Ein Mann baut eine Kapelle. Kann er machen, ist ja legal. Vor das Gotteshaus stellt er einen Gedenkstein. Auch das darf er. Auf der Inschrift vergleicht er Abtreibungen mit dem Holocaust. Das darf er nicht. Denn: Die Shoah ist historisch einzigartig. Einzigartig in ihrer Grausamkeit, einzigartig in ihren Ausmaßen.

Geschichtswissenschaft gibt Stoßrichtung vor

Nie zuvor gab es eine Tötungsindustrie in solchem Ausmaß wie in Deutschland zur NS-Zeit. Das spiegelt sich in den geschichtswissenschaftlichen Begriffen wieder. Der Begriff des "Holocausts" geht zurück auf ein antikes griechisches Ritual, bei dem ein Tieropfer vollständig verbrannt wurde. Im hebräischen spricht man von der Shoah - dem großen Unglück.

Beide Begriffe treffen zu. Ausgrenzungen, Boykotte, Deportationen, Konzentrationslager, Menschenexperimente, Massenerschießungen, Vergasungen, Vernichtung durch Arbeit. Eine Bevölkerung, die dabei mitmacht. Das sind die Grundtöne auf der Klaviatur des Holocausts. Auf etwa sechs Millionen Tote belaufen sich die Schätzungen von Historikern.

Klare Ansagen oder Konsequenzen? Fehlanzeige

Und im Jahr 2008 baut Franz Graf ein Gotteshaus und vergleicht auf einem Gedenkstein Abtreibungen mit dem Holocaust. Bei Abtreibungen handele es sich laut dem Erbauer um den "größten Völkermord in der Geschichte der Menschheit", um einen ""Holocaust" an ungeborenen Kindern". Die Staatsanwaltschaft sieht darin eine freie Meinungsäußerung. Das Bistum Regensburg hält "es lediglich für nicht sinnvoll, "die millionenfache Tötung ungeborener Kinder, die in unserer Zeit geschieht" mit den Massenmorden des 20. Jahrhunderts gleich zu setzen. Klare Ansage mit Folgen? Fehlanzeige.

Der Erbauer darf weiter seinen herbeifantasierten Vergleich ziehen. Dabei lässt Franz Graf außer acht, dass Frauen über ihren eigenen Körper bestimmen dürfen. Außer acht lässt er das unermessliche Leid, mehrere Millionen Tote und deren traumatisierte Hinterbliebene.

Historischer Vergleich hinkt

Natürlich kann er eine andere Meinung zur herrschenden Gesetzeslage haben. Unsere moderne Gesellschaft, ja sogar die Demokratie beruht auf unterschiedlichen Meinungen. Was jedoch nicht sein darf, ist ein herbeigedichteter historischer Vergleich mit dem Holzhammer.

Mittlerweile gibt es fast keine Überlebenden mehr, die von dem Horror berichten können. Die Zeitzeugen sterben und die neue Rechte ist auf dem Vormarsch. In diesen Zeiten ist es um so wichtiger, dass Menschen aufstehen und klare Kante zeigen.

Deshalb richte ich einen Wunsch an den Erbauer der Kapelle. Ich wünsche mir, dass er eine KZ-Gedenkstätte besucht. Vielleicht kommt er zur Einsicht, dass sein Vergleich falsch, ja hanebüchen ist.

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