• Virologin äußert sich zu Corona-Maßnahmen
  • Ciesek hält Lockerungen für möglich - mahnt jedoch zu Behutsamkeit
  • Dänemark als "Warnung" - bei Lockerungen droht Rückfall
  • Debatte über Impfpflicht: Ciesek würde lieber darum "herumkommen"

Kurz vor dem Corona-Gipfel, bei dem Bund und Länder über das weitere Vorgehen in der Pandemie beraten, äußerte sich die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek zur aktuellen Corona-Politik. Sie hält Lockerungen der Corona-Maßnahmen für möglich. Denn: Die Inzidenz-Zahlen stagnieren oder seien rückläufig, mit Omikron kämen deutlich weniger Menschen auf Intensivstationen.

Ciesek: Maßnahmen auf den Prüfstand stellen - mit Behutsamkeit

"Man darf daher natürlich nicht leichtfertig Maßnahmen aufrechterhalten, wenn sie nicht unbedingt nötig sind", sagte die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt am Dienstag (15. Februar 2022) im NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update".

Ciesek nannte aber auch Gründe, die aus ihrer Sicht für Behutsamkeit sprechen: "Wenn man jetzt von heute auf morgen alle Maßnahmen fallen lassen würde, würde es deutlich länger dauern, bis die Inzidenzen wieder fallen. Man würde riskieren, dass ein Plateau entsteht oder sogar wieder ein Anstieg droht. "Das sei gefährlich für Menschen ohne ausreichenden Immunschutz und Kinder unter fünf Jahren, für die es noch keine Impfung gebe.

Die Politik habe eine Verantwortung gegenüber allen Bürgern, sagte Ciesek: "Die Politik muss sich die unterschiedlichen Interessen anhören, berücksichtigen und schließlich abwägen." Das sei eine schwierige Aufgabe. "Aus rein medizinischer Sicht ist es viel einfacher. Da wäre es natürlich besser, wir würden noch ein wenig durchhalten, um die Zahlen zu reduzieren."

Lockerungen: Dänemark als "Warnung" - Ciesek sieht Impfpflicht kritisch

"Dänemark ist für mich eine Warnung, dass man weiter vorsichtig und schrittweise öffnen sollte. Letztlich zeigt sich auch in Dänemark: Wenn die Infektionszahlen so stark ansteigen, dass dann auch die schweren Fälle und die Todesfälle ansteigen", so Ciesek. Das Land hatte Ende Januar alle Beschränkungen aufgehoben, die Zahl der Corona-Patienten in Kliniken steigt jedoch seitdem wieder stetig. 

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Zur Debatte um die Impfpflicht sagte Ciesek: "Eine Impfpflicht ist juristisch, da kann man virologisch nicht viel dazu sagen." Sie persönlich würde lieber "um eine Impfpflicht herumkommen": "Ich möchte lieber die Menschen davon überzeugen, dass es das Richtige ist - für sie, für die Gesellschaft." Man müsse auf jeden Fall die Immunitätslücke schließen, je schneller, desto besser.

"Es ist nicht jeder ein Impfgegner, der nicht geimpft ist", sagte Ciesek - viele seien einfach unsicher. Falls eine Impfpflicht komme, sei es wichtig, "dass man auf jeden Fall den Menschen noch mal gute Beratung anbietet". Sie warnte davor, nur mit Omikron zu argumentieren: "Wir müssen eigentlich schon weiter denken. Nach Omikron wird halt mit größter Wahrscheinlichkeit nicht Schluss sein." Dass es irgendwann einen Super-Impfstoff geben könnte, der gegen alle Coronaviren wirke, "das ist, glaube ich, extrem unwahrscheinlich".

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