Der Deutsche Hausärzteverband forderte klare Empfehlungen von der Ständigen Impfkommission (Stiko) zu den neuen Corona-Impfstoffen gefordert. "Dass nun angepasste Impfstoffe zur Verfügung stehen, ist eine sehr positive Nachricht", sagte der Bundesvorsitzende des Verbandes, Ulrich Weigeldt, der Düsseldorfer Rheinischen Post am Mittwoch (31. August). "Weniger schön ist das kommunikative Chaos rund um die verschiedenen angepassten Impfstoffe."

Patient*innen würden sich fragen, ob es sinnvoll sei, sich Anfang September mit dem an BA.1 angepassten Impfstoff impfen zu lassen, oder ob man auf den an BA.4/BA.5 angepassten Impfstoff warten sollte, sagte Weigeldt. "Hier braucht es sehr zeitnah eine klare Empfehlung der Stiko, an welcher sich auch die Hausärztinnen und Hausärzte orientieren können." Bisher lägen dazu keinerlei Informationen vor.

Corona-Impfstoff gegen Omikron: Zulassung steht noch aus

Am Montag (29. August) hatte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) Lieferungen eines an die Virusvariante BA.1 angepassten Impfstoffes für Anfang September angekündigt. Eine EU-weite Zulassung steht noch aus, wird aber erwartet.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, nannte das in den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Mittwoch (31. August) "eine gute Nachricht". Die klinischen Studien der Hersteller zeigten, dass das adaptierte Vakzin deutlich mehr Antikörper gegen Omikron hervorrufe und somit der Immunschutz gesteigert werden könne.

"Der beste Impfstoff hilft aber nichts, wenn er liegenbleibt", sagte Reinhardt. Ältere Menschen und Patienten mit Immunschwäche und schweren Vorerkrankungen sollten sich zügig ein viertes Mal impfen lassen, auch wenn in einigen Wochen mit der Zulassung weiterer neuer Impfstoffe gegen die BA.4- und BA.5-Varianten zu rechnen sei, empfahl Reinhardt. Ob auch junge, gesunde Menschen ihren Immunschutz durch eine Impfung mit den neuen BA.1- beziehungsweise BA.4/BA.5-Vakzinen steigern sollten, müsse die Stiko beurteilen.

Immunologe hält allgemeine Booster-Empfehlung für unwahrscheinlich

Ausgehend von den bekannten Daten hält Immunologe Carsten Watzl eine Empfehlung für eine zweite Auffrisch-Impfung mit den neuen Präparaten nur für bestimmte Gruppen für wahrscheinlich, etwa für Menschen ab 60 Jahren, Menschen mit unterdrücktem Immunsystem oder mit Vorerkrankungen. "Ich wäre sehr überrascht, wenn die Stiko sagen würde, dass sich alle Erwachsenen noch mal impfen lassen sollen."

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Für Donnerstag hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA ein Treffen ihres zuständigen Ausschusses angekündigt: Es geht um Anträge von Biontech/Pfizer und Moderna auf Zulassung von Covid-19-Impfstoffen, die an die Omikron-Sublinie BA.1 angepasst sind. Nach Deutschland sollen - vorbehaltlich der Zulassung - in den beiden Wochen ab 5. September rund 14 Millionen Dosen der neuen Booster kommen, wie aus einem Schreiben von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hervorgeht.

Die EMA prüft derzeit unter anderem bereits einen auf die aktuellen Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 angepassten Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer.

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