Karl Lauterbach hat sich zwar mit Corona infiziert und befindet sich derzeit in Isolation, das Twittern kann er trotzdem nicht lassen: Auf die Frage eines Nutzers zum neuen Infektionsschutzgesetz reagierte der Bundesgesundheitsminister aber sehr gereizt. Und ließ seine Follower mit vielen offenen Fragen zurück.

Die neuen Corona-Maßnahmen für den Herbst und Winter sehen unter anderem vor, dass die vierte Impfung schon nach drei Monaten ihre Wirkung verlieren soll. Läuft der Schutz also ab, gilt eine Masken- oder Testpflicht für bestimmte Bereiche, unter anderem für Restaurants und Kinos.

Lauterbach verwirrt mit Tweet: Was steckt hinter der Drei-Monats-Regel?

Ein Twitter-Nutzer stellte daher eine These auf, welches Ziel Lauterbach tatsächlich mit den neuen Maßnahmen verfolge: Der Minister wolle mit dem Gesetz den Anreiz schaffen, "dass Menschen, die den ganzen Winter sicher und problemlos Zugang haben wollen, sich dann eben alle drei Monate impfen".

Nur zwölf Minuten später folgte die Antwort des Ministers: "Glauben Sie im Ernst, dass Menschen sich alle drei Monate impfen lassen, um ohne Maske in ein Restaurant gehen zu können?" Dahinter setzte Lauterbach sechs Fragezeichen. Seine Antwort lässt sich daher so interpretieren, als rücke er von der erst kürzlich ausgesprochenen Impfempfehlung wieder ab.

Doch auch der Rest seines Tweets löste Verwirrung aus: "Wenn wir das wirklich oft sähen, würden wir die Regel ändern, machen die Ausnahme dicht. Allgemeine Maskenpflicht im Innenraum oder Test wäre dann Konsequenz." Das Gesundheitsministerium findet allerdings, dass der Tweet durchaus "selbsterklärend" sei. Lauterbachs Vorschlag, die Ausnahmeregelungen für Frisch-Geimpfte und Frisch-Genesene wieder zu canceln, müsse rein "hypothetisch" verstanden werden, erläuterte ein Sprecher auf Nachfrage der Bild-Zeitung.

Tino Sorge, Gesundheitsexperte und Bundestagsmitglied, hat jedenfalls kein Verständnis für Lauterbachs kryptische Social-Media-Posts: "Diese Debatte ist zu wichtig, um sie in Form missverständlicher Spätabend-Tweets zu führen", so der CDU-Politiker im Bild-Interview. Seiner Meinung nach sei die Drei-Monats-Regel als Teil des neuen Infektionsschutzgesetzes inakzeptabel.

Offene Fragen bei vierter Impfung: Was empfiehlt Lauterbach nun?

Lauterbach will aber auch seine früheren Äußerungen zur vierten Corona-Impfung nicht als Empfehlung für alle jüngeren Menschen verstanden wissen. "Ich habe nicht gesagt: Für alle die vierte Impfung", sagte der SPD-Politiker am Dienstagabend im ZDF-heute journal. "Ich habe nie gesagt, dass alle jüngeren Leute sich jetzt impfen lassen sollen. Das ist einfach falsch."

Der Minister hatte sich Mitte Juli in einem Spiegel-Interview zur vierten Corona-Impfung geäußert und gesagt, wolle man den Sommer ohne das Risiko einer Erkrankung genießen, dann würde er "in Absprache natürlich mit dem Hausarzt auch Jüngeren die Impfung empfehlen".

Bestseller: Corona-Selbsttests bei Amazon ansehen

Er habe lediglich darauf hingewiesen, dass es für die verschiedenen Altersgruppen wie für die unter 60-Jährigen eine klare Botschaft brauche, sagte Lauterbach nun. Risikopatienten sollten seiner Ansicht nach nicht auf die angepassten Impfstoffe warten: Abwarten sei "für diejenigen, die jetzt im Risiko stehen, einfach falsch", sagte er im ZDF. Bei jüngeren Menschen könne es aber durchaus Sinn machen, "dass man noch etwas zuwartet" und sich mit den neuen Impfstoffen behandeln lasse, sagte Lauterbach in den ARD-Tagesthemen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine vierte Corona-Impfung derzeit nur Menschen über 70 Jahren sowie einigen Risikogruppen. Führende EU-Behörden haben sich für eine zweite Auffrischungsimpfung für alle über 60 ausgesprochen.

th/dpa

Artikel enthält Affiliate Links

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn du auf einen dieser Links klickst bzw. darüber einkaufst, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für dich ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.