Update 29.11.2022, 11 Uhr: Neuer Haftbefehl gegen verdächtigen Unterfranken

Gegen den im Fall des verschwundenen Mädchens Maddie verdächtigen Mann aus Unterfranken ist ein Haftbefehl erlassen worden. Die zuständige Strafkammer habe einen dringenden Tatverdacht für fünf Sexualstraftaten bejaht, teilte das Landgericht Braunschweig am Montag mit. Die Staatsanwaltschaft hatte im Oktober Anklage gegen den 45-Jährigen erhoben. Ihm werden drei Fälle schwerer Vergewaltigung und zwei Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern vorgeworfen.

Die Taten soll er zwischen Ende Dezember 2000 und Juni 2017 in Portugal begangen haben, wo im Mai 2007 die damals dreijährige Britin Madeleine McCann aus einer Apartmentanlage verschwand. Die Ermittlungen zu ihrem Verschwinden gehen ungeachtet der aktuellen Anklage weiter, hatten die Strafverfolger im Oktober betont.

Im Juni 2020 hatten das Bundeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Braunschweig überraschend mitgeteilt, dass der Deutsche im Fall Maddie unter Mordverdacht stehe. Die Braunschweiger Strafverfolgungsbehörde ist zuständig, weil der Verdächtige vor seinem Auslandsaufenthalt seinen letzten deutschen Wohnsitz in der Stadt hatte.

Die Entscheidung zum Haftbefehl ist nun im sogenannten Zwischenverfahren erfolgt, wie das Gericht betonte. Ob die Anklageschrift zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet wird, bleibt weiter offen. Klar ist aber bereits, dass ein möglicher Prozess gegen den 45-Jährigen frühestens im kommenden Jahr beginnen könnte.

Derzeit sitzt der Mann eine siebenjährige Haftstrafe ab, die er für die Vergewaltigung einer US-Amerikanerin im Jahr 2005 im portugiesischen Praia da Luz bekam. Da diese Haftzeit wegen der Vergewaltigung der US-Amerikanerin im September 2025 voll verbüßt wäre, hatte die Staatsanwaltschaft auch den Haftbefehl beantragt.

Eine Vollstreckung ist laut Gericht aber derzeit nicht möglich, weil es dafür der Zustimmung Italiens bedarf. Dort war der Angeschuldigte aufgegriffen worden. Er wurde nach Deutschland ausgeliefert. Die Genehmigung soll durch die Staatsanwaltschaft Braunschweig eingeholt werden.

Sowohl die 2. Strafkammer des Landgerichts in Braunschweig als auch die Staatsanwaltschaft sehen die Haftgründe der Fluchtgefahr und auch der Wiederholungsgefahr gegeben. Der Verteidiger des Verdächtigen, Friedrich Fülscher, hatte schon zur Anklageerhebung gesagt, dass er die Beweislage in allen Fällen für dürftig halte.

Originalmeldung: Verdächtiger Unterfranke angeklagt - wegen brutaler Vergewaltigungen

Vorgeworfen werden ihm mehrere Sexualstraftaten  - Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat gegen den auch im Fall Maddie verdächtigen Mann aus Würzburg Anklage erhoben. Es gehe um drei Fälle schwerer Vergewaltigung und zwei Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern, teilte die niedersächsische Justizbehörde am Dienstag mit.

Der 45-Jährige aus Unterfranken soll die Taten zwischen Ende Dezember 2000 und Juni 2017 in Portugal begangen haben. Derzeit sitzt er für die Vergewaltigung einer US-Amerikanerin im Jahr 2005 im portugiesischen Praia da Luz eine mehrjährige Haftstrafe ab.

Hat er Maddie entführt? Ermittlungen laufen trotz Anklage weiter

Genau in Praia da Luz verschwand die damals dreijährige Madeleine Beth McCann am 3. Mai 2007 aus einem Ferienappartement. Seitdem fehlt von "Maddie" aus Großbritannien jede Spur. Der mysteriöse Fall steht immer wieder im Rampenlicht und produziert weltweit Schlagzeilen.

Mutter Kate und Vater Gerry McCann standen zwischenzeitlich sogar selbst unter Verdacht. Die Ermittlungen zum Verschwinden des Mädchens dauern den Angaben vom Dienstag zufolge ungeachtet der Anklageerhebung weiter an. Details zu den bisherigen Ermittlungsergebnissen könnten nicht genannt werden.

Neben den Ermittlungen im Fall Maddie wird gegen den 45-Jährigen in weiteren Fällen wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung ermittelt. Angeklagt wurde er nun, weil er zwischen dem 28. Dezember 2000 und dem 8. April 2006 eine unbekannt gebliebene, etwa 70 bis 80 Jahre alte Frau in ihrer Ferienwohnung in Portugal gefesselt und vergewaltigt haben soll. Im gleichen Zeitraum soll er ein unbekannt gebliebenes deutschsprachiges Mädchen im Alter von mindestens 14 Jahren in Portugal nackt an einen Holzpfahl gefesselt, mit einer Peitsche geschlagen und zum Oralverkehr gezwungen haben.

Unterfranke wegen zahlreichen Taten angeklagt - Videos von brutalen Vergewaltigungen

Außerdem soll der Mann am 16. Juni 2004 eine 20-jährige Frau aus Irland brutal vergewaltigt haben. Dann soll er sein Opfer an einen Tisch gefesselt und erneut vergewaltigt sowie ausgepeitscht haben. Diese Taten soll er per Video aufgezeichnet haben. Darüber hinaus soll er sich im April und Juni 2007 zwei Mädchen im Alter von zehn und elf Jahren nackt gezeigt und vor ihnen masturbiert haben.

Der über 100 Seiten umfassenden Anklageschrift seien mehrjährige, intensive und aufwendige Ermittlungen in mehreren europäischen Ländern vorangegangen. An diesen sei auch das Bundeskriminalamt beteiligt gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Bei dem 45-Jährigen handele es sich um einen mehrfach vorbestraften Sexualstraftäter, der unter anderem auch wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden sei.

Der Verteidiger des Verdächtigen, Friedrich Fülscher, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Vorwürfe seien schon länger bekannt. An der Sachlage habe sich nichts geändert: "Ich halte die Beweislage in allen Fällen für dürftig", betonte er. Das Gericht müsse zunächst über die Zulassung der Anklage entscheiden.

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