Das DRK-Krankenhaus in Alzey steht momentan stark unter Druck, denn es hat mit einem Krankenstand von beinahe 60 Pflegekräften und Mitarbeiter*innen zu kämpfen. Zahlreiche Krankmeldungen und die Folgen der Corona-Pandemie seien die Gründe dafür. 

Deshalb sind Operationssäle mittlerweile geschlossen worden und es wurde ein Aufnahmestopp veranlasst. 

Erste Besserung der Lage: Wieder mehr Platz im Krankenhaus

Wie Nordhoff am Donnerstag (9. Dezember) gegenüber dem SWR mitteilte, habe sich die Situation durch diese Maßnahmen mittlerweile leicht entspannt. Das Krankenhaus "laufe leer", soll Nordhoff wörtlich gesagt haben. Dies liegt daran, dass einige Patient*innen die Klinik inzwischen verlassen konnten.  Durch den noch bestehenden Aufnahmestopp liege die Bettenauslastung derzeit nur noch bei 36 Prozent. Dies stellt schon einen kleinen Lichtblick dar.

Aufgrund der weiterhin hohen Infektionszahlen und der vielen Beschäftigten im Krankenstand sei die Lage aber noch weit davon entfernt, wirklich entspannt zu sein, wie eine Mitarbeiterin aus dem Krankenhaus berichtet. "Hier hat sich noch nicht viel entspannt und in Anbetracht der Zahlen wird sich daran so schnell auch nichts ändern", so die Mitarbeiterin. 

"Die Situation ist einfach nur Wahnsinn"

 Nordhoff sagte gegenüber dem SWR: "Die Situation ist einfach nur Wahnsinn und in der Form auch noch nie dagewesen." Er spricht vom hohen Krankenstand mit mittlerweile fast 60 Mitarbeiter*innen und dem herrschenden Fachkräftemangel, der verhindert, dass Ausfälle kurzfristig ausgeglichen werden können.

So mussten so gut wie alle Operationssäle geschlossen werden. "Weil wir momentan zu wenig Leute haben, können wir nur Notoperationen und dringliche Eingriffe in einem OP-Saal vornehmen", erklärte der 58 Jahre alte Direktor.

Außerdem nehme man aktuell keine Verletzten nach Verkehrsunfällen auf. Sie kämen in umliegenden Krankenhäusern unter.

Erkältungswelle und Erschöpfung nach zwei Jahren Corona-Pandemie als Ursache 

Die Ursache für den hohen Krankenstand könnte zum einen an einer Erkältungswelle liegen, zum anderen seien viele Pflegekräfte nach fast zwei Jahren Corona-Pandemie erschöpft, vermutet Nordhoff. "Der Mehraufwand aufgrund der Pandemie ist extrem belastend. Irgendwann ist dann mal Schicht im Schacht", fügte er hinzu.

Von der Krankheitswelle betroffen seien 41 examinierte Pflegekräfte und sogar zwei Ärzte seien krank. Überdies seien 15 Menschen erkrankt, die bei der Pflege helfen – etwa Auszubildende oder Frauen und Männer, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren.

Covid-Patient*innen benötigen rund um die Uhr Personal

Das Alzeyer DRK-Krankenhaus habe acht Intensivbetten, die teilweise mit schwerstkranken Corona-Patient*innen belegt seien, zur Verfügung. Diese schweren Krankheitsverläufe binden rund um die Uhr Personal

Doch auch andere infizierte Patient*innen brauchen eine hohe Anzahl an Pflegepersonal. Wie Nordhoff sagte, gibt es in der Klinik aktuell 14 Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind. Diese kommen in der reinen Covid-Station des Krankenhauses, mit 20 verfügbaren Betten, unter. Bei sechs weiteren Menschen, die in einer Isolierstation unterkommen, bestehe ein Verdacht auf eine Covid-Erkrankung.

Betriebsratsvorsitzender glaubt nicht an Protestaktion wegen Pflegenotstand

Der Betriebsratsvorsitzende im DRK-Krankenhaus in Alzey, Andreas Barwig, sagte dem SWR, dass sich keiner absichtlich krankschreiben lassen würde, um auf diese Weise auf den Pflegenotstand hinzuweisen. Barwig glaubt, dass ein paar der erkrankten Mitarbeiter nächste Woche wieder zur Arbeit kommen können.

Lukas Hetterich / dpa