Kolitzheim
Ausgeschlossen

Ein Unglück kommt selten allein: Mein erster Einbruch

Flug abgesagt, aus der Wohnung gesperrt, nachts ohne Schuhe durch die halbe Stadt - bis Theresa Schmidt in Afrika endlich zu ein paar Stunden Schlaf kam, hatte sie einiges durchgemacht. Wie sie das angestellt hat, ist in ihrem Blog zu lesen.
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Dieses kleine Tierchen hat von der ganzen Aufregung um den Wohnungsschlüssel wohl nichts mitbekommen und sich lieber in den Garten von Theresa Schmidt verkrochen. Foto: Theresa Schmidt
Dieses kleine Tierchen hat von der ganzen Aufregung um den Wohnungsschlüssel wohl nichts mitbekommen und sich lieber in den Garten von Theresa Schmidt verkrochen. Foto: Theresa Schmidt
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Also erst einmal würde ich mich gerne dafür entschuldigen, dass ich letzte Woche keinen neuen Beitrag geschrieben habe. Das lag nicht etwa daran, dass ich keine Lust mehr habe, sondern viel mehr daran, dass ich wieder zurück nach Tansania geflogen bin und daher viel Organisatorisches zu erledigen hatte. Wer meinen ersten Beitrag gelesen hat weiß, dass die afrikanischen Airlines nicht die zuverlässigsten sind. Das musste ich auch diesmal wieder feststellen.

Zwar habe ich diesmal meine Koffer gleich bekommen, als ich in Mwanza gelandet bin, allerdings bin ich um 23 statt um 9.20 Uhr angekommen. Mein Flug von Nairobi nach Mwanza wurde abgesagt, also musste ich fast den ganzen Tag in Nairobi warten und schließlich über Dar Es Salaam nach Mwanza fliegen. Aber eigentlich sollte es in diesem Beitrag ja um etwas ganz anderes gehen: Meinen ersten Einbruch! Also der Reihe nach...

Es war, glaube ich, nach einem der Championsleague-Spiele, als mein Freund und ich spät nach Hause kamen. Das erste was seltsam war, war das verschlossene Tor vor unserem Wohngebiet am Bugando-Hill in Mwanza. Ich hab das Tor bisher noch nie verschlossen vorgefunden. Wir mussten erst einmal überlegen, wie wir jetzt zu meiner Wohnung kommen, denn einen Schlüssel für das Tor hatten wir nicht (Wieso auch - Ich wohne da zwar, das heißt für die Wachen aber noch lange nicht, dass ich auch einen Schlüssel für das Tor brauchen könnte).

Durch den Kneipenkeller in die Wohnung

Über einen kleinen Umweg und durch den Keller der Nachbarkneipe sind wir dann zu meiner Wohnung gekommen. Als wir hineinkamen, haben wir gemerkt, dass es leider keinen Strom gibt und das, obwohl alle Nachbarn Strom hatten. Es war also kein Stromausfall. Unsere "luku" (Stromeinheiten) waren wohl aufgebraucht. Um herauszufinden, ob wir wirklich auf dem Trockenen sitzen, mussten wir auf den Stromzähler vor der Tür schauen.

Aufgebracht gingen wir nach draußen, um den Stromkasten zu inspizieren. Tür auf, Türe zu, Schlüssel drin - Mist - den Wohnungsschlüssel vergessen. Ich hatte nicht einmal Schuhe oder Socken an, nachdem ich meine Schuhe drinnen schon ausgezogen hatte. Geld hatte ich auch keines. Nur das, was ich in diesem Moment anhatte: T-Shirt und Jeans.

Zuerst versuchten wir, an der Tür zu rütteln. Das bringt natürlich nichts, wenn man so gar kein Werkzeug hat. Die Nachbarn wollten wir auch nicht wecken, weil es ja schließlich schon recht spät war. Was hätten die auch schon tun können. Glücklicherweise hatte mein Freund noch seinen Rucksack auf. Darin war der Schlüssel zu seiner Wohnung. Er gab mir seine Schuhe lief in Socken zum nächsten Taxi. Wir nahmen ein "pikipiki" (Motorradtaxi) und fuhren durch die halbe Stadt zu seiner Wohnung. Mit etwas schlechter Laune schliefen wir dort ein.

Durch die halbe Stadt

Um lustig zu sein, war die Situation war noch zu frisch. Am nächsten Tag sah das schon etwas anders aus. Wir machten uns mit besserer Laune auf den Weg zurück zu meiner Wohnung und überlegten uns, wie wir wieder hinein kommen. Unsere erste Anlaufstelle: meine Putzfrau. Doch einen Zweitschlüssel gab es nicht - das wäre ja auch zu einfach gewesen. Als nächstes haben wir uns bei einem Nachbarn ein Messer geliehen und uns an der Vordertür zu schaffen gemacht. Die ist allerdings viel zu massiv und unnachgiebig, als dass unser kleines Küchenmesser etwas hätte ausrichten können. Stattdessen versuchten wir es an der Balkontür. Mittlerweile hatte sich unser Problem herumgesprochen und die ganze Nachbarschaft wusste darüber Bescheid, dass sich die "Mzungu" (weiße Person) von nebenan ausgeschlossen hatte. Jeder musste einmal vorbeischauen und sich das ansehen - man hätte ja etwas verpassen können. Immerhin hatte aber auch jeder ein Werkzeug dabei. Nach einer halben Stunde hatte sich eine recht große Auswahl an Messern, Schraubenziehern und Zangen angesammelt...

Vielleicht nicht gerade das richtige Werkzeug, um in eine Wohnung einzubrechen, aber der Wille zählt. Die Balkontür ist nicht ganz so stabil, wie die Haustür und nachdem wir das vorstehende Holz entfernt hatten, schafften wir es, die Türe mit vereinten Kräften aufzubrechen, gefolgt vom Beifall der Nachbarschaft. Jeder musste sich die Tür einmal anschauen und plötzlich standen auf einmal alle in meiner Wohnung. Als gäbe es da irgendetwas Interessantes zu sehen. Ist ja nicht so, dass ich gerade erst wieder in meine Wohnung reingekommen bin und mich vielleicht gerne umziehen würde und dann gerne meine Ruhe hätte. Nein! In der Wohnung der Mzungu zu sein ist scheinbar etwas ganz besonderes und wenn man schonmal da ist, erwartet man natürlich zumindest eine Tasse Tee. Na super!
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