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Allerheiligen und Co.

Tanzen verboten: Das sind die stillen Feiertage im November

Allerheiligen, Volkstrauertag, Totensonntag, Buß- und Bettag: Im November gibt es vier stille Feiertage. Welche Regelungen gelten? Und warum?
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Allerheiligen, Volkstrauertag, Totensonntag, Buß- und Bettag: Im November gibt es vier stille Feiertage. Symbolfoto: Fotolia
Allerheiligen, Volkstrauertag, Totensonntag, Buß- und Bettag: Im November gibt es vier stille Feiertage. Symbolfoto: Fotolia
Ein 18 Jahre alter Franke fährt Ende Oktober zu einem Freund nach Bremen. Am Abend kommen viele Gäste, der Großteil verkleidet (Halloween). Um ein Uhr nachts sagt der Gastgeber: "Lass uns noch in den Club gehen!". Der Franke: "Lohnt sich das noch? Ist doch jetzt Tanzverbot, wegen Allerheiligen." - Die meisten fangen das Lachen an und halten es für einen Scherz. Bis dem Gastgeber, einem Ex-Franken, die Erkenntnis kommt: "Ach ja stimmt, du lebst ja in Bayern." Das Gelächter nimmt zu. Der Franke ist still und denkt zum ersten Mal darüber nach, warum manche Bundesländer ihren Bürgern das Tanzen verbietet.


Meist religiöser Hintergrund

Bestimmte Tage, an denen Tanzen aus religiösen, traditionellen oder sittlichen Gründen als unangemessen gilt, hat es in den meisten Kulturen gegeben. Im christlichen Kulturkreis besonders die Karwoche (Trauerzeit vor Ostern) und Tage,an denen den Toten gedacht wird; etwa das katholische Gedächtnis Allerheiligen und Allerseelen (1. und 2. November), der protestantische Totensonntag (letzter Sonntag vor dem ersten Advent) und der staatliche Volkstrauertag (eine Woche vor dem Totensonntag). In Deutschland wurden auch während des Ersten und Zweiten Weltkrieges öfters Tanzverbote verordnet.

Übrigens: Trotz Fundamentalisten wie den Taliban, die bei der Eroberung Afghanistans den Menschen selbst die Musik verboten haben, kennt die muslimische Religionsgemeinschaft eigentlich gar keine stillen Feiertage: Die beiden hohen Feste, das Ramadanfest und das Opferfest, sind Tage des Feierns und nicht des stillen Gedenkens. Auch die jüdische Gemeinschaft kennt kein Tanzverbot, sondern feiert selbst am Trauertag "Purim" lieber laut und ausgelassen.


Andere Bundesländer, andere Sitten

Immer wieder steht zur Diskussion, ob Tanzverbote in der heutigen Zeit noch angemessen sind. Befürworter äußern, dass es zur Kultur gehöre, dass wir ein christlich geprägtes Land seien und dass man den religiösen Menschen die stille Trauerfeier ebenso zugestehen müsse, wie man andererseits das ausgelassene Feiern etwa an Silvester toleriere. Gegner sagen, dass die Menschen ja zu Hause bleiben könnten, wenn sie es ruhig haben möchten, man aber nichtreligiösen oder nichtchristlichen Menschen nicht die Freude per Gesetz verbieten dürfe. Welchen Argumenten man auch persönlich mehr zugeneigt sein mag: Bis heute gibt es in jedem Bundesland stille Feiertage und damit Tanzverbote.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Feiertagsregelung Ländersache. Und die Bundesländer gehen sehr unterschiedlich damit um. Am seltensten dürfen die Hessen tanzen: An 15 stillen Feiertagen im Jahr herrscht dort ein Verbot. Berlin und Bremen sind mit je drei Tagen ohne Tanz die liberalsten Länder in dieser Beziehung. In Berlin gilt das Verbot jeweils von 4 bis 21 Uhr, in Bremen nur von 6 bis 17 Uhr (bis 21 Uhr am Karfreitag). Das bedeutet: In der Nacht zuvor darf in Berlin bis vier, in Bremen bis sechs Uhr gefeiert und getanzt werden. Bayern hat neun Feiertage mit Tanzverbot im Jahr (ganztägig am Karfreitag und Karsamstag, sonst meist von 2 bis 24 Uhr).

Zudem gibt es einige Sonderregelungen: So gilt beispielsweise in Bayern am Karfreitag über das allgemeine Tanzverbot hinaus ein generelles Verbot musikalischer Darbietungen jeglicher Art. Im Gegensatz dazu beginnt in Berlin alljährlich am Karfreitag ein großes Tanzsportturnier.


Vier stille Feiertage im November in Bayern - Was ist wann verboten?

Die Feiertage Tage "Allerheiligen" (1. November), "Volkstrauertag" (19. November) und "Totensonntag" (26. November) gelten nach dem Bayerischen Feiertagsgesetz als sogenannte "stille Tage". An diesen sind öffentliche Veranstaltungen nur dann erlaubt, "wenn ein entsprechend ernster Charakter gewahrt ist", schreibt die Stadt Bayreuth in einer Pressemitteilung. "Verboten sind damit nicht nur Tanzveranstaltungen, sondern auch der Betrieb von Unterhaltungsunternehmen, wie beispielsweise Spielhallen. Sportveranstaltungen sind erlaubt."

Der Schutz der "stillen Tage" beginnt um 2 Uhr und endet um 24 Uhr. Auch öffentliche Arbeiten etwa auf Baustellen, die die Feiertagsruhe stören, sind verboten.

Am Buß- und Bettag (22. November) sind darüber hinaus auch Sportveranstaltungen verboten. Zusätzlich werden an diesem Feiertag die Gottesdiensteit besonders geschützt: "Während der ortsüblichen Zeit des Hauptgottesdienstes von 7 bis 11 Uhr ist jeglicher vermeidbare Lärm in der Nähe von Kirchen und sonstigen Gotteshäusern verboten, soweit er den Gottesdienst stört" heißt es in der Pressemitteilung.


Was wird gefeiert?

Allerheiligen: Der stille Feiertag am ersten November ist, wie der Name vermuten lässt, dem Gedenken an die Heiligen gewidmet. An Allerheiligen besuchen außerdem so viele Menschen wie an keinem anderen Tag im Jahr die Gräber ihrer Verstorbenen und beten dort für diese. Der Ursprung dieses christlichen Fests geht zurück bis ins vierte Jahrhundert. Damals wurde der Märtyrer gedacht, also der Christen, die für ihren Glauben gestorben sind. Inhaltlich verweist Allerheiligen auf das Osterfest: Gefeiert wird das neue, himmlische Leben, in das die Heiligen gelangt sind und das allen Christen verheißen ist. In der religiösen Praxis ist das Gedächtnis der Verstorbenen, das eigentlich erst am Allerseelentag begangen wird, dennoch Teil von Allerheiligen. Traditionell nutzen viele Menschen den Feiertag für einen nachmittäglichen Besuch auf dem Friedhof. Die Gräber werden hierfür geschmückt und Lichter auf ihnen entzündet. An vielen Orten finden Gräbersegnungen statt, und es wird in Gemeinschaft auf dem Friedhof der Rosenkranz für die Verstorbenen gebetet.

Der Allerseelentag am 2. November verschwindet zunehmend aus der öffentlichen Wahrnehmung. Er geht zurück auf Abt Odilo vom französischen Kloster Cluny. Dieser setzte im Jahr 998 das Gedenken aller verstorbenen Gläubigen für alle seinem Kloster unterstellten Klöster auf diesen Tag an. Die Kirche empfiehlt, in der Zeit vom 1. bis zum 8. November besonders für die Verstorbenen zu beten. (Quelle: Ordinariat Würzburg).

Volkstrauertag: Der staatliche Feiertag wird seit dem Jahr 1952 zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag begangen und erinnert an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen. In diesem Jahr fällt er auf den 19. November.

Buß- und Bettag: Der evangelische Feiertag hat seinen Ursprung in Notzeiten: Die Gläubigen wurden angesichts von Gefahren und Katastrophen zu Reue, Umkehr und Hinwendung zu Gott durch das Gebet aufgerufen. Ende des 19. Jahrhunderts einigte man sich auf einen festen Tag: Den Mittwoch vor dem Totensonntag (in diesem Jahr am 26. November). Nach der Wiedervereinigung 1990 war er gesetzlicher Feiertag in ganz Deutschland. Im Jahr 1995 wurde er jedoch in allen Bundesländern außer Sachsen als arbeitsfreier Tag abgeschafft; um den Arbeitgebern wegen der neu eingeführten Pflegeversicherung entgegenzukommen.

Totensonntag: Der evangelische Gedenktag für die Verstorbenen fällt auf den letzten Sonntag vor dem ersten Advent - also den letzten Sonntag des Kirchenjahres (2017 am 26. November). Traditionell thematisiert die Religionsgemeinschaft an diesem Tag auch das "Jüngste Gericht" und das ewige Leben.
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