Update vom 04.11.2022, 10 Uhr: Unternehmer Markus Schön plant große Galeria-Investition

Gibt es doch noch eine Zukunft für Galeria Karstadt Kaufhof? Erst zum Beginn der Woche wurde bekannt, dass das traditionsreiche Unternehmen etliche seiner Standorte schließen muss, auch in Franken bangen viele Angestellte um ihre Filialen. Nun will ein Investor das Kaufhaus retten und soll bereits entsprechende Gespräche mit dem Insolvenzverwalter geführt haben.

Am 31. Oktober 2022 stellte das Unternehmen offiziell einen Insolvenzantrag. Konkret bedeutet das: Rund ein Drittel der 131 Filialen in Deutschland sollen eingestampft werden, hieß es aus der Chefetage von Galeria. Nun bringt sich aber Markus Schön als möglicher Retter des Unternehmens ins Spiel: "Wir wollen Galeria Kaufhof retten! Wir glauben an die Zukunft dieser Traditionsmarke in Kombination mit unserer Online-Erfahrung und könnten dabei helfen, tausende Arbeitsplätze zu erhalten", machte Schön im Interview mit der Bild-Zeitung deutlich. Aktuell ist der 48-Jährige Geschäftsführer des Onlinehändlers Buero.de.

Schön plane, rund 40 Filialen zu übernehmen, sie umzustrukturieren und ihnen sogar einen neuen Namen zu verpassen. Die dort angestellten Mitarbeiter sollen aber definitiv bleiben, erklärte der Detmolder Unternehmer im Gespräch mit dem Portal Business Insider. Denn besonders die kleinen Standorte würden vor personellem "Engagement" strotzen. In seinen Online-Profilen listet Schön auch seine früheren Tätigkeiten als Filialleiter der Commerzbank und Bereichsleiter der Sparkasse auf. Im Interview sagt Schön zudem, dass er sich bereits seit 2018 für Galeria Karstadt Kaufhof interessiere.

Der Unternehmer erhoffe sich von der Übernahme, dass das Konzept der Galeria-Kaufhäuser in "mittelgroßen Städten eine Zukunft" haben könne. Er wolle damit "Warenhauserlebnisse (…) wie früher" schaffen, sagte er zu Business Insider. Er strebe aber bei denjenigen Filialen, die er übernehmen will, eine Namensänderung an. Das liege schlicht und einfach am sperrigen Titel. "Ich habe wenig Interesse an einer Kette, für deren Aussprache ich schon ewig brauche."

Doch was sagt Galeria selbst zu den Plänen? Die Zentrale des Konzerns mit Sitz in Essen äußerte sich bisher nur sehr zurückhaltend, ein offizielles Statement zu Markus Schön steht noch aus. Das Unternehmen könne derzeit noch keine Aussagen zur Zukunft einzelner Filialen treffen und analysiere momentan die Einzelfälle, antwortete die Pressestelle dem Bayerischen Rundfunk. Laut Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz dauere es noch bis zu drei Monate, bis diese Untersuchung abgeschlossen ist.

In Franken hat Galeria Karstadt Kaufhof aktuell die zehn folgenden Filialen - welche davon von einer Schließung betroffen sein könnten, ist aktuell aber noch nicht bekannt:

  • Aschaffenburg (1)
  • Bamberg (1)
  • Bayreuth (1)
  • Coburg (1)
  • Erlangen (1)
  • Nürnberg (3)
  • Schweinfurt (1)
  • Würzburg (1)

Erstmeldung vom 01.11.2022, 6.30 Uhr: Schock für Traditions-Kaufhaus - Etliche Filialen schließen

Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof will über 40 seiner verbliebenen 131 Kaufhäuser schließen. Das kündigte Unternehmenschef Miguel Müllenbach an. Wenige Stunden zuvor hatte das Unternehmen zum zweiten Mal innerhalb von weniger als zwei Jahren Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen, wie ein Firmensprecher am Montag sagte.

Der Manager sagte in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, um das Unternehmen zu retten, müsse das Filialnetz "um mindestens ein Drittel reduziert werden". Betriebsbedingte Kündigungen seien unvermeidbar. In einem Mitarbeiterbrief schrieb Müllenbach, das Unternehmen müsse sich von jenen Filialen trennen, die angesichts der Konsumflaute, der Inflation und der Energiekosten "auf absehbare Zeit nicht mehr profitabel zu betreiben sind". Nur so lasse sich ein endgültiges Scheitern des Unternehmens verhindern. Der Handelsriese mit seinen 17.000 Mitarbeitern ist noch in 97 deutschen Städten vertreten.

Finanzielle Notlage: Galeria schließt viele Filialen

Galeria hatte vor dem Gang zum Insolvenzgericht noch mit der Bundesregierung über weitere Finanzhilfen - über die bereits erhaltenen 680 Millionen Euro hinaus - verhandelt. Doch sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass dies kein gangbarer Weg sei, sagte Müllenbach. "Dauerhafte staatliche Darlehen können hier nicht die Lösung sein, sondern es bedarf eines klaren Schnitts hin zu wirtschaftlich tragfähigen Strukturen."

Während des ersten Corona-Lockdowns im April 2020 hatte das Unternehmen schon einmal Rettung in einem Schutzschirmverfahren gesucht. Das Insolvenzverfahren dauerte damals bis Ende September. Bei der auf Sanierung ausgerichteten Insolvenzvariante übernimmt ein gerichtlich bestellter Sachverwalter die Aufsicht über die Rettung, während die Unternehmensführung die Kontrolle behält, aber von einem externen Sanierungsexperten beraten wird.

Im Fall von Galeria soll nach Informationen der Wirtschaftswoche der Düsseldorfer Jurist Frank Kebekus die vorläufige Sachwaltung übernehmen. Der Restrukturierer Arndt Geiwitz soll demnach die operative Sanierung leiten. Schon im Frühjahr 2020 waren die beiden Experten in gleicher Position beim ersten Schutzschirmverfahren im Einsatz. Damals wurden rund 40 Filialen geschlossen, etwa 4000 Stellen abgebaut und mehr als zwei Milliarden Euro an Schulden gestrichen.

Experte schätzt Galeria-Insolvenz kritisch ein

Dennoch urteilte der Handelsexperte Jörg Funder von der Hochschule Worms im Rückblick: "Bei der Galeria-Insolvenz im Jahr 2020 gingen die Einschnitte nicht tief genug." Der politische Wille und die Sorge um die Lebensfähigkeit vieler Innenstädte bei einer Schließung der Warenhäuser, aber auch die Interessen von Eigentümer Signa hätten das damals verhindert. "Das Warenhaus hat eine Daseinsberechtigung, aber es benötigt ein großes Einzugsgebiet. Darum ist nur Platz für 50 bis 60 Filialen in Deutschland, nicht für alle 131 Galeria-Kaufhäuser", sagte Funder.

Wie viele deutsche Warenhäuser haben noch Zukunft?

Wie viele Warenhäuser in Deutschland auf Dauer überleben können, ist auch unter Experten umstritten. Johannes Berentzen, Chef der Handelsberatung BBE, sieht nur Platz für weniger als 100 Warenhäuser. "Und selbst diese Häuser werden nur eine Zukunft haben, wenn die Aufenthaltsqualität und das Geschäftsmodell deutlich verbessert werden." Damit gehört er eher zu den Optimisten. Der frühere Kaufhof-Chef Lovro Mandac hält auf Dauer 40 bis 50 Warenhäuser in Deutschland für zukunftsfähig. Eine aktuelle Analyse der Immobilienzeitung kommt sogar zu dem Ergebnis, dass wohl nur 30 von 131 Filialen eine sichere Perspektive haben. Alle anderen müssten bangen.

Müllenbach räumte im Mitarbeiterbrief ein: "Es ist erneut unsere Pflicht, alles, wirklich alles in den kommenden Wochen auf den Prüfstand zu stellen." Doch bemühte er sich, auch ein wenig Hoffnung zu verbreiten. "Galeria ist zukunftsfähig", schrieb er und versprach, der Konzern werde weiter eine wesentliche Funktion für die deutschen Innenstädte wahrnehmen.

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