.

Es geht um Frauen, die den Ton angeben, und um weibliche Führungskräfte in den traditionellen Männerwelten Polizei und Militär - selten war der "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) ein Thema persönlich so nah. Im Zentrum steht ein nervenaufreibendes Katz- und Maus-Spiel.

Für den Mord an seiner Ex-Frau hat Patrick Werfel ein Alibi. Spuren führen Odenthal zu Hajo Kessler - allerdings scheint es zwischen dem Bundeswehrhauptmann und dem Opfer keine Verbindung zu geben. Odenthal glaubt bei den Männern schwelenden Hass zu erkennen - ein mögliches Motiv für das Töten einer Frau aufgrund ihres Geschlechts, einen sogenannten Femizid.

Odenthal gibt zurück: "Testosteron ist doch Ihr ganz spezieller Treibstoff"

Werfel ertrug wohl den Berufserfolg seiner Frau nicht und Kessler leidet unter einer selbstbewussten Chefin in der Kaserne. Doch stimmt das? Die Indizienlage ist dünn. "In was haben Sie sich da verrannt?", faucht der Oberstaatsanwalt etwa Odenthal an.

Mit starken Dialogen lotet dieser 76. Odenthal-"Tatort" das Thema Gewalt gegen Frauen aus. "Sie versuchen, mir ein ganz dumpfes Männerbild anzudichten", schimpft Kessler einmal. Odenthal gibt zurück: "Testosteron ist doch Ihr ganz spezieller Treibstoff." Und sie kritisiert Kesslers herablassende Sicht auf Frauen: "Mit dieser Meinung stehen Sie in unserer Gesellschaft ziemlich allein da." Der Soldat antwortet ruhig: "Nein, Frau Odenthal. Da irren Sie sich."

Götz Otto und Ulrike Folkerts treffen aufeinander

Sie waren schon vorher zusammen zu sehen: 25 Jahre nach ihrem gemeinsamen "Tatort: Nahkampf" (1997) treffen Götz Otto als arroganter Offizier Kessler und eine gewohnt engagierte Ulrike Folkerts in Deutschlands TV-Dauerbrenner erneut aufeinander. Der Titel "Das Verhör" bezieht sich auf die oft beklemmende Atmosphäre bei der polizeilichen Vernehmung. Der Schlagabtausch zwischen Otto und Folkerts gehört zu den Stärken dieses Krimis.

Einige Szenen allerdings strapazieren arg die Grenzen der Plausibilität. Zudem geht die Deutlichkeit des Themas Femizid diesmal auf Kosten der Zwischentöne, für die kaum Raum bleibt.

"Mehr als jeden dritten Tag wird im Durchschnitt in Deutschland eine Frau in einer Partnerschaft getötet"

Das Buch, als Vorlage des Films, ist von Stefan Dähnert. Regisseurin Esther Wenger zeigt, wie Gewalt gegen Frauen entstehen und wohin sie führen kann. Die Opferschutzorganisation Weißer Ring fordert dazu auf, stärker gegen Femizide vorzugehen. "Mehr als jeden dritten Tag wird im Durchschnitt in Deutschland eine Frau in einer Partnerschaft getötet", sagte der Vorsitzende Jörg Ziercke. In der Vergangenheit wurden solche Tötungen oft mit "Beziehungstat" oder "Familientragödie" verharmlost.

"Femizid ist ein wahnsinnig wichtiges Thema", sagt Folkerts. "Das ist schon harter Tobak für Lena Odenthal und auch für Ulrike." Ihr Odenthal-Satz "Die Männer in meiner Abteilung mussten sich auch erst daran gewöhnen, dass ich das Sagen habe" könnte auch eine Erinnerung daran sein, wie schwer sie es zu Beginn ihrer "Tatort"-Karriere vor mehr als 30 Jahren selbst hatte. "Ich glaube, wir haben tatsächlich ein paar Türen aufgebrochen für starke Frauenfiguren im Fernsehen und Film", sagte Folkerts bereits früher.

Der "Tatort: Das Verhör" ist voll davon: neben Lisa Bitter als Odenthals Kollegin Johanna Stern etwa auch Katrin Röver als Oberstleutnant Angelika Limbach.

Redaktion mit dpa