Frankfurt am Main
Himmelsphänomen

Schauspiel am Himmel: Experten rätseln - Was war am Dienstag über Deutschland zu sehen?

Plötzlich leuchtete der Himmel "super hell und leicht grünlich". Ein spektakuläres Phänomen am Himmel ließ tausende Menschen in Süddeutschland staunen.
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Plötzlich leuchtete der Himmel "super hell und leicht grünlich". Ein spektakuläres Phänomen am Himmel ließ tausende Menschen in Süddeutschland staunen. Foto:   Mannheim Wetter Info/dpa
Plötzlich leuchtete der Himmel "super hell und leicht grünlich". Ein spektakuläres Phänomen am Himmel ließ tausende Menschen in Süddeutschland staunen. Foto: Mannheim Wetter Info/dpa
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"Super hell und leicht grünlich" sei die Erscheinung gewesen, schrieb ein Twitter-Nutzer. Ähnliche Meldungen gab es zum Beispiel aus dem Saarland, Südhessen, Bayern und Baden-Württemberg und aus dem benachbarten Ausland. Einige Nutzer schrieben von einem "Feuerball". Bei der International Meteor Organization (IMO) gingen bis Mittwoch abend mehr als 1200 Berichte von Augenzeugen ein.

Experten rätseln seitdem, was hinter dem Phänomen stecken könnte. Axel Quetz vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg hielt die Erscheinung für eine große Sternschnuppe. "Möglicherweise war sie eine frühe Leonide", sagte er am Mittwoch. "Der in die Erdatmosphäre eingetretene Himmelskörper könnte die Größe einer Faust oder eines Fußballs gehabt haben." Das Objekt dürfte vollständig verdampft sein.


Eine frühe Leonide?

Das Sternschnuppenstrom der Leoniden wird voraussichtlich rund um diesen Freitag herum am stärksten sein. Auslöser des Schauspiels sind die Trümmerteile des Kometen 55P/Tempel-Tuttle. Sie treten in die Erdatmosphäre ein, wenn die Erde auf ihrer Umlaufbahn einmal pro Jahr mit der Teilchenwolke kollidiert. Ihren Namen haben die Leoniden vom Sternbild Löwe.

Rüdiger Jehn vom Raumflugkontrollzentrum Esoc der Europäischen Raumfahrtagentur Esa in Darmstadt folgt der Leoniden-Theorie nur teilweise. "Es könnte ein Meteor gewesen sein, der nicht eindeutig einem Sternschnuppenstrom zugerechnet werden kann", meinte Jehn. "Solche Teile verglühen in 30 bis 40 Kilometern Höhe", erklärte er. "Gefährlich sind sie nicht."

Quetz zufolge kommt "ein Feuerball dieser Größe und Helligkeit" über Deutschland alle ein bis zwei Monate vor. Die meisten blieben allerdings unbemerkt, aufgrund des Wetters oder, weil sie sie zu hellen Tageszeiten auftreten.


Kein Wetterphänomen

Im Flugverkehr verursachte der Feuerball keine Probleme. "Das hat auf unsere Arbeit keine Auswirkungen gehabt", sagte Ute Otterbein von der Deutsche Flugsicherung in Langen.
Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach betonte, dass das Phänomen aller Wahrscheinlichkeit nach kein Wetterphänomen war. Meldungen zu der Lichterscheinung hatte es aus dem Saarland, Südhessen und Baden-Württemberg gegeben.

Menschen seien von astrologischen Phänomenen seit jeher fasziniert, sagte die Psychologin Julia Scharnhorst. Gründe dafür gebe es viele. "Es passiert etwas fernab von der eigenen Lebenswelt, und das löst eine Faszination aus." Es sei sehr eng an den Aberglauben gekoppelt, dass das, was am Himmel passiere, einen direkten Einfluss auf das Leben des Einzelnen habe. "Man sieht eine Sternschnuppe und denkt, man kann sich etwas wünschen und das geht dann in Erfüllung", sagte die Expertin vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Einen wissenschaftlichen Beleg gebe es hierfür allerdings nicht.


Eine kurze Erklärung zu den wichtigsten begriffe rund um die himmlische Erscheinung:

Meteor: Das ist der Begriff für die Leuchterscheinungen am Himmel, die meist durch staubkorngroße Teilchen aus dem Weltraum verursacht werden, die mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eintreten, durch die Luft gebremst werden, durch die Reibung verglühen und die Moleküle der Atmosphäre durch Ionisation zum Leuchten bringen. Das geschieht pausenlos; die Gesamtmasse der "außerirdischen" Eindringlinge wird auf 125 Tonnen täglich geschätzt.

Sternschnuppe: Das ist der gebräuchliche Begriff für das himmlische Schauspiel Meteor - lange Zeit mit abergläubischen Vorstellungen verbunden, weiß man heute, dass das Himmelsfeuerwerk entsteht, weil kleinste Teilchen mit enormer Geschwindigkeit (11,2 bis 72 Kilometer pro Sekunde) in der Lufthülle der Erde verglühen.

Bolide: Besonders helle Meteore bezeichnet man als Bolide oder Feuerkugeln. Sie entstehen beim Eindringen größerer Stein- oder Eisenbrocken (zehn Millimeter Durchmesser oder größer). Dann dauert das Lichtspiel nicht nur Sekundenbruchteile, sondern es bleibt länger am Nachthimmel sichtbar - wie beim jüngsten Beispiel. Es gibt auch Meteore menschlichen Ursprungs: Auch Weltraumschrott, Teile von Raketen oder Satelliten oder sogar ganze Satelliten können auf die Erde stürzen und in der Luftschicht verglühen.

Meteorströme: Während die meisten Meteore wie aus dem Nichts auftauchen, lässt sich das Himmelsspektakel in einigen Fällen exakt vorhersagen: Es gibt Meteorströme, die jedes Jahr zur gleichen zeit die Erdbahn kreuzen und dann zu vermehrtem Sternschnuppen-"Fall" führen. Am bekanntesten sind die Perseiden (Juli/August), aktuell bekommt die Erde Besuch von den Leoniden, im Dezember darf man sich auf die Geminiden freuen. Benannt werden die Meteorströme nach dem Sternbild, aus dem sie scheinbar kommen. Nach gängigen Theorien entstehen Meteorströme durch den Zerfall von Kometen.

Komet: Ein Meteor ist ein Phänomen, das in den oberen Schichten der Erdatmosphäre, in gut 100 Kilometern Höhe, entsteht. Im Gegensatz dazu ist ein Komet ein Himmelskörper, der in großer Entfernung in den Weiten des Weltalls an der Erde vorbei zieht. Kometen bewegen sich ähnlich wie die Planeten auf festen Bahnen um die Sonne. Allerdings sind ihre Bahnen in der Regel nicht annähernd kreisförmig, sondern stark elliptisch. In großer Entfernung zur Sonne sind die Kometen, die aus der Urzeit des Sonnensystems stammen, tiefgefroren. Nähern sie sich der Sonne, taut ihre Oberfläche, die aus Eis und Gestein besteht, auf, und der Komet beginnt zu leuchten. Meist bildet das verdampfende Gas einen spektakulären Schweif - für kurze Zeit, bis der Komet wieder in der Finsternis verschwindet. 2014 gelang der europäischen Raumfahrtorganisation ESA die spektakuläre Rosetta-Mission mit der ersten Landung einer Sonde auf einem Kometen (Tschuri).

Meteorit: So nennt man den Himmelskörper, nicht den Leuchteffekt. Meteorite bestehen aus Stein oder aus Metall. Wenn sie groß genug sind, können sie den Eintritt in die Erdatmosphäre überstehen und auf der Erde landen. Größere Meteorite erzeugen dann Einschlagkrater - ein Beispiel ist das Nördlinger Ries, 24 Kilometer im Durchmesser, das vor 14,6 Millionen Jahren beim Einschlag eines Meteoriten entstand, der einen Durchmesser von 1,5 Kilometer hatte und die Energie von mehreren hunderttausend Atombomben freisetzte. Vor 66 Millionen Jahren vernichtete ein Meteorit, der im Bereich des heutigen Golfs von Mexiko einschlug, einen Großteil der Landlebewesen, unter anderem die Dinosaurier. dpa/ak/gf





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