Die Inzidenz galt in der Pandemie lange als wichtiger und streng beobachteter Richtwert: Sobald sie in die Höhe schoss oder eine neue Schwelle übertrat, wurden neue Maßnahmen diskutiert. Mittlerweile hat ihre Aussagekraft an Bedeutung verloren, obwohl Deutschland mitten in einer Corona-Sommerwelle steckt. Ein Münchner Mediziner geht sogar noch einen Schritt weiter und stellt die These auf: Je höher der Inzidenzwert aktuell ist, desto beruhigter können wir sein.

Die steigenden Neuinfektionen und gleichzeitigen Personalausfälle bringen bayerische Kliniken an ihre Belastungsgrenze. Das Bamberger Klinikum führt beispielsweise aktuell nur noch unaufschiebbare Notoperationen durch. Jeder zehnte Arzt oder Pfleger fällt derzeit in einzelnen Kliniken aus. Die Notfallversorgung sei zwar "weitgehend sichergestellt", sagt Dr. Axel Fischer. Doch die Corona-Strategie der Bundesregierung habe versagt: "Man hat aus Corona nichts gelernt und jetzt gehen wir mit einer weiter verschärften Personalsituation in den dritten Corona-Winter", kritisiert der Geschäftsführer der München-Klinik im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

RKI geht von weiteren Problemen aus: Inzidenz in Bayern steigt

In der aktuellen Sommerwelle erwartet das Robert Koch-Institut auch in den kommenden Wochen weitere Herausforderungen: Es sei vor allem in den höheren Altersgruppen mit Krankenhauseinweisungen, einer Zunahme von intensivmedizinischen Behandlungen und mit Todesfällen zu rechnen, heißt es im RKI-Wochenbericht. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz sei vergangene Woche im Vergleich zur Vorwoche nur leicht gesunken. Dies ergebe sich aus bereits fallenden Inzidenzen in den meisten westdeutschen Bundesländern und Berlin - bei noch leicht steigenden Inzidenzen in Bayern und den ostdeutschen Bundesländern. "Weiterhin ist eher eine Seitwärtsbewegung als ein sinkender Trend zu beobachten", heißt es vonseiten des RKI.

Die Zahl der Krankenhausaufnahmen von Menschen, die eine schwere akute Atemwegsinfektion haben und eine Covid-19-Diagnose, habe sich nach einem mehrwöchigen Anstieg im Juni nun auf erhöhtem Niveau stabilisiert, schreibt das RKI. Wie passen die Zahlen also zu der Aussage eines bayerischen Intensivmediziners, dass wir uns wegen der hohen Inzidenz nicht sorgen sollten?

Prof. Gerhard Schneider ist Direktor der Anästhesiologie am "Klinikum rechts der Isar" und erklärt seine These folgendermaßen: "Die hohen Inzidenzen sollten uns eher beruhigen. Wir sehen keine ganz schweren Verläufe mehr und nur sehr wenige schwere. Wir arbeiten auf eine endemische Situation hin."

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Er gehe davon aus, dass sich das Virus zwar verbreiten wird, die Bevölkerung aber eine natürliche Immunität dagegen aufbaut. "Im Moment ist es also gar nicht so schlecht, dass es sich sehr verbreitet. Je höher die Zahlen jetzt sind, desto optimistischer bin ich für den Herbst und Winter." Es sei nicht voraussehbar, welche neuen Varianten dann auftreten könnten, aber: "Wenn es so bleibt, haben wir kein Problem", zeigt sich Schneider im BR-Interview optimistisch.

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Sein Kollege Dr. Christoph Spinner, Pandemiebeauftragter an der Münchner Uniklinik, stimmt hier zu. Selbst wenn in Zukunft weitere Corona-Varianten auftauchen sollten, könne das menschliche Immunsystem diese abwehren. "Das an sich muss uns keine Angst machen." Auch zur Entstehung einer möglichen Killer-Variante liefert der Experte eine knappe Einschätzung: "Ist zwar theoretisch möglich, aber aus meiner Sicht sehr unwahrscheinlich."

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