Werden die Corona-Maßnahmen doch noch verschärft? Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat die Länder wegen vielerorts hoher Corona-Infektionszahlen eindringlich aufgefordert, wieder mehr Maskenvorgaben für Innenräume vorzusehen. Besonders in Bayern sei die Lage nach dem Oktoberfest ernst - doch von Klaus Holetschek gab es prompt Contra.

"Die Richtung, in die wir unterwegs sind, ist keine gute", sagte Lauterbach am Freitag (14. Oktober 2022) in Berlin mit Blick auf steigende Zahlen bei Ansteckungen, Gestorbenen und Belastungen in Kliniken. "Es ist jetzt wirklich an der Zeit." Sinnvoll wäre, mit geringeren Einschränkungen jetzt zu arbeiten, als mit sehr drastischen spät zu reagieren.

Maskenpflicht in Innenräumen: Lauterbach appelliert an Bayern

Vor allem angesichts der kritischen Corona-Entwicklung in München nach dem Oktoberfest sieht Lauterbach Handlungsbedarf für weitere Schutzvorgaben. Er finde, dass "München, aber auch Bayern unter besonderer Verpflichtung ist, sich jetzt zu überlegen, was macht man mit der Maskenpflicht in den Innenräumen", sagte der SPD-Politiker. "Will man das wirklich so laufen lassen?" Das ginge zulasten von Pflegekräften, ärztlichem Personal und Leuten, die infiziert würden. "Man muss jetzt darüber nachdenken: Wann ist der richtige Zeitpunkt, dass man die Verantwortung zeigt?" Das Infektionsschutzgesetz gebe dies her.

Nach dem Ende des Oktoberfestes sind die Infektionszahlen in München stark gestiegen, Kliniken berichteten von Problemen. Lauterbach sagte: "Es muss jetzt nach vorne geblickt werden. Es hilft nicht, da nachzutreten." Er bekräftigte zugleich: "Natürlich ist das Oktoberfest, so wie es gemacht wurde, eine schlechte Idee gewesen."

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) wies die Kritik aus Berlin zurück: "Bayern überwacht die Corona-Lage sehr engmaschig über einen vielschichtigen Monitoring-Prozess. Sollten die Indikatoren darauf deuten, dass weitere Maßnahmen notwendig sind, werden wir umgehend handeln", sagte er in München. Im Moment gebe es dafür keinen Anlass, "aber wir sind für kurzfristige Entscheidungen vorbereitet".

Absagen hätte man die Wiesn wegen fehlender Rechtsgrundlage schlecht können. "Aber hätte man es besser durchführen können oder sollen? Da ist die Antwort natürlich: ja." Man hätte zum Beispiel warnen müssen: "Wer soll kommen, wer soll nicht kommen", sagte Lauterbach etwa mit Blick auf Menschen mit Vorerkrankungen. Das Allermindeste wäre gewesen, jedem einen Selbsttest bei Eintritt anzubieten oder besser noch einen Testnachweis vorzugeben. Unabhängig vom Infektionsschutzgesetz könne man natürlich im Rahmen des Hausrechtes jederzeit Vorgaben machen für den Besuch einer Veranstaltung oder eines Lokals.

Corona-Lage schlimmer als gedacht? Lauterbach spricht von hoher Dunkelziffer

Zudem geht Lauterbach geht von einer "erheblichen Dunkelziffer" bei den Corona-Infektionen aus. "Ich glaube, dass die Zahlen, die wir haben, zuverlässig sind, aber nicht vollständig", sagte er. Es gebe eine Untererfassung bei Menschen, die einen positiven Schnelltest nicht durch einen PCR-Test bestätigen ließen. "Daher rechnen wir mit einer Dunkelziffer, dass die Gesamtzahl drei bis vier Mal so hoch ist, wie das, was wir jetzt auswerten. Und das bedeutet, dass wir derzeit möglicherweise nicht also 100.000 neue Fälle haben, sondern, wenn man alle Fälle zählen würde, bis zu 400.000 Fälle."

Der Minister kritisierte eine "Verharmlosung" in Diskussionen um Tote in Zusammenhang mit Corona-Infektionen. Ob jemand "mit" oder "an" Corona gestorben sei, werde teils falsch bewertet. "Wenn ich mit Corona sterbe, kann es trotzdem so sein, dass ich ohne die Corona-Infektion nicht gestorben wäre", erläuterte er. "Das kriegen viele nicht auseinander. Die denken dann, mit Corona gestorben bedeutet, der wäre sowieso gestorben."

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Lauterbach stellte am Freitag auch eine neue Kampagne unter dem Motto "Ich schütze mich" vor, die für Impfungen, aber auch für gegenseitige Vorsicht und Schutz mit Masken werben soll. Es sei keine Angstkampagne. "Es geht darum, dass wir als Gemeinschaft zusammenhalten." In der Kampagne würden 84 "echte Personen" von ihrem Schicksal, etwa auch zu länger anhaltenden Gesundheitsbeschwerden nach Infektionen (Long Covid), berichten. Es gebe lustige und "nicht so lustige" Motive in der Kampagne. Geplant sind Veröffentlichungen in allen Medien.

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Gleichzeitig warf er Krankenkassen vor, Patientinnen und Patienten mit Long Covid teilweise nicht selbst ausreichend behandeln zu wollen. "Die Krankenkassen wollen zum Teil diese jungen Leute aussteuern", kritisierte Lauterbach. "Sie gehen dann quasi aus dem Rechtskreis des Beschäftigten, der Krankenkassenleistungen bekommt, in die Rentenversicherung hinüber. Das ist natürlich nicht richtig." Die Krankenkassen wiesen den Vorwurf zurück.

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