Update vom 25.11.2022, 14 Uhr: LKA durchsucht Manching - Zeugenaufruf veröffentlicht

Mittlerweile hat das Bayerische Landeskriminalamt die Ermittlungen aufgrund des Einbruchs in das Kelten Römer Museum in Manching fest in der Hand. Gleichzeitig wird auch die in Verbindung zu dem Raub stehende Manipulation an Glasfaserkabeln der Deutschen Telekom untersucht.

Am Freitagvormittag suchten Ermittler mit Unterstützung von Kräften der Bayerischen Bereitschaftspolizei das Umfeld der Tatorte in Manching ab. Insgesamt waren an derAktion rund 60 Beamtinnen und Beamte beteiligt. Dabei sollten Beweismittel sowie möglichen Spuren und Hinweisen zu den Tätern gefunden werden.

Bei der Suche konnten laut dem LKA auch tatsächlich verschiedene Gegenstände aufgefunden werden, die möglicherweise mit den Taten in Verbindung stehen könnten. Zur genauen Art der Gegenstände werden mit Rücksicht auf das laufende Ermittlungsverfahren keine Angaben gemacht. Ob die Spuren tatsächlich mit den Taten in Verbindung stehen, wird Gegenstand der sich an die Absuche anschließenden Ermittlungen sein.

Ergänzend zur Absuche der Tatorte traten die eingesetzten Kräfte an Anwohnerinnen und Anwohner in Manching heran, um Hinweise aus der Bevölkerung zu erhalten. Hierzu wurde von den Beamten Zeugenaufruf verteilt.

Nach den bisherigen Ermittlungen waren die unbekannten Täter am frühen Dienstagmorgen in das Manchinger Kelten- und Römer-Museum eingestiegen, um dort einen mehr als 2000 Jahre alten Goldschatz aus der Keltenzeit zu stehlen. Die Einbrechen entkamen mit fast 500 Münzen. Beim LKA ermittelt eine Sonderkommission.

Die keltischen Goldmünzen wurden 1999 bei einer archäologischen Grabung in Manching entdeckt, es handelt sich laut Museum um den "größten keltischen Goldfund des 20. Jahrhunderts". Der reine Materialwert des 3,7 Kilo schweren Schatzes wird auf rund eine Viertelmillion Euro geschätzt, der Handelswert für die historischen Münzen geht in die Millionen.

Die Beamten prüfen auch Zusammenhänge mit ähnlichen Fällen aus den vergangenen Jahren wie dem spektakulären Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden und dem Münz-Diebstahl aus dem Bode-Museum in Berlin.

Solche spektakulären Kunstdiebstähle beschäftigen auch zunehmend die Versicherer. Sie hätten zu einem "deutlich verstärkten Dialog mit den Museen" geführt, sagte Eric Wolzenburg, der Leiter der Kunstversicherung bei der Allianz Sachversicherung. Dabei gehe es darum, ob solche Taten auch im eigenen Haus passieren können.

Die Allianz gehört eigenen Angaben zufolge zu den größten Kunstversicherern Deutschlands, die Versicherer beraten Museen oft auch beim Schutz der Ausstellungsstücke. Dabei gehe es in der Regel um die drei Aspekte mechanische Sicherung wie Sicherheitsglas, elektronische Sicherung wie Alarmanlagen und den organisatorischen Teil der Sicherheitslösungen - beispielsweise Wachpersonal.

Außerhalb der Öffnungszeiten spiele insbesondere die Alarmanlage eine wichtige Rolle. "Wir verlangen redundante Meldewege. Oft geht es dabei um Lösungen, die sowohl auf Leitungen als auch auf drahtlose Technologien wie Mobilfunk oder Satelliten setzen," sagte Wolzenburg. Zum Fall in Manching äußert sich der Experte nicht. Dort hatte laut Polizei das Kappen von Glasfaserleitungen in der Nähe des Museums die Alarmmeldung verhindert.

"Was wir sehen, ist eine zunehmende Professionalisierung auf der Täterseite", sagte Wolzenburg. Immer häufiger seien es nicht Einzelpersonen, "sondern eine Gruppe hoch spezialisierter Akteure". Oft werde dabei auch Insiderwissen genutzt. "Letztlich muss klar sein: Jedes Sicherheitssystem kann überwunden werden."

Welche Maßnahmen eingesetzt würden, sei für die Museen ein Abwägen zwischen Sicherheit und Präsentation, sagte der Experte. "Es bringt ja nichts, die Kunstwerke hinter zentimeterdickem Sicherheitsglas zu verstecken."

Update vom 24.11.2022, 10.45 Uhr: Keltengold-Entdecker "schockiert" nach Museums-Raub - Spekulationen um Hintergrund der Tat

Ganz zufäälig hatte der Archäologe Matthias Leicht die nun gestohlenen Münzen auf einer Manchinger Baustelle gefunden. Das war im Sommer 1999. Die 451 keltischen Goldstücke seien "ein Teil seines Lebens", so der Leicht gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR) am Donnerstag. Deshalb sei er auch "entsetzt und schockiert" gewesen, als er aus den Medien von dem Diebstahl erfahren habe.

Kurz nach Feierabend habe er mit dem Finger in der Erde gebohrt und dann hätte er auf einmal eine Münze in der Hand gehabt, erinnert sich der Archäologe an seinen großen Fund von vor über 20 Jahren. Nach der Suche mit dem Metalldetektor sei dann sicher gewesen: Hier ist mehr vergraben. Dass an der Stelle viele keltische Artefakte zu finden waren, das war indes klar. Immerhin befand sich an dem Ort in Manching ein keltisches Oppidum. Schließlich förderte man den "größten keltischen Goldfund des Jahrhunderts" zu Tage - der im Kelten-Museum der oberbayerischen Kleinstadt eine neue Heimat fand.

Matthias Leicht - der übrigens derzeit für ein Unternehmen im mittelfränkischen Weißenburg Ausgrabungen vornimmt - hat schon eine Vorstellung, wo die Goldmünzen gelandet sein könnten. Er vermutet im BR, dass es sich um eine "organisierte Geschichte handelt, vielleicht sogar um einen Auftrag". Dadurch hofft er auch, dass die Münzen den Raub auch überleben könnten und nicht eingeschmolzen werden. Das wäre in seinen Augen "das Schlimmste".

Laut dem BR ist die Chance aber gering, dass die Münzen wiedergefunden werden. Denn auf dem freien Kunstmarkt lassen sich die auffällligen Objekte eigentlich nicht verkaufen. Und der Goldwert allein ist schon beträchtlich.

Update vom 23.11.2022, 15.30 Uhr: Polizei veröffentlicht weitere Details - Gibt es Zusammenhänge zu früheren Taten?

Der Einbruch in das Kelten Römer Museum in Manching, bei dem Hunderte wertvolle Münzen gestohlen wurden, hat nur neun Minuten gedauert. In der Nacht zum Dienstag sei um 1.26 Uhr eine Außentür aufgehebelt worden, sagte der Vizepräsident des Landeskriminalamts, Guido Limmer, am Mittwoch in Manching bei Ingolstadt. Dann hätten die Diebe die Münzen aus zwei Vitrinen entwendet und das Museum um 1.35 Uhr bereits wieder verlassen.

Wer die Täter sind, war am Mittwoch noch unklar. Die Ermittler prüfen auch Zusammenhänge mit dem spektakulären Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden und dem Münzklau aus dem Bode-Museum in Berlin. Es gebe "Parallelen", sagte Limmer. Ob tatsächlich Verbindungen bestehen, sei aber noch völlig unklar, man stehe mit den Kollegen im Osten in Kontakt.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Einbruch mit einer Sabotage an einer Betriebsstelle der Telekom in Manching zusammenhängen könnte, die kurz vor dem Diebstahl das Telefonnetz, das Internet und damit auch die Alarmanlage des Museums lahmgelegt hatte. Als in der Nacht das Telefonnetz ausfiel, hatten die Ermittler zunächst befürchtet, Banken und Geldautomaten könnten das Ziel von Kriminellen werden. Dass diese aber wohl das Manchinger Museum im Visier hatten, sei erst klar geworden, als Museumsmitarbeiter den Einbruch am Dienstagvormittag bemerkten und die Polizei alarmierten. Zwischen der Betriebsstelle und dem Museum liegt den Angaben zufolge nur ungefähr ein Kilometer.

Die Polizei gehen davon aus, dass die Kriminellen zunächst zwei Türen des Museums aufbrachen und sich danach an den beiden mit Sicherheitsglas geschützten Vitrinen zu schaffen machten und den insgesamt 3,724 Kilo schweren Goldschatz mitnahmen. Eine 20-köpfige Sonderkommission wurde gebildet. Sie trägt den Namen einer keltischen Siedlung: "Oppidum". Ermittelt wird wegen schweren Bandendiebstahls und Sachbeschädigung.

Laut dem Direktor der Archäologischen Sammlung München liegt der Handelswert der in Manching gestohlenen Goldmünzen bei rund 1,6 Millionen Euro. Man gehe von einem Verkaufspreis von 3000 bis 4000 Euro pro Münze aus, sagte Rupert Gebhard. Den reinen Materialwert des Goldes bezifferte Gebhard auf aktuell rund 250.000 Euro. Sollten die Täter das Gold nach dem Einbruch und Diebstahl im Kelten Römer Museum in Manching einschmelzen, wäre dies ein "Totalverlust", sagte Gebhard. Für europäische Archäologen seien die 483 Münzen - der größte keltische Goldfund, der im vergangenen Jahrhundert bei regulären Grabungen auftauchte - ein "wirkliches Kleinod".

Kunstminister Markus Blume (CSU) bezeichnete den Diebstahl als einen Angriff auf das kulturelle Erbe Bayerns. Der Keltenschatz sei "von kulturhistorisch unschätzbarem Wert", sagte Blume der Deutschen Presse-Agentur. Ende der 90er Jahre sei er ein "Sensationsfund" gewesen, der einen Blick in das Leben der Menschen in Bayern vor mehr als 2000 Jahren möglich gemacht habe. "Es ist insofern auch eine Attacke auf unser kulturelles Erbe und auch auf den Kulturstaat", sagte Blume.

Update vom 23.11.2022, 13.21 Uhr: Diebe des Manchinger Goldschatzes machten noch größere Beute

Die Diebe des Goldschatzes von Manching haben noch mehr Beute gemacht als zunächst angenommen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurde bei dem Einbruch in der Nacht zu Dienstag eine zweite Vitrine aufgebrochen. Dabei wurden drei weitere, deutlich größere Münzen gestohlen. Ob sie auch aus Gold bestehen, wie schwer und von welchem Wert sie sind, war zunächst unklar.

Nach dpa-Informationen hatten die Diebe nach bisherigen Erkenntnissen einen Notausgang des Kelten Römer Museum Manching bei Ingolstadt aufgehebelt und dann die aus Sicherheitsglas bestehenden Vitrinen mit viel Gewalt aufgebrochen.

Am Dienstag hatte das Landeskriminalamt (LKA) über den Diebstahl des Goldschatzes informiert. Gestohlen wurden keltische Goldmünzen aus dem ersten Jahrhundert vor Christus. In der ersten Vitrine befanden sich demnach 483 Goldmünzen. Der Wert der mehr als 2000 Jahre alten Stücke wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Der reine Goldwert dürfte allerdings deutlich geringer sein. Die Münzen waren vor 23 Jahren von einem Grabungsteam in Manching gefunden worden.

Nach Informationen der dpa wird im kompletten Schengen-Raum nach den Tätern gefahndet.

Update vom 23.11.2022, 9.50 Uhr: Ermittler befürchten Schlimmes

Nach Einschätzung der Polizei können die Täter den in Manching gestohlenen Goldschatz nur schwer verkaufen. Daher sei zu befürchten, dass sie die 483 keltischen Münzen einschmelzen und für den Goldwert veräußern. Das sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts am Mittwochmorgen (23. November 2022).

Die zusammen rund vier Kilogramm schweren Münzen waren in der Nacht zum Dienstag aus dem Kelten Römer Museum Manching bei Ingolstadt entwendet worden. Der Wert der mehr als 2000 Jahre alten Münzen wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Sie waren vor 23 Jahren von einem Grabungsteam in Manching gefunden worden.

"Der Einbruch muss in den frühen Morgenstunden stattgefunden haben", hatte ein LKA-Sprecher am Dienstagabend gesagt. "Es war klassisch, wie man es sich in einem schlechten Film vorstellt." Am Dienstagmorgen hätten die Mitarbeiter des Museums dann festgestellt, dass der Goldschatz fehlt.

Die Ermittler gehen davon aus, dass es zudem einen Zusammenhang mit der Sabotage an mehreren Glasfaserleitungen gibt, die in der Nacht zum Ausfall der Telefon- und Internetverbindungen bei etwa 13.000 Privat- und Firmenkunden rund um Manching geführt hatte. Die zeitliche und räumliche Nähe zur Tat lege das nahe, sagte ein Sprecher. Durch die Sabotage habe es zudem keinen Alarm bei der Polizei gegeben.

Insgesamt arbeiten Dutzende Ermittler an dem Fall. Die Polizei ist zudem im Austausch mit ihren Kollegen in Dresden und Berlin, wo es in den vergangenen Jahren ebenfalls große Einbrüche in Museen gegeben hatte. Zum näheren Stand der Ermittlungen wollte sich der Sprecher noch nicht äußern.

Originalmeldung vom 22.11.2022, 19.52 Uhr

Einbrecher haben im oberbayerischen Manching einen mehrere Millionen Euro teuren Goldschatz aus der Keltenzeit erbeutet. Wie ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) am Dienstag (22. November 2022) berichtete, waren die Täter in der vorangegangenen Nacht in das Kelten Römer Museum in Manching bei Ingolstadt eingestiegen und entwendeten den 1999 bei Manching entdeckten Schatz vollständig. Mehrere Medien hatten zuvor berichtet.

Der Goldschatz war das Aushängeschild des Museums. Der Sammlerwert der historischen Münzen wird laut LKA auf mehrere Millionen Euro taxiert. Es handelt sich um den größten keltischen Goldfund, der im vergangenen Jahrhundert aufgetaucht ist. Ein Grabungsteam hatte vor 23 Jahren insgesamt rund 450 Münzen entdeckt, die etwa 2000 Jahre alt sind.

Millionen Euro wertvoller Goldschatz gestohlen: "Wie in einem schlechten Film"

"Der Verlust des Kelten-Schatzes ist eine Katastrophe, die Goldmünzen als Zeugnisse unserer Geschichte sind unersetzlich", sagte Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU). Der kulturelle Schaden sei enorm. "Wer auch immer diese Tat begangen hat: Jemand hat sich an unserer Geschichte vergangen und unfassbare kriminelle Energie dafür an den Tag gelegt." Blume sagte, es müsse alles dafür getan werden, die Hintergründe aufzuklären und die Kriminellen zu fassen. "Der Einbruch muss in den frühen Morgenstunden stattgefunden haben", sagte der LKA-Sprecher. "Es war klassisch, wie man es sich in einem schlechten Film vorstellt." Am Dienstagmorgen hätten die Mitarbeiter des Museums dann festgestellt, dass der Goldschatz fehlt. Zunächst wurde die Kripo des Polizeipräsidiums in Ingolstadt eingeschaltet. Wegen des großen Wertes des Diebesgutes übernahm im Lauf des Tages das LKA den Fall. 

Seit 2006 wurde der Schatz in dem Museum im Landkreis Pfaffenhofen/Ilm ausgestellt. Das sogenannte Oppidum Manching gilt als eine wichtige keltische Siedlung, in der bis heute Archäologen regelmäßig tätig sind. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege zählt die Siedlung zu den bedeutendsten Bodendenkmälern nördlich der Alpen. Der herausragende archäologische Ort im nördlichen Oberbayern zieht immer wieder Kriminelle an. Erst Anfang Mai hatten Raubgräber auf dem Gelände einer wissenschaftlichen Grabung bei Manching illegal etwa 140 Löcher gegraben. Ein Fachunternehmen hatte damals im Auftrag des Freistaats ein Stück Land untersucht, weil dort eine Bundesstraße gebaut werden soll.

Die Experten gehen davon aus, dass die Täter damals an einem Wochenende mit Bodensonden auf dem Gelände der Archäologen nach Funden aus der Keltenzeit gesucht haben. Ob und welche Stücke gestohlen wurden, ist bis heute unklar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch zu der Raubgrabung. Auch aus Museen stehlen Kriminelle immer wieder kostbare Stücke. Schlagzeilen machte in den vergangenen Jahren insbesondere der Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden im November 2019. Damals wurden 21 Schmuckstücke mit Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von mehr als 113 Millionen Euro gestohlen, von der Beute fehlt bisher jede Spur. Mehrere Männer stehen deshalb derzeit in Dresden vor Gericht.