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Wegen Vogelgrippe: Die Festtagsgans wird dieses Jahr deutlich teurer

Die Vogelgrippe hat in den Ställen gewütet. Der Verbraucher muss für das Festessen zum Martinstag und zum Weihnachtsfest tiefer in die Tasche greifen.
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Die Vogelgrippe hat in den Ställen gewütet. Der Verbraucher muss für das Festessen zum Martinstag und zum Weihnachtsfest tiefer in die Tasche greifen.    Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Die Vogelgrippe hat in den Ställen gewütet. Der Verbraucher muss für das Festessen zum Martinstag und zum Weihnachtsfest tiefer in die Tasche greifen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Darf's ein bisserl mehr sein? Die Frage an der Metzger-Theke wird sich heuer auch für viele stellen, die beim Züchter oder im Supermarkt eine Festtagsgans kaufen wollen. Das "bisserl mehr" bezieht sich in diesem Fall allerdings auf den Preis: Bis zu 20 Prozent mehr muss der Verbraucher für die Weihnachtsgans hinlegen.

"Die Preise für den Endverbraucher liegen in dieser Saison deutlich heuer als 2016", meldet das Informationsportal "Marktinfo Eier und Geflügel" des Eugen-Ulmer-Verlags in Stuttgart. Der Verlag gibt mehrere Fachzeitschriften heraus und fragt regelmäßig deutschlandweit die Daten zum Markt ab.

Und der wurde heuer, was die Geflügelhalter (und natürlich auch das Geflügel) betrifft, arg gerupft: Das Dauerproblem der Vogelgrippe, der Preiskampf der Discounter und schließlich der Skandal um Fipronil im Ei sorgten für schwierige Rahmenbedingungen, und insbesondere viele Große der Branche mussten Federn lassen.

Angesichts dieser Probleme mauserte sich der regionale Markt für viele Verbraucher zum Einkaufsziel erster Wahl. "Der Wunsch bei den Verbrauchern, wieder einen persönlichen Bezug zu den Lebensmitteln zu finden, wächst", sagt ein Sprecher der Initiative "Natürlich von hier" aus dem Landkreis Haßberge, eine der vielen fränkischen Organisationen, die die Arbeit der Selbstvermarkter unterstützen - auch im Stall.

Was viele nicht wissen dürften, belegen Zahlen: Der deutsche Geflügel-Markt ist ein Importmarkt. Deutsche Erzeuger exportieren nach den Daten des Statistischen Bundesamtes jedes Jahr knapp 700 000 Tonnen Geflügel-Fleisch, im Gegenzug werden aber mehr als 800 000 Tonnen Hähnchen, Pute und Ente eingeführt.

Besonders groß ist die Diskrepanz bei der Gans: "Der Selbstversorgungsgrad lag 2016 bei nur 13,7 Prozent", weiß der Ulmer-Verlag. Von den 28 000 Tonnen Gans, die in deutschen Backöfen jedes Jahr schmoren, sind nur etwa 3000 Tonnen "Made in Germany", der große Rest kommt aus Osteuropa.
In den wichtigen Gänse-Ländern hat es durch die Vogelgrippe besonders starke Einbußen gegeben. "Weniger Muttertiere ließen die Preise der Küken steigen, und das wird an den Endverbraucher weitergegeben", analysieren die Experten der "Marktinfo Geflügel".

Die Folge: Verbraucher, die direkt beim Erzeuger eine frische deutsche Gans kaufen, müssen heuer mit durchschnittlich 12,63 Euro je Kilogramm 24 Cent mehr ausgeben als im Vorjahr. Die gemeldete Preisspanne reichte von 9,00 bis 15,50 Euro.

Wer bei fränkischen Direktvermarktern kauft, wird keinen großen Unterschied merken: Sie rangieren mit ihren Qualitätsprodukten generell eher in höheren Preisregionen, und mit den jährlichen moderaten Preissteigerungen geben die Landwirte in der Regel die steigenden Erzeugungspreise weiter. Der Festbraten sollte das wert sein.

Deutlich günstiger ist die Tiefkühlware aus dem Supermarkt: Bei Aktionen bekommt man hier das Kilo Gans teilweise schon für weniger als fünf Euro. Ente gut, alles gut?
 

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