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Wildschweine

Jagdverband: Schneisen in Maisfeldern für Wildschweinjagd nötig

Der Bauernverband fordert den Abschuss von mehr Wildschweinen. Der Jagdverband kontert: Dafür sei die Unterstützung durch Landwirte gefragt.
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Der schleswig-holsteinische Bauernverband fordert wegen der in Polen und Tschechein nachgewiesenen Schweinegrippe Maßnahmen. Symbolbild: Uli Deck/dpa
Der schleswig-holsteinische Bauernverband fordert wegen der in Polen und Tschechein nachgewiesenen Schweinegrippe Maßnahmen. Symbolbild: Uli Deck/dpa
Der Deutsche Jagdverband (DJV) fordert mehr Schneisen vor allem in Maisfeldern für höhere Abschusszahlen bei Wildschweinen. Solche 15 bis 20 Meter breiten Streifen in den Feldern erleichterten die Jagd erheblich, sagte Torsten Reinwald, Sprecher und stellvertretender Geschäftsführer des Verbandes, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Schon bei der bevorstehenden Aussaat im Frühjahr sollten Landwirte gezielt Jagdschneisen mit Wildkräutern statt Mais anlegen.

Wegen der Afrikanischen Schweinepest, die in Polen und Tschechien kursiert und auf Deutschland überzugreifen droht, appellierte der Verband an Jäger, vor allem junge Wildschweine zu erlegen. Diese trügen maßgeblich zur Fortpflanzung bei. "Noch ist das Virus nicht in Deutschland, doch je weniger Wildschweine pro Fläche leben, desto geringer ist im Ernstfall zumindest über Wildtiere die Ausbreitungsgefahr", erklärte DJV-Präsidiumsmitglied Wolfgang Bethe.

Im zurückliegenden Jagdjahr erlegten Deutschlands Jäger 589 417 Wildschweine oder fanden sie verendet auf (4 Prozent), wie der DJV mitteilte. "Das ist der vierthöchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1930er Jahren." Derzeit liege der Bestand im Frühjahr bei schätzungsweise 300 000 bis 450 000 erwachsenen Wildschweinen, sagte Reinwald.

Der Bauernverband fordert den Abschuss von 70 Prozent der Wildschweine in Deutschland. Der Vizepräsident des Bauernverbandes, Werner Schwarz, sagte der "Rheinischen Post" (Freitag), dafür müsse auch die Tötung von Muttertieren und Frischlingen erlaubt werden. Agrarminister Christian Schmidt (CSU) stimmte dem zu. "Eine intelligente Reduzierung des Wildschweinbestandes spielt eine zentrale Rolle bei der Prävention", sagte er. Um das Ziel der Bestandsreduzierung zu erreichen, müssten auch die Schonzeiten für Wildschweine aufgehoben werden.

Die Politik sei gefragt, betonte Torsten Reinwald vom Jagdverband. Derzeit legten viele Landwirte wegen bürokratischer Hürden keine Jagdschneisen an. Würden auf den Streifen Wildkräuter ausgesät und Ende Juli für Biogasanlagen geerntet, bringe das Landwirt, Jäger, Brutvögeln und Insektenvielfalt etwas. "Die Wildschweine gehen Ende Juli in den Mais, dann helfen die kahlen, hellen Streifen beim Abschuss", erklärte Reinwald. Die Streifen gälten aber nicht mehr als ökologische Vorrangflächen, wenn sie abgeerntet würden. Zudem müssten Landwirte die Gesamtfläche solcher parallel oder kreuzförmig angelegten Jagdschneisen oftmals exakt angeben, was viel Rechnerei bedeute. "Die Politik muss da Lösungen präsentieren."

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hatte in einer Bewertung zur Verringerung des Risikos einer Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest ebenfalls empfohlen, die Wildschweinbestände drastisch zu reduzieren. Die Gefahr einer Einschleppung nach Deutschland ist angesichts neuer Fälle in Polen und Tschechien weiter hoch. Der Erreger ist für den Menschen ungefährlich. Bei Haus- und Wildschweinen verläuft die Erkrankung in fast allen Fällen tödlich. Es gibt keinen Impfstoff gegen die Seuche.

Aus Sicht der Umweltschutzorganisation WWF ist die starke Zunahme beim Schwarzwild und damit auch das erhöhte Risiko für die Viruskrankheit hausgemacht. "Seit der Anbau von Mais und Raps in Deutschland stark zugenommen hat, kommen die Jäger bei den Wildschweinen nicht mehr hinterher", erklärte WWF-Wildtierexperte Moritz Klose kürzlich. "In den Mais- und Rapswüsten fühlen sich die Schwarzkittel besonders wohl, dort finden sie jede Menge energiereiches Futter und gute Deckung. Obwohl jährlich mehr als eine halbe Million Wildschweine erlegt werden, wächst ihre Zahl daher kontinuierlich."

Der Siegeszug der Wildschweine sei ein europäisches Phänomen, sagte Torsten Reinwald vom Jagdverband. Auch er sieht den Wandel in der Landwirtschaft als wichtigen Faktor. "Der Getreideertrag pro Fläche ist heute fast dreimal so hoch wie vor etwa 60 Jahren. Das bedeute dreimal mehr kalorienreiches Futter für Wildschweine. "Zudem hat sich die Anbaufläche von Raps und Mais um etwa das 26-Fache vergrößert."

Der Bauernverband wollte am Freitag in Berlin mögliche Präventionsmaßnahmen vorstellen.
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