Bamberg
Glosse

Giraffe Marius muss sterben - und die Dänen weinen

Die Welt ist kein Disneyland, und Zoodirektoren haben ein recht nüchternes Verhältnis zu Tieren. Der Tod der Giraffe Marius erregt Zehntausende von Dänen bis hin zu Morddrohungen.
Das ist Marius - bzw., das war er. Inzwischen ist er an andere Tiere verfüttert worden. Foto: dpa
Das ist Marius - bzw., das war er. Inzwischen ist er an andere Tiere verfüttert worden. Foto: dpa
Wer je in der Schulzeit mit Latein gequält worden ist, der horcht beim Namen Marius auf. Was war da noch gewesen? Marius und Sulla, Bürgerkrieg ... ach ja, Kimbern und Teutonen. Das Heer des Feldherrn Gaius Marius hatte die wilden Germanenstämme vernichtend geschlagen. Sie waren plündernd aus Jütland bis nach Norditalien gezogen.

Damit schließt sich nach mehr als 2000 Jahren auf vertrackte Weise ein Kreis: Denn die Nachkommen der Kimbern und Teutonen, die Dänen, haben einem Marius übel mitgespielt. Freilich war dieser Marius kein siebenfacher Konsul, sondern ein Giraffen-Teenager, gerade eineinhalb Jahre alt.

Der Kopenhagener Zoodirektor Bengt Holst ließ den Jungbullen erschießen, weil er die falschen Gene hatte. Damit nicht genug, Marius wurde vor den Augen vieler Schaulustiger abgezogen, zerteilt und an die Löwen verfüttert. "Bio-Fleisch", sagt Holst mit nordisch schmalen Lippen. Er kann die ganze Aufregung, die sich in Todesdrohungen gegen ihn manifestierte, nicht verstehen. Keiner weine Schwein und Rind im Schlachthof eine Träne nach.

Ja, das namenlose Elend lässt die Menschheit kalt, lieber Herr Direktor! Wenn unsere pelzigen Brüder Bruno oder Knut heißen, rühren sie das Herz. Vielleicht aber war Marius in Dänemark einfach der falsche Name.