Bayern
Angeschlagene Branche

Bayerische Brauereien mit Notfallplänen wegen Gas-Krise: "Preiserhöhung um 30 Prozent gerechtfertigt"

Bayerische Brauereien erarbeiten alternative Energieversorgungswege, um im Falle eines Gas-Stopps nicht den Super-GAU zu erleben.
Bayerische Brauereien mit Notfallplänen wegen Gas-Krise: "Preiserhöhung um 30 Prozent gerechtfertigt"
Bier könnte künftig nicht mehr mit Gas-Energie, sondern mit alternativen Energien gebraut werden. Foto: cerdadebbie/pixabay.com (Symbolbild)

Bierbrauerinnen und Bierbrauer sorgen sich, dass bei ausbleibenden Gaslieferungen seitens Russlands auch die Bierproduktion zum Stillstand kommen könnte. Gleichzeitig wird Biertrinken durch die Auswirkungen der Coronapandemie und des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine immer teurer

Bei zahlreichen Brauereien ist die Haupt-Energiequelle zum Bier brauen Gas. Ein Dilemma, auf das sich die Brauereien jedoch einstellen müssen und nach Alternativen suchen.

Brauereien mit alternativen Energie-Konzepten, um auch bei Gas-Stopp Bier brauen zu können

Einige Brauereien aus München arbeiten daher bereits an Notfallplänen, sollten sie nicht mehr ausreichend Gas für die Bierproduktion zur Verfügung haben. Denn aktuell wäre ein Gas-Stopp gleichbedeutend mit einem Bier-Produktionsstopp, weil es noch keine Alternativen gebe. Ein Gas-Stopp wäre demnach "natürlich katastrophal für unser Unternehmen und unsere Konsumentinnen und Konsumenten", erklärte der Gründer von Giesinger Bräu, Steffen Marx, gegenüber der Süddeutschen Zeitung. 

Auch wegen dieses potenziellen "Super-GAUs" würden derzeit viele Brauereien, darunter unter anderem Giesinger Bräu und Hofbräu München, prüfen, ob notfalls ein Umstieg von Gas auf Öl möglich sei. 

Der internationale Brauerei-Gigant Anheuser-Busch InBev (AB InBev), dem unter anderem die Brauereien Franziskaner, Spaten und Löwenbräu gehören, will im Gegensatz zu den anderen Brauereien keine Zwischenlösung mit Öl. Er strebt stattdessen direkt die Umstellung auf erneuerbare Energien an, wie sie der SZ mitteilten. 

Brauereien kritisieren: "Uns fehlt Planungssicherheit"

Diese Möglichkeiten hätten jedoch nicht alle Brauereien, mahnte Holger Eichele, Haupt-Geschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur (dpa). "Die Branche beschäftigt die tiefe Sorge vor einem Blackout." Mehr als zwei Drittel der deutschen Brauereien sei auf Gas angewiesen, teilte der Verband mit. Denn: Das Gas sei notwendig, um die Sudhäuser zu betreiben. "Wir fahren mit hohem Tempo durch eine Nebelwand. Uns fehlt Planungssicherheit", erklärte Eichele.

"Sollte es zu einem Gasembargo kommen, dann werden viele Brauereien erhebliche Probleme kriegen", stimmte Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Privatbrauerei Veltins zu. Viele Brauereien hätten gar nicht erst die Möglichkeit, in kurzer Zeit auf alternative Energien umzustellen.

Doch nicht nur die Energieversorgung sei derzeit ein Problem, sondern auch die Versorgung von weiteren Zuliefernden, die etwa für Flaschen und Etiketten sorgen. "Wir benötigen etwa 50 bis 60 Millionen neue Flaschen im Jahr. Wenn da irgendetwas einbricht, ist die Versorgung total unterbrochen", meinte Huber. Gegenüber dem Handelsblatt gab Huber an, bereits 30 Millionen Euro investiert zu haben, um Ware auf Vorrat zu kaufen, die er sonst kurzfristig bestellt hätte. Dafür brauche es jedoch Liquidität und Durchhaltevermögen "und vor allem Kapazitäten", sagte Huber.

Preiserhöhung von Bier um 30 Prozent "gerechtfertigt"

Dass sich die geänderten Rahmenbedingungen auch im Preis widerspiegeln würden, sei seiner Meinung nach nachvollziehbar, auch wenn er die vom Brauer-Bund geforderte Preiserhöhung von 30 Prozent für Bier für überzogen halte. Gerechtfertigt sei sie aber trotzdem, ergänzte er. Würde eine solche Preiserhöhung jedoch durchgesetzt werden, müsste die angeschlagene Branche mit weiter schwingenden Absatzzahlen zu kämpfen haben. "In dieser Zeit müssen wir als Branche unsere Ansprüche zurückfahren und mit niedrigen Margen leben", forderte er.