Anna Fischer ("Teufelsbraten") ist erst 27 und benötigt schon ein eigenes Regal für ihre stattliche Preis-Sammlung: Max-Ophüls-Preis (2006), Goldene Kamera (2007), Adolf-Grimme-Preis (2009), Deutscher Fernsehpreis (2009), Franz-Hofer-Preis (2010), DIVA (2011). Am 14. Januar gibt es wieder eine gute Gelegenheit, sich von der aufregenden Schauspielerin faszinieren zu lassen, dann spielt sie eine junge alleinerziehende Berliner Mama in der kurzweiligen TV-Komödie "Frauenherzen" (20.15 Uhr, Sat.1).

Für ihre Rolle in "Liebeskind" ist Anna Fischer ausgezeichnet worden - das Drama gibt es hier auf DVD

Mit der Nachrichtenagentur spot on news hat die meinungsstarke und selbstbewusste Künstlerin, die optisch durchaus als Schneewittchen durchgehen würde, über den Märchenprinzen gesprochen, aber auch über High Heels, den Bad-Hair-Day und Mädchen, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen.

In "Frauenherzen" geht es um verschiedene Frauentypen: Wie ähnlich ist Ihnen der junge Single mit Kind, den Sie in der Komödie spielen, Frau Fischer?

Anna Fischer: Charlie ist eine Kämpfernatur. Sie versucht auf eigenen Beinen zu stehen, ist locker und sehr natürlich, insofern kommt sie mir schon ganz nah - außer natürlich, dass ich kein Kind habe und nicht alleinstehend bin.

Unter anderem geht es auch um den Kontakt mit den Eltern. Wie viel Kontakt ist richtig?

Fischer: Ich glaube, wenn man grundsätzlich ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern hat, spielt es keine Rolle, wie, wann und wie oft man sich meldet. Das passiert ganz von alleine. Wenn man ein schlechtes Verhältnis hat, hat man natürlich keine große Lust, sich zu melden. Dass die Eltern das Gefühl, sich um das Kind kümmern zu wollen, nie verlieren werden, finde ich vollkommen natürlich, schließlich haben sie das so viele Jahre gemacht. In diesem Sinne kann man sich wahrscheinlich auch nicht oft genug melden, weil es für Eltern im Vergleich zu früher immer zu wenig sein wird.

Jenny Elvers hat ebenfalls eine Rolle in dem Film. Über ihr Privatleben weiß man relativ viel. Bei Ihnen ist das weniger der Fall. Wie wichtig ist es Ihnen, dass das Privatleben privat bleibt?

Fischer: Das Privatleben ist mein einziger Rückzugsort. Wenn ich den nicht mehr habe, weil ich alles offenlege, wo kann ich mich denn dann ausruhen, meine Kraft zurückholen? Mit meinem Beruf bin ich ja sowieso schon relativ exponiert und jeder kann darüber urteilen, was ich mache. Wenn dann auch noch über mein Privatleben geurteilt und ich darüber definiert würde, das würde ich nicht wollen.

Kennen Sie den Bad-Hair-Day?

Fischer: Oh ja, den kenne ich gut. Mit langen Haaren ist eigentlich jeder Tag ein Bad-Hair-Day. Wenn sie aber mal echt sitzen müssen, dann sitzen sie auch, weil ich mir einfach jemanden hole, der mir hilft (lacht).

Ein anderes Roter-Teppich-Thema: Laufen Sie gerne auf High Heels?

Fischer: Ich finde es echt schön, weil man wirklich sehr viel weiblicher aussieht mit solchen Schühchen. Für den alltäglichen Gebrauch sind sie aber völlig unnütz, weil man zum Beispiel nicht spontan mal eben losrennen kann. Es gibt viele Mädels, die diese Schuhe auch privat tragen. Davor habe ich höchsten Respekt, mir ist es aber echt zu aufwändig.

Eine andere Figur in "Frauenherzen" wartet auf den Märchenprinzen. Macht das Sinn?

Fischer: Perfekte Menschen gibt es nicht, die wären auch langweilig. Es macht also keinen Sinn, darauf zu warten. Liebe lebt ja irgendwie auch von diesen kleinen Ecken und Kanten, die einen Menschen ausmachen. Ich glaube, dass es für jeden einen anderen Prinzen gibt. Der ist aber sicher nicht so wie im Märchenbuch, weil auch ein Prinz nicht immer ein Prinz sein kann. Eine Märchenbeziehung würde wahrscheinlich am ersten Problem scheitern.

Wie problematisch das Eheleben ist, zeigt Valerie Niehaus als frustrierte Ehefrau, bei der im Bett nichts mehr läuft. Wie hält man die Leidenschaft frisch?

Fischer: So schwierig ist das gar nicht, wenn man sich nicht gegenseitig einengt. Damit meine ich nicht, dass Fremdgehen okay wäre. Aber viele Pärchen werden irgendwann eins und vergessen dabei, dass sie eigentlich auch noch eine eigene Person sind. Das führt zu einer großen Abhängigkeit und Eintönigkeit.

Besonders schwer, einen Partner zu finden, tut sich im Film eine nicht ganz schlanke junge Dame. Ist das nicht ein bisschen traurig?

Fischer: Unser Schönheitsideal ist ein großes gesellschaftliches Problem. Die Maßstäbe sind ja gar nicht mehr erreichbar, weil alles gephotoshopt ist. Ich finde das krank. Zu dünn und zu dick, beides ist schlimm, weil beides ungesund ist. Essen müsste wieder normal sein.