Angriff auf einen Journalisten in Bayern: Ein Reporter des Bayerischen Rundfunks (BR) ist am Rande einer Pressekonferenz in München von einem Mann attackiert worden. Der Reporter habe Anzeige wegen Körperverletzung erstattet, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch (24. August 2022). Der Vorfall habe sich am Dienstag bei einer Pressekonferenz von Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) zu einer Kampagne für Corona-Auffrischimpfungen ereignet.

Während einer offenen Fragerunde ging den Angaben zufolge "ein polizeilich bereits bekannter 23-Jähriger" aus München auf Journalisten los, beschimpfte sie "als Volksverräter und Impfterroristen".

Reporter in München angegriffen: So schildert die Polizei den Vorfall

Nach einem Platzverweis kam er laut Polizei später zurück - und soll dem 38 Jahre alten Journalisten ins Gesicht geschlagen haben. Er wurde festgenommen, beleidigte laut Polizeiangaben dabei auch die Beamten - und wurde wegen Körperverletzung, Störung des öffentlichen Friedens, Bedrohung sowie Beleidigung angezeigt.

Nach BR-Angaben attackierte der Mann den Reporter am Dienstag mit mehreren Faustschlägen auf den Kopf. Nachdem Mitarbeiter eines Sicherheitsdiensts den Mann zurückgedrängt hatten, habe der Angreifer dem Reporter auf dem Weg zum Auto aufgelauert und ihn erneut mit Faustschlägen angegriffen. Zuvor habe der Angreifer den Reporter noch wüst beschimpft und gesagt: "Ich vernichte euch alle", heißt es zudem in einer Mitteilung des BR.

BR-Intendantin Katja Wildermuth verurteilte den Angriff am Mittwoch: "Jeder Angriff auf Journalisten ist auch ein Angriff auf die Pressefreiheit." BR-Chefredakteur Christian Nitsche sprach vom bislang schwersten Angriff auf einen BR-Kollegen. Reporter seien während der Corona-Pandemie auf Demonstrationen zwar immer wieder verbal angegangen worden. "Die jetzige gewalttätige Attacke sprengt diese Dimension", sagte Nitsche. "Mich entsetzt dieses Maß an Enthemmung und Verrohung. (...) Dass jemand Reporter hinterrücks angreift und Vernichtungsphantasien äußert, überschreitet jede Grenze."

Gesundheitsminister Holetschek forderte am Mittwoch eine rasche Aufklärung der Hintergründe des Angriffs. Jeder gewalttätige Angriff auf Journalistinnen und Journalisten sei auch ein Angriff auf die Demokratie, sagte Holetschek. "Die Medien müssen ohne Angst vor Einschüchterung frei berichten können." Der Täter ist nach BR-Recherchen dem äußeren rechten Spektrum zuzuordnen und äußerte sich auch im Internet schon gewaltbereit.

In der Debatte um das richtige Vorgehen in der Corona-Pandemie seien Diskussionen zwar wichtig. Auf Beleidigungen solle man dabei aber verzichten, betonte Holetschek. "Aber wer zum Beispiel im Internet Hass schürt, trägt Mitverantwortung für Gewalttaten."

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