Schuster, bleib bei deinem Leisten - diese Volksweisheit hat schon so manchem geholfen, seine Angst vor Neuem zu kaschieren. Aber sie trifft eben doch auch auf jene zu, die sich schlichtweg überschätzt haben. Die ehemalige "Wetten, dass..?"-Assistentin Michelle Hunziker (37) hat am Mittwochabend im ZDF Premiere mit "Die große Überraschungsshow" gefeiert - ihrem ersten eigenen Format im deutschen Fernsehen. Aber die Sendung floppte: Lediglich 3,32 Millionen Zuschauer schalteten ein, der der Marktanteil lag damit bei nur 10,4 Prozent.

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Die gebürtige Schweizerin ist zweifelsohne eine Profi-Talkerin, die in ihrer Karriere vor allem in Italien schon viele eigene Show-Formate moderierte. Aber für das deutsche Fernsehen kann man nach dem missglückten Auftakt am Mittwoch mindestens drei Gründe nennen, warum sie ein besserer Side-Kick ist, als eine show-tragende Moderatorin.

Zu klug: Der ZDF-Retro-Trend als Karrierefalle

Eine junge Frau von Welt, die fünf Sprachen spricht, sollte sich nicht vor jeden Karren spannen lassen. Dass sie von 2009 bis 2011 neben Thomas Gottschalk in "Wetten, dass..?" glänzte oder von 2002 bis 2004 als Co-Moderatorin von Carsten Spengemann bei "DSDS" eine gute Figur machte, lag nicht zuletzt am Zeitgeistgespür dieser Formate. Aber jetzt steht Hunziker an der Spitze eines ZDF-Projekts, das altbackener nicht sein könnte: Sie soll die "Rudi Carrell Show" wieder aufleben lassen - ein Konzept aus den 1960er-Jahren.

Zu sexy: Im Fokus steht man besser zu zweit

Hunzikers Karriere begann mit ihrem Hinterteil, das die italienische Presse 1995 zum "Schönsten Po Italiens" wählte. Daraufhin moderierte sie dort ihre erste Fernsehshow, rückte in die Primetime vor und gelangte zu einer Berühmtheit, die sie selbstverständlich auch ihrem attraktiven Äußeren verdankt. Aber zu jeder Schönheit gehört ein Biest: Nur im Wechselspiel mit ihren männlichen Kollegen scheint ihre weiblich-einnehmende Art voll zur Geltung zu kommen.

Zu fröhlich: Der deutsche Zuschauer mag es traurig, aber wahr

Plötzlich solo im Rampenlicht, das führt schon mal zu Übersprungshandlungen. Und so wurde in der Show am Mittwochabend von der Moderatorin geküsst und umarmt was das Zeug hielt und in einer Tour betont, wie "klasse", "toll" und "großartig" das Ganze sei: Menschen überraschen, indem man ihnen Herzenswünsche erfüllt. Aber Hunzikers Frohnatur kommt weniger aufgekratzt und überdreht rüber, wenn sie einen Widerpart hat. Einen Bad Cop, neben dem ihre charmante Art richtig zur Geltung kommt.