Die Gameshows der 90er Jahre waren eng verwachsen mit ihren Moderatoren: Beim "Familienduell" machte Werner Schulze-Erdel weiße Socken zu seinem Markenzeichen, bei "Geh aufs Ganze" bot Jörg Draeger 1000 Mark für einen grünen Umschlag. Und bei "Der Preis ist heiß" ließen Harry Wijnvoord und Walter Freiwald schätzen, was eine Packung Reis kostet - bis 1997.

Nun kehrt der Klassiker zurück ins Fernsehen (ab 9. Oktober, täglich 17.45 Uhr, RTLplus), und aus Wijnvoord und Freiwald werden Wolfram Kons (53) und Thorsten Schorn (41). Im Interview der Deutschen Presse-Agentur sprechen sie darüber, ob das Konzept überhaupt noch funktioniert, Ratschläge von Markus Lanz (48) und die eigene Schnäppchenjagd.


Der Unterschied zu anderen Gameshows


Frage: Kaum eine Show repräsentiert die 90er so sehr wie "Der Preis ist heiß": Eine Kult-Show, aber auch ein recht skurriles Fernseh-Artefakt. Funktioniert so ein Konzept heute überhaupt noch?

Wolfram Kons: Es gibt inzwischen so viele Shows, bei denen du besonders sportlich, besonders schlau oder besonders abgezockt sein musst. Da ist "Der Preis ist heiß" anders. Wir haben hier ganz normale Menschen. Sie freuen sich bei uns auch mal über einen Dönergrill mehr als in anderen Shows, in denen sie 100 000 Euro gewinnen könnten. Weil es ein Hier-und-Jetzt-Moment ist. Ein bisschen so, wie wenn man auf der Kirmes einen Preis geschossen hat.

Thorsten Schorn: Wir leben in einer schnellen Zeit. Die führt auch zu einer Sehnsucht nach der vermeintlich guten alten Zeit. Die Menschen leben in topmodernen, aufgestylten Wohnungen und machen dann aber einen Spieleabend mit Klassikern wie "Monopoly" und "Mensch ärgere Dich nicht". Und so gibt es auch bei uns nigelnagelneue Autos in einem topmodernen Studio, aber wir spielen wieder "Plinko" und "Absturz" mit dem Kraxlhuber, wie man es von "Der Preis ist heiß" von früher kennt.

Frage: Wie gefährlich ist es, dabei in die Ironie-Falle zu tappen?

Wolfram Kons: Ironie ist nicht unsere Farbe. Wir nehmen die Kandidaten ernst bei ihrem vielleicht einzigen TV-Auftritt ihres Lebens. Ihre 15 Minuten Berühmtheit im Sinne von Andy Warhol. Und das soll ihnen, den Zuschauern und uns allen im Studio Spaß machen. Nicht mehr und nicht weniger. Natürlich ist es lustig, wenn ein Kandidat am Ende einen Katzenkratzbaum gewinnt. Und wir verwenden natürlich Zitate von damals. Ein neues Auto ist hier nicht einfach ein neues Auto. Es muss ein "nigelnagelneues" Auto sein.


Die Moderatoren über ihre neue Aufgabe



Frage: Sie beerben Harry Wijnvoord und Walter Freiwald. Wie fühlt sich das an?

Thorsten Schorn: Heute wie damals gilt: Das Spiel ist der Star. Wir Moderatoren sind nur wie der Puderzucker auf einem Kuchen. Es gab vor uns andere, die die Show erfolgreich moderiert haben. Und es wird auch nach uns sicher welche geben, die das tun.

Frage: Was schoss denn durch den Kopf, als Sie die Anfrage bekamen?

Wolfram Kons: Der Senderchef von RTLplus, Jan Peter Lacher, und ich pflegen seit Jahren einen freundschaftlichen Austausch in der RTL-Kantine. Mittags bei einem Teller Nudeln fragte er mich dann, ob ich mir eine Sendung bei RTLplus vorstellen könnte. Ich dachte zuerst, es soll ein Quiz werden, bei dem ich mit meinen Mega-Wissen brillieren kann. Aber so sieht er mich offenkundig nicht (lacht). Ich habe dann etwas überlegt und eine Handvoll sehr verschwiegene Leute gefragt. Zuerst meine Frau, dann auch einen meiner besten Freunde, Markus Lanz. Eine Mehrheit hat am Ende gesagt: Mach das, das ist Kult, Du wirst Spaß haben. Die Begriffe, die immer fielen, waren "Kult, Klassiker, Kons - klasse!" Und sie hatten recht. Bei dieser Produktion kommst Du ins Studio mit einem Lächeln und gehst mit einem Lachen.

Frage: Könnten Sie das eigentlich selbst? Preise schätzen?

Thorsten Schorn: Ja, ich glaube, ich wäre selber ein guter Kandidat. Wenn am Wochenende Prospekte als Beilage in der Zeitung liegen, gucke ich da rein. Was kostet wie viel? Ich finde, dass das zu einer Wirtschaftskompetenz gehört, die jeder drauf haben sollte. Schon als Kind bin ich immer gerne mit meiner Mutter in den Supermarkt gefahren. Wobei es meistens verschiedene Supermärkte waren. Im einen waren die Nudeln günstiger, beim anderen die Tomaten.

Fragen: Dann können Sie sicherlich die Frage parieren, vor der jeder Bundeskanzler zittert: Was kostet heute ein Pfund Butter?

Thorsten Schorn: Ich esse eher Frischkäse als Butter.


Mehr zu den neuen Moderatoren:

Wolfram Kons (53) war für RTL schon in vielen verschiedenen Rollen im Einsatz - vor allem kennt man ihn als Moderator des Morgenmagazins "Guten Morgen Deutschland" und des "RTL-Spendenmarathons". Auch privat läuft der Düsseldorfer gerne Marathon. Einer seiner beiden Söhne heißt wie er: Wolfram junior.

Thorsten Schorn (41) hat einst schon als Praktikant bei "Der Preis ist heiß" gejobbt. Heute kennt man ihn als Reporter bei "Stern TV" und "Zimmer Frei!". Zudem dürfte vielen die Stimme des gebürtigen Kölners vertraut sein: Er moderiert beim Radiosender WDR 2 und kommentiert aus dem Off die Vox-Sendung "Shopping Queen".

Ab Montag, 9. Oktober läuft die Kultshow wieder bei RTL.