Update vom 23.01.2023, 13.30: Kopf vor Gericht abgelegt - Strafe für Täter steht fest

Ein 39 Jahre alter Mann, der im vergangenen Sommer einen menschlichen Kopf vor einem Gerichtsgebäude in Bonn abgelegt hatte, ist dafür am Freitag (20. Januar) zu eineinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Der Mann hatte zu den Vorwürfen geschwiegen, doch das Landgericht Bonn ging davon aus, dass er den Kopf seines zuvor an Tuberkulose gestorbenen Freundes abgetrennt und dann vor das Gericht gelegt hatte. Verurteilt wurde er wegen Störung der Totenruhe.

Laut Anklage soll der 39-Jährige, der auf der Straße lebte, den Kopf des Toten mit einem Messer abgetrennt haben. Danach habe er das Leichenteil in eine große Umhängetasche gesteckt und sei zum Gericht gelaufen. Am Eingangsportal habe er es schließlich ablegt. Eine Passantin berichtete später, dass der Mann danach auf der gegenüberliegenden Straßenseite gesessen und den Kopf angestarrt habe.

Zeugen hatten sich im Prozess schockiert von dem Anblick gezeigt. Eine 44-Jährige berichtete, dass ihr Sohn gerufen habe: "Mama, Mama, da liegt ein Kopf." Sie selbst habe das zunächst für einen makabren Scherz gehalten und ihren Sohn dafür noch getadelt. Eine weitere Passantin glaubte zunächst, es handele sich um "einen großen Puppenkopf" - "aber dann sah er so echt aus". Da habe sie sich erst mal setzen müssen, mit dem grausigen Anblick komme sie bis heute nicht zurecht.

Als die Polizei zehn Minuten später eintraf, soll der 39-Jährige laut Polizeibericht auf die Beamten zugegangen sein, um ihnen zu gestehen, dass er den Kopf abgelegt habe. Weder an Kleidung noch am Körper des Mannes seien Blutspuren gefunden worden. Anschließend führte er die Ermittler direkt zum Torso seines Freundes, der in der Nähe eines Biergartens in einem Schlafsack lag. Der Wirt des Biergartens berichtete im Prozess, dass die beiden Männer Drogen konsumiert und "in einer Zweckgemeinschaft" gelebt hätten. "Damit keiner alleine ist."

Update vom 29.06.2022, 21 Uhr: Menschlicher Kopf liegt vor Landgericht - neue Erkenntnisse

Ein vor dem Bonner Landgericht entdeckter abgetrennter Kopf gehört zu einem Mann, der eines natürlichen Todes gestorben ist. Das habe die rechtsmedizinische Untersuchung an dem Leichnam des 44-Jährigen ergeben, teilte die Bonner Polizei am Mittwoch mit. Der restliche Körper des Toten war ebenfalls am Dienstag gut einen Kilometer entfernt in der Nähe des Rheinufers am Rand eines Parks entdeckt worden.

Wegen Verdachts der Störung der Totenruhe sitzt ein 38 Jahre alter Mann in Untersuchungshaft. Zunächst hatte die Polizei wegen eines mutmaßlichen Tötungsdelikts ermittelt. Beide Männer sollen aus der Obdachlosenszene kommen.

Nach der Obduktion erklärte die Polizei, die Abtrennung des Kopfes vom restlichem Körper sei nicht die Todesursache gewesen. Der 44-Jährige sei zu diesem Zeitpunkt bereits eines natürlichen Todes infolge einer schweren Erkrankung gestorben.

Der Tatverdächtige war in unmittelbarer Nähe des Landgerichts festgenommen worden. Nach Polizeiangaben hat er bislang nicht zu den Vorwürfen ausgesagt. Er hatte den Hinweis auf den Fundort des restlichen Körpers gegeben. Der 38-Jährige ist der Polizei vor allem im Zusammenhang mit Betäubungsmittelkriminalität bekannt. Ein mögliches Tatwerkzeug wurde zunächst noch nicht gefunden.

Update vom 29.06.2022, 10 Uhr: Kopf und Körper werden am Vormittag untersucht

Vor dem ehrwürdigen Eingang des Landgerichts in Bonn wird am Dienstagabend ein menschlicher Kopf entdeckt. Ein Tatverdächtiger beschreibt der Polizei, wo der Rest der Leiche liegt. Am Landgericht geht einen Tag später der Betrieb weiter, wie sonst auch.

Die Polizei hoffe nach der Obduktion am frühen Nachmittag weitere Erkenntnisse zu dem Fall zu haben, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch (29. Juni) in Bonn. Auch die etwa einen Kilometer entfernt oberhalb des Rheinufers entdeckte restliche Leiche werde obduziert. Bei dem Toten handelt es sich vermutlich um einen 44-Jährigen aus dem Obdachlosenmilieu. Ein 38 Jahre alter Tatverdächtiger befindet sich laut Polizei weiter in Gewahrsam.

Das Landgericht Bonn war am Mittwoch wieder regulär geöffnet. Der Geschäftsbetrieb gehe normal vonstatten, sagte eine Gerichtssprecherin. Als der Kopf am frühen Dienstagabend entdeckt wurde, war das in der Innenstadt gelegene Gericht für die Öffentlichkeit bereits geschlossen. Auch die Türen des säulengeschmückten Hauptportals waren zu. Im Eingangsbereich hatte die Spurensicherung eine dunkle Plane aufgehängt. Am Mittwoch war davon nichts mehr zu sehen.

Der 38-jährige Tatverdächtige, den die Polizei am Dienstag in unmittelbarer Nähe des Landgerichts festgenommen hatte, habe bisher zu den Hintergründen geschwiegen, sagte der Sprecher. Er habe den Ermittlern aber den Fundort der Leiche in der Nähe des Rheinufers korrekt beschrieben. Der Mann werde am Mittwoch voraussichtlich dem Haftrichter vorgeführt. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten wegen eines mutmaßlichen Tötungsdeliktes.

Ein mögliches Tatwerkzeug wurde bis zum Morgen noch nicht gefunden. Mehrere Passanten hatten die Polizei alarmiert, weil im Eingangsbereich des Gerichts ein Körperteil liege. Die Identität des Opfers steht nach Polizeiangaben vom Mittwoch noch nicht hundertprozentig fest. Am Fundplatz der Leiche am Rand eines Parks oberhalb des Rheinufers waren noch Absperrbänder zu sehen. Dort sollen sich häufiger Obdachlose aufhalten.

Ursprüngliche Meldung vom 28.06.2022: Menschlicher Kopf vor Bonner Landgericht entdeckt

Man habe einen Tatverdächtigen, der sich in unmittelbarer Nähe des Fundorts am Gerichts befunden habe, festgenommen. Nach ersten Erkenntnissen ist er 38 Jahre alt und der Polizei vor allem im Zusammenhang mit Betäubungsmittelkriminalität bekannt. Seine genaue Identität werde aber noch überprüft.

Sowohl der Tatverdächtige als auch das noch nicht identifizierte Opfer seien ersten Ermittlungen zufolge der Obdachlosenszene zuzuordnen. Beide Fundorte würden nun weiter in Augenschein genommen. Die Mordkommission sucht noch Zeugen. Zuvor hatten Bild und General-Anzeiger über den Leichenfund berichtet.