Unglaubliches passiert immer wieder auf dem Oktoberfest. Ein Sammelsurium kurioser Vorkommnisse wird regelmäßig von Polizei, Sanitätsdienst und Festleitung dokumentiert. Keineswegs alle Vorfälle sind dem Alkohol geschuldet.

Es wurde das jährliche Oktoberfest-Gebiss gefunden, ein Mann war in den Hundezwinger gefallen, ein anderer transportierte sein Bier to go in einer Plastiktüte - und das sind nur einige der außergewöhnlichen Wiesn-Ereignisse aus dem Jahr 2022. 

Rettungsassistent stiehlt Rettungswagen

Mit einem gestohlenen Rettungswagen baute ein 38-jähriger betrunkener Rettungsassistent in München drei Unfälle und versuchte anschließend zu fliehen. Er, sowie drei weitere Menschen, wurden dabei leicht verletzt. Der Mann stahl nach einem Oktoberfestbesuch das Fahrzeug, das wegen eines Einsatzes am Sonntagabend auf einer Straße abgestellt war, berichtete die Polizei am Montag. Der 38-Jährige stieg ein und fuhr mit Blaulicht und Martinshorn los.

Bei seiner Fahrt prallte er zunächst gegen das Auto einer 53-Jährigen, aus dem eine 52-jährige Beifahrerin ausstieg. Anschließend stieß er gegen das Taxi eines 27-Jährigen, krachte dann gegen einen Ampelmast und lief zu Fuß weg. Bei der Fahndung konnten die Beamten den 38-Jährigen im nahegelegenen Luitpoldpark aufgreifen, wie der BR berichtet.

Wie der Mann den Rettungswagen starten konnte, war zunächst unklar. Der Schlüssel sei am Bund einer Sanitäterin gewesen, sagte eine Polizeisprecherin. Die drei Verletzten kamen in Krankenhäuser. Der 38-Jährige kümmerte sich selbst um seine Verletzungen. Ein Atemalkoholtest ergab 2.2 Promille. Er muss sich nun wegen Gefährdung des Straßenverkehrs infolge Alkoholkonsums, fahrlässige Körperverletzung, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und unbefugter Gebrauch eines Kraftwagens. Zur Aufarbeitung des ungewöhnlichen Falles sucht die Polizei noch Zeugen.

Hosenloser Wiesn-Gast 

Ohne Beinkleid wurde Mitte der zweiten Wiesnwoche ein Gast auf der Wiesnwache bei der Polizei "abgegeben". "Die einen verlieren unter Alkoholeinfluss ihre Hemmungen, der andere direkt seine Lederhose", twitterten die Beamten unter #wiesnschmankerl. Die Beamten konnten helfen. Der Mann habe wohl nach erheblichem Bierkonsum mal gemusst und dabei die Hose gleich ganz ausgezogen. Die Beamten fanden das Stück fein säuberlich zusammengelegt auf einem Poller.

Papierkügelchen gegen Wiesn-Schnarcher

Mit Papierkügelchen wollte sich ein auswärtiger Wiesn-Besucher in einem Schlafsaal in München Ruhe verschaffen. Weil seine Mitschläfer laut schnarchten, habe sich der Mann aus Sachsen nach und nach immer mehr Papier in die Ohren gestopft, bis er einschlief, berichtete die Wiesn-Sanitätsstation. Am Morgen dann das böse Erwachen. "Er konnte die Kügelchen, die mittlerweile tief im Ohr waren, nicht mehr selbst entfernen." Sanitäter holten bei dem Mann aus der Erzgebirgsstadt Aue-Bad Schlema nach und nach das ganze Papier aus dem Gehörgang.

Handy im falschen Flugmodus

Ein fliegendes Handy hat in der zweiten Wiesnwoche eine Besucherin am Kopf verletzt. Das Telefon kam aus einem Fahrgeschäft geflogen und traf eine 57-jährige Münchnerin, wie die Wiesn-Sanitätsstation berichtete. Ärzte nähten die Platzwunde. Das Handy sei im falschen Flugmodus betrieben worden, folgerte Ambulanzsprecher Markus Strobl.

Wiesn-Gast im Hundezwinger

Am zweiten Wiesn-Sonntag landete ein Gast in einem Hundezwinger. Der Mann hatte laut Polizei auf einem Kettenkarussell einen persönlichen Gegenstand verloren. Auf der Suche kletterte er in einem abgesperrten Bereich auf den Wohnwagen eines Schaustellers. Dort fiel er nach unten, landete in einem Gehege und wurde dort auch prompt von einem Hund gebissen. Nach der ärztlichen Behandlung verschwand der Mann.

Der Bienenstich und die Corona-Kilos

Schmerzhafte Bienenstiche waren am zweiten Wiesn-Sonntag auf der Wiesn-Sanitätsstation viermal hintereinander zu behandeln. Ein nachfolgender Patient las "Bienenstich" auf dem Einsatz-Monitor, hielt das für die Speisekarte - und tätigte seine Kuchenbestellung: "Sag mal, habt's ihr auch eine Schwarzwälder Kirsch-Torte?" Er war just auf die Station gebracht worden, weil ihm die Lederhose zu eng geworden war, wegen der Corona-Kilos. Um trotzdem fesch in Tracht auf die Wiesn zu gehen, habe er sich "eingeschnürt wie sonst Damen im Korsett". Nach einer Maß sei ihm "vermutlich die Luft weggeblieben". Entlassen wurde er mit einem Verbandstape - als Gürtelersatz.

Musikantenstadel auf Sanitätsstation mit "Bella Ciao"

Stimmung mit dem Wiesn-Hit "Bella Ciao" herrschte am Freitagabend in der Sanitätsstation. Eine Italienerin habe gefühlt im Minutentakt Sprachnachrichten an ihre Freunde geschickt, die alle mit dem Satz endeten: "Bella Mariella, Ciao", teilte die Aicher Ambulanz Union mit. Ein Wartender fühlte sich angespornt: "Ab da sang er immer, wenn sie eine Nachricht beenden wollte, den aus den Bierzelten bekannten Hit 'Bella Ciao'." Beim dritten Mal stimmten andere Patienten ein. Mariella, erst genervt, fand das "molto eccitante", sehr aufregend. Als Mariella mit ihrer Schnittwunde zur Behandlung gerufen wurde, endete der Musikantenstadl - und es hieß: "ciao bella".

Falsche Schuhe und falsche Schwestern

Falsches Schuhwerk sorgt immer wieder für Arbeit auf der Sanitätswache. Eine Besucherin aus Orlando in den USA und eine Frau aus München warteten nebeneinander mit blutigen großen Zehen - und stellten fest, dass sie die gleiche Nagellack-Farbe gewählt hatten. "We are sisters in toe", rief die US-Amerikanerin, etwa: "Wir sind Schwester, was die Zehen betrifft." Die Münchnerin reagierte weniger euphorisch: "Nix Sisters. Wir sind beide stupid Beefanimals", zitierte der Ambulanzsprecher Markus Strobl die Münchnerin, frei übersetzt: "Wir sind beide dumme Rindviecher."

Drei Maß und das wilde Hendl auf dem Kopf

Mit ein paar Maß zu viel landete einmal mehr ein Wiesn-Gast auf der Sanitätsstation. Auf dem Kopf einen Plüsch-Hendlhut. Die Mützen in Form eines Brathähnchens sind ein unausrottbarer Wiesn-Gag. Dem "Giggerl", so der Mann zum Arzt, gehe es "hundsmiserablig". Das Hendl sei schuld, nicht das Bier, das er getrunken habe. "Nach der dritten Maß Bier hat mein Giggerl so wild getanzt, dass es mich dann auf die Lädschn (Gesicht) gelegt hat." Der Arzt schickte den Mann in den Überwachungsraum zum Rausch-Ausschlafen. Er leiste seinem Giggerl "ein bisschen Gesellschaft beim Schlafen", verkündete der Patient dort. Beide konnten nach gut zwei Stunden die Wache verlassen.

Bier im Rucksack

Nach der griechischen Mythologie würde man wohl von Eulen sprechen, die nach Athen getragen werden. In München dürfte es als vergleichbar unnütz gelten, Bier auf die Wiesn zu schleppen. Im Wiesn-Fundbüro landete dennoch ein Rucksack mit 15 Dosen Bier. Der Gast habe seinen Durst vermutlich anderweitig gestillt, teilte die Wiesn-Pressestelle zur Halbzeit mit. Immerhin ist das Getränk auf der Wiesn in ausreichender Menge vorhanden.

Bier im Beutel

Ein umgekehrter Fall trug sich im Hackerzelt zu. Bilder im Internet zeigten einen Gast, der Bier aus dem Maßkrug in eine Plastiktüte abfüllte: Bier im Beutel to go. Er hatte das Bier ja bezahlt, durfte es im Krug aber nicht mitnehmen. Denn der gehört dem Wirt. So ließ sich der Gast eben Plastikbeutel aushängen und konnte so sein Bier eintüten und mitnehmen.

Barfuß durch die Nacht

Wie sich aus Fundstücken zur Halbzeit ergab, trat trotz des kalten Regenwetters offenbar mancher Gast ohne komplettes Schuhwerk den Heimweg an. Neben Dingen wie Handys, Geldbörsen und Schlüssel wurden auffällig viele Schuhe abgegeben, etwa Ballerinas, schwarze Pumps, rosé-goldene High Heels und ein Paar teure Sportschuhe. Auch dabei: Zwei Eheringe. Ob es sich um unterschiedliche Ringe oder die eines Paars handelte, das auf dem Volksfest den Bund fürs Leben aufkündigte, wurde nicht bekannt.

Das Oktoberfest-Gebiss

Wie hätte es fehlen können: das Gebiss. Auch wenn das Oktoberfest dieses Jahr mehr jüngere Menschen als früher anlockte, wurde am Ende wieder im Fundbüro ein Gebiss abgegeben. Künstliche Zähne sind traditionell unter den Fundstücken auf der Wiesn. Selbst die Implantat-Kunst der Zahnärzte änderte in all den Jahren daran nichts.

Karma regelt

Weil eine Wiesnbesucherin ihr Handy nicht mehr finden konnte, rief sie es an. Am anderen Ende der Leitung meldete sich der Dieb und verlangte für die Herausgabe Geld.
"Wir haben uns dem vereinbarten Treffen angeschlossen. #carmapolice #helloitsme", schrieb die Polizei München unter dem Hashtag Wiesnschmankerl auf Twitter.

Wenn die Wurst nicht schmeckt

Ein Wiesn-Besucher wollte seine Bratwurst genießen, war mit dieser aber offensichtlich mehr als unzufrieden und riss vor Wut die Kasse aus dem Standl. "Uns wars nicht Wurscht - Anzeige ist raus. #Kassensturz #Hulkhungrig", twitterte die Polizei München.

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