Bereits im Mai 2022 äußerte sich die Insektenexpertin Tarja Richter vom Landesbund für Vogelschutz zu der Frage, ob uns ein Wespenjahr drohe. Zu diesem Zeitpunkt war noch einiges unklar. Inzwischen lässt sich die Situation genauer einschätzen. Ihre Prognose hat sich bestätigt, wie ein Experte vom Naturschutzbund (Nabu) mitteilt.

In diesem Jahr scheinen besonders viele Wespen in Deutschland unterwegs zu sein. "Unsere Daten deuten darauf hin, dass wir 2022 ein Wespenjahr haben", bestätigt der Biologe Stephan Härtel, Wespenexperte vom Nabu Berlin, im Gespräch mit der dpa. Zudem habe es beim Naturschutzbund bislang dreimal so viele Fälle von Beratungen zu Wespen gegeben wie im vergangenen Jahr. "Auch daraus lässt sich schließen, dass es aktuell besonders viele Nester und somit besonders viele Wespen sind", sagt Härtel.

2022 ist ein Wespenjahr: Wie lange müssen wir die Plagegeister ertragen?

Neben dem trockenen, heißen Wetter, das Wespen im Gegensatz zu vielen anderen Tieren sehr gut bekommt, gibt es noch andere Gründe für die hohe Zahl der gestreiften Brummer. So seien in diesem Frühjahr besonders viele Wespenköniginnen unterwegs gewesen, um ein Nest zu gründen. Weil es in der sensiblen Phase der Neugründung etwa im Mai keine längere Kälteperiode gegeben habe, seien die Tiere gut durchgekommen, erklärte Härtel. Dadurch habe sich eine beträchtliche Population mit viel Brut aufgebaut, die derzeit ihren Höhepunkt erreiche.

Härtel rechnet damit, dass in einigen Wochen das Wespenaufkommen wieder etwas geringer scheine. Im September nehme die Zahl der Arbeiterinnen ab und es komme kein neuer Nachwuchs mehr. Bis dahin sei es wichtig, im Umgang mit den Tieren vorsichtig und aufmerksam, aber gelassen zu bleiben. Wespennester könnten in den allermeisten Fällen an dem Ort, wo sie sind, bleiben und müssten in der Regel nicht unbedingt umgesetzt werden, wenn man sich etwas darauf einstelle, so Härtel.

Härtel gibt einen Tipp, wie man die Wespen daran hindern kann, beim Essen allzu lästig zu werden. Bei Tisch werde man die Tiere am besten los, wenn man direkt schon am Anfang die erste Wespe daran hindere, sich auf das Essen zu setzen. "Wenn sich erst mal rumgesprochen hat, dass es etwas Leckeres gibt, dann ist die Situation schwieriger", sagt der Nabu-Experte. Denn dann kommen weitere Artgenossen angeflogen.

Wespen ab August besonders aktiv: Warum das so ist

"Wenn es weiter so regenarm bleibt, wird es sich zu einem Wespenjahr entwickeln", prognostizierte die Insektenexpertin im mittelfränkischen Hilpoltstein im Juli 2022. Auch eine Würzburger Expertin schließt sich dieser Prognose an und gibt hilfreiche Tipps, wie man Wespen am besten fernhält.

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Ab August erreicht die diesjährige Wespengeneration ihre volle Größe, erläuterte die Biologin. Es werden neue Königinnen und Männchen produziert - entsprechend braucht das Volk viel Nahrung. Nahrung, die sich die Wespen eben auch beim Gartenfest abholen - egal ob Kuchen, Marmelade oder Cola.

Der Landesbund empfiehlt, Wespen mit zerstäubtem Wasser zu besprühen. Dann würden die Wespe zurück in ihr Nest fliegen, weil sie glaube, dass es regne. Insektenexpertin Richter schlägt zudem eine Ablenkung vor: Aufgeschnittene Weintraubenhälften ein paar Meter entfernt, die die Wespen anfliegen könnten. Man kann sie aber auch mit einer Papiertüte überlisten. Wie das funktioniert, erfährst du hier.

Expertin aus Hilpoltstein äußerte bereits im Mai eine Vorahnung

Und auch wenn die Tierchen nerven können - Biologin Richter erinnert daran, wie nützlich Wespen sein können. Zum Beispiel für das Ökosystem, weil sie Nutzpflanzen und Wildblumen bestäuben. Außerdem jagen sie die Raupen von Schädlingen und fangen schonmal nervige Mücken oder Fliegen weg. In Deutschland gibt es mehrere Wespenarten, für den Menschen nervig sind aber nur zwei davon - die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Arten wie die Rote Wespe oder die Sächsische Wespe sind für den Menschen harmlos.

Insektenexpertin Tarja Richter gab bereits Ende Mai eine Prognose ab, ob es in diesem Jahr zu einer Wespenplage kommen könnte.  Ihre Vermutungen haben sich bewahrheitet - zumindest bis jetzt. Der überaus trockene und warme Frühling in Bayern könnte nach Einschätzung einer Biologin ein guter Start für die Wespen gewesen sein.

"Jetzt kommt es aber auf die nächsten Wochen an (Stand Mai 2022), weil gerade die Nestgründung auch erst gestartet ist", sagte Richter. Juni, Juli und August seien dann die Monate, in denen sich die Gemeine Wespe oder die Deutsche Wespe wegen Nahrungsknappheit auch am Essen der Menschen bedienten. Zu unterscheiden seien sie durch eine unterschiedliche Zeichnung am Kopf. Die Zeichnung bei der Gemeinen Wespe (Vespula vulgaris) sehe aus wie ein Anker, bei der Deutschen Wespe (Vespula germanica) seien es meist drei Punkte, erklärt ein Nabu Experte.

Eindeutige Prognose erweist sich als schwer: zu "früh, um etwas zu sagen"

Im Hochsommer könnten Wespennester relativ groß werden, "wenn es jetzt relativ trocken bleibt", sagte Richter. Denn wenn es feucht ist, sei das Mikroklima für die Entwicklung ungünstig - zudem flögen die Insekten dann nicht zur Nahrungssuche los. Fehlt später im Hochsommer Nektar, "dann kommen die eben auch zum Kaffeetisch und holen sich Marmelade, manchmal Würstchen als Larvennahrung".

Dennoch sei noch schwer abschätzbar, ob es ein starkes Wespenjahr wird. "Es ist aktuell noch relativ früh, um etwas zu sagen." Dies hänge auch davon ab, wie viele Königinnen es über den Winter geschafft haben. Auch wenn viele Menschen Wespen als Plagegeister empfänden - für das Ökosystem sind sie nach Richters Worten wichtig als Bestäuber von Nutzpflanzen und Wildblumen. "Und sie jagen für ihre Larven die Raupen von Schädlingen."

Der Naturschutzbund Nabu empfiehlt, bei Wespen-Besuchen Ruhe zu bewahren. Auf keinen Fall solle man um sich schlagen oder die Tiere anpusten. Süße Speisen und Getränke im Freien solle man abdecken - oder lieber drinnen verzehren.

Wespen sind geschützt: Nest-Entfernung muss bei der Naturschutzbehörde beantragt werden

Wer jetzt ein Wespennest an seinem Haus entdeckt, darf es Richter zufolge nicht selbst entfernen. "Die sind geschützt. Man darf das Nest nicht einfach abreißen, auch wenn es gerade erst in der Gründungsphase ist." Dafür sei ein Antrag bei der zuständigen Naturschutzbehörde nötig.

"Auf jeden Fall ist es besser, die Tiere umzusiedeln, statt sie zu vergiften", rät der Bund Naturschutz.

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