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Wissenschaft

Wissenschaftler erklärt: Darum ist "Game of Thrones" so erfolgreich

Warum ist die Serie "Game of Thrones" so erfolgreich? Das hat sich auch ein Kulturtheorie-Professor gefragt und eine Antwort gefunden.
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Warum ist Game of Thrones so erfolgreich? Foto: Helen Sloan/HBO/AP/dpa
Warum ist Game of Thrones so erfolgreich? Foto: Helen Sloan/HBO/AP/dpa
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Der weltweite Hype um die Fantasy-Saga "Game of Thrones" ("GoT") ist aus Sicht der Wissenschaft durchaus erklärbar. "Der Knackpunkt ist eine inneren Spannung zwischen knallhartem Realismus und Fantasy", erklärte Kulturtheorie-Professor Jan Söffner von der Zeppelin Uni in Friedrichshafen am Bodensee.

Im Gegensatz zu herkömmlicher Fantasy, die meist gängigen Schemata folge, komme bei "GoT" tatsächlich immer alles anders, als man denke. Man frage sich immer, was passiert, wer das letzte Wort haben und wie die Sache ausgehen wird.


GoT wird man wohl in 100 Jahren noch kennen


Söffner hält "Game of Thrones" zwischen Mittelalter, Drachen und Untoten tatsächlich für "etwas sehr Großes", das man wohl auch in 100 Jahren noch kenne. Zwar habe die Serie noch nicht die Dimension und vor allem die Figuren von "Star Wars", womit George Lucas mehrere Generationen von Kindern beeinflusst habe. Doch sei es viel komplexer und größer aufgezogen als etwa Tolkiens Weltklassiker "Herr der Ringe". Entscheidend sei, wie US-Autor George R.R. Martin die Story weiterführe und ob die TV-Serie ihr Niveau bis zum Schluss halten könne. Aktuell läuft die vorletzte Staffel der Serie.

Rezept eins: Herkömmliche Hollywood-Fantasy folge meist der Mythentheorie von Joseph Campbell, erklärte Söffner. Heißt: Junger Held lebt in der Realität. Er erhört den Ruf aus einer höheren, anderen Realität; er tritt dort ein. Er hat einen Mentor, der meist stirbt, und er lebt am Ende in beiden Realitäten. Für "Star Wars" sei das prägend gewesen, für "Harry Potter" oder "Matrix" ebenfalls. Durch "GoT" könne man diesen Standard-Mythos eigentlich nicht mehr so richtig ernst nehmen. "Eventuell geht da eine Epoche zu Ende."

Rezept zwei: Die Fans erwarten laut Söffner gar nicht, dass Gutes passiert, dass sich alles zum Guten wendet. Im Gegensatz zur herkömmlichen Fantasy werde man ständig enttäuscht. Es gebe nur gebrochene Charaktere, die Figuren scheitern. Eine Erlösung gebe es nicht. Martin schlage alle üblichen Fantasy-Strukturen kaputt. "Und er tut das innerhalb einer Fantasy-Geschichte." Das Ergebnis: ständige Enttäuschung, aber auch ständige Hoffnung.

Rezept drei: Die Länge. "Wir leben in einer Zeit der Langerzählung", sagte Söffner. Zwar würden alle sagen, sie hätten keine Zeit - aber die Erzählungen würden richtig lang. "Es geht nicht darum, sich kurz irgendwas erzählen zu lassen. Sondern darum, in eine Erzählung hereinzuwachsen - und durch sie eine Haltung zum Leben zu gewinnen." dpa
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