Ein 16-jähriges Mädchen ist im Ammersee im Landkreis Landsberg am Lech von einem Stand-up-Paddling-Board ins Wasser gefallen und ertrunken - sie konnte offenbar nicht schwimmen. 

Das Mädchen sei bereits am Freitagabend (26. August) mehrere 100 Meter vom Nordufer entfernt untergegangen, teilte die Polizei mit. Trotz einer groß angelegten Suchaktion habe man das Mädchen aber nicht gefunden. Sonntagmittag (28. August) sei dann ein Leichnam im Wasser geortet und von Tauchern aus dem See geholt worden. Jetzt gibt es Details zum Ablauf des Unglücks. 

Unglück am Ammersee: Schwester hätte noch nach den Haaren gegriffen

Laut Berichten der SZ und des BR seien die beiden Mädchen mit dem familieneigenen Stand-up-Paddling-Board auf den See hinaus gefahren. Gegen 18 Uhr wären die 16-Jährige und ihre 15-jährige Stiefschwester ins Wasser gefallen, so der BR. Beide hätten daraufhin wild mit den Armen gerudert - die 16-Jährige sei Nichtschwimmerin gewesen. Einem Bericht der SZ zufolge, die sich auf einen Wasserretter beruft, hätten die Eltern hätten hilflos vom Ufer zusehen müssen. 

Ein Stand-up-Paddler habe jedoch die Situation erkannt und sei den Geschwistern zu Hilfe geeilt, so der Bericht. Er hätte den Geschwistern sein Board hingeschoben, die 15-jährige Stiefschwester habe sich daran festhalten und retten können. Sie hätte noch nach den Haaren ihrer Schwester gegriffen, die bereits unter Wasser gewesen sei. Doch die 16-Jährige sei ihr entglitten und in die Tiefe gesunken.

An der Stelle, wo das Unglück geschah, sei das Wasser 15 Meter tief, was die Suche erschwert habe, da es dort sehr dunkel sei, meint Kaiser gegenüber der SZ. Man hätte sofort nach dem Unglück mit der Suche begonnen. Insgesamt waren, so die Polizeiinspektion Dießen, etwa 70 Einsatzkräfte beteiligt. Eine Drohne, eine Wärmebildkamera und auch ein Polizeihubschrauber seien im Einsatz gewesen und Taucher hätten immer wieder im Wasser nach dem Mädchen gesucht. Am Sonntagmittag kam zudem eine Spezialfirma aus München mit einem Sonarboot an den Ammersee. Am Sonntagmittag (28. August) konnten die Einsatzkräfte das Mädchen schließlich bergen.

Nach Unfall mit Stand-up-Paddling-Board: DLRG warnt vor Gefahren

Die Familie würde seit dem Unglück psychologisch betreut werden, berichtete der Einsatzleiter des Wasserrettungsdienstes Landsberg, Maurizio Kaiser, der SZ. Beide Mädchen hätten keine Schwimmweste getragen und auch die Fußmanschette, die verhindern soll, dass das Board nach einem Sturz abtreibt, sei nicht angelegt gewesen.

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Michael Förster, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Bayern, warnt gegenüber der vor den Gefahren - insbesondere für Nichtschwimmer:  "Tatsächlich fällt auf, dass seit vorletztem Jahr immer mehr Nichtschwimmer, Jugendliche und Erwachsene, mit dem Board aufs Wasser rausgehen - und bei Unfällen in Lebensgefahr geraten."

Er erläutert weiter, dass viele wohl denken würden, dass man beim Stand-up-Paddling tolle Sachen machen kann und nicht schwimmen können muss, weil man auf dem Wasser steht. Das sei ein "tödlicher Trugschluss". Kaiser betont: Wer als Nichtschwimmer vom Brett falle, sei innerhalb kürzester Zeit weg. Wenn nicht innerhalb weniger Minuten gezielte Hilfe komme, könne man in der Regel nur die Leiche suchen, so Förster gegenüber der AZ

Tipps von der DLRG Bayern: Diese Sicherheitshinweise solltest du beachten

  • Achte auf Wind und Wetter: Bevor du mit dem Brett auf das Wasser gehst, schau den Wetterbericht an. Bedenke, dass dir bei der Rückfahrt der Wind entgegenwehen kann.
  • Immer zu zweit: Wassersport ist Teamsport. Sichert euch gegenseitig und seid füreinander da. Aber in Corona-Zeiten: haltet Abstand. Informiert immer jemanden über eure Tour und die gewählte Route mit der voraussichtlichen Rückkehrzeit. Dann kann Hilfe geholt werden, falls doch mal was passiert.
  • Keine Nichtschwimmer: Die Bretter sind kein Spielzeug für Kinder, die nicht schwimmen können! Gute Schwimmkenntnisse sind Voraussetzung! Lass Kinder auf dem Brett nie allein. Wenn sie ins Wasser fallen, sind sie in Lebensgefahr.
  • Immer mit Schwimmweste: Solltest du ins Wasser fallen, kannst du sehr schnell Kreislaufprobleme bekommen, denn dein Körper ist aufgeheizt.
  • Nicht zu weit raus: Am besten paddle an der Uferlinie entlang. Entferne dich nie weiter vom Ufer weg, als du auch schwimmen kannst.
  • Sicherheitsleine: Die Sicherheitsleine, die du an deinem Bein und am Brett fest machst, sorgt dafür, dass dein Brett bei dir bleibt. Auf einem schnell strömenden Fluss (was generell eine große Gefahr darstellt!) sollte eine Leash mit schnell öffnendem Panik-Verschluss verwendet werden.
  • Vorsicht Bootsverkehr: Behindere den Bootsverkehr nicht. Und durch größere Schiffe droht Gefahr von Wellenschlag und Sog.
  • Sonnenschutz: Du bist der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt und das Wasser reflektiert die Strahlen zusätzlich. Trag immer einen Hut und ein UV-Shirt, um Sonnenstich und Sonnenbrand vorzubeugen.
  • Kein Alkohol: Alkohol und Drogen schränken deine Kraft und deine Konzentration ein. Das kann lebensgefährlich sein.
  • Für den Notfall: Für den Notfall nimm dein Handy in einer wasserfesten Tasche mit.
  • Kennzeichne dein Board: Sollte dein Board einmal abhandenkommen, kann abgeklärt werden, ob dir etwas passiert ist.

Der tragische Unfall am Ammersee ist nicht der erste. Erst Anfang August war eine 73-Jährige auf dem Weißenstädter See von ihrem Stand-up Paddleboard gestürzt und ertrunken.  Und im Juni war ein 42-Jähriger in einem See in der Oberpfalz ertrunken, nachdem er von seinem Board gefallen ist. 

Mit dpa

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