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Bahn und Gewerkschaft EVG ringen um neuartiges Tarifsystem

Gut ein Jahr nach Ende des vergangenen, schweren Tarifkonflikts verhandelt die Bahn wieder mit beiden Gewerkschaften im Staatskonzern. Die Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft fordert nun neue Wahlrechte - und dringt auf Ergebnisse bis Weihnachten.
Abfahrt: Ein Bahnmitarbeiter hebt seine Kelle und zeigt einem Lokführer «Grün» an. Foto: Susann Prautsch/Archiv
 

Zum Auftakt der neuen Tarifrunde mit der Bahn hat die Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft (EVG) ihre Forderung nach einem neuartigen Tarifsystem für die rund 100 000 Beschäftigten unterstrichen.

Die EVG fordere nicht nur 4,5 Prozent mehr Gehalt, sondern erstmals ein Wahlrecht für die Mitglieder, sagte Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba. Sie sollten entscheiden können, ob sie sechs Tage mehr Urlaub im Jahr, eine Stunde weniger Wochenarbeitszeit oder weitere 2,5 Prozent mehr Geld haben wollen. «Das ist einmalig und zeitgemäß», sagte sie.

Ziel der Verhandlungen seien nicht die Bahn-Kunden, erklärte Rusch-Ziemba. «Wir wollen jetzt nicht in den Arbeitskampfmodus gehen.» Bis Weihnachten seien drei Gesprächsrunden angesetzt. «Spätestens dann sollten wir Klarheit darüber haben, ob wir ein Ergebnis am Verhandlungstisch erzielen können.» Streiks schloss sie indes nicht aus. «Wenn nötig sind wir zu allem entschlossen.»

Die Deutsche Bahn werde die Forderungen bis zum nächsten Verhandlungstermin am 9. November auf Machbarkeit für den Bahnbetrieb prüfen und im Einzelnen bewerten, teilte der Konzern nach ersten Gesprächen am Nachmittag mit. «Kunden- und Mitarbeiterinteressen in Einklang mit der wirtschaftlichen Lage zu bringen, ist unsere Verantwortung am Verhandlungstisch», sagte Personalvorstand Ulrich Weber.

Die EVG erklärte, sie erwarte schon bei der nächsten Verhandlungsrunde in Berlin konkrete Vorschläge der Bahn. Auch wenn der Konzern versucht habe, den Eindruck zu erwecken, dass die wirtschaftliche Lage der Bahn nur wenig Verteilungsspielräume biete, rücke die Gewerkschaft keinesfalls von ihrer Forderung ab.

Parallel verhandelt die Bahn seit etwa einer Woche mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Während sie auf das Zugpersonal beschränkt ist, vertritt die EVG alle Beschäftigtengruppen. Beide Gewerkschaften konkurrieren beim Zugpersonal. Das hatte die letzte Tarifrunde so kompliziert gemacht. Mit neun Streiks der GDL war es der härteste Tarifkonflikt in der Geschichte der Bahn. Wie schon 2015 muss sie nun wieder getrennte Verhandlungen führen, will aber inhaltsgleiche Tarifverträge abschließen.