Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Psyche

Stress in der Arbeit: Was tun Unternehmen für die seelische Gesundheit?

Für das körperliche Wohlbefinden der Mitarbeiter tun Unternehmen mittlerweile viel, aber wie sieht es mit der seelischen Gesundheit aus?
Für das körperliche Wohlbefinden der Mitarbeiter tun Unternehmen mittlerweile viel, aber wie sieht es mit der seelischen Gesundheit aus? Foto: Oliver Berg/dpa
 
Dass bei der einst so majestätisch anmutenden Deutschen Bank einiges im Argen liegt, überrascht längst niemanden mehr. Trotz Fortschritten bei der Aufklärung der Eklats kommen immer wieder neue, prekäre Details ans Tageslicht. Auch um die Stimmung im eigenen Haus scheint es nicht zum Besten bestellt zu sein. Die jüngste Mitarbeiterbefragung, bei der nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" immerhin rund 37. 000 der knapp 100.000 Beschäftigten des Geldhauses teilnahmen, hat zutage gefördert, dass drei von vier Mitarbeitern um ihren Job bangen. Nur noch knapp die Hälfte ist stolz darauf, für Deutschlands größtes Geldhaus tätig sein zu dürfen.

Immerhin: Die Führung der Deutschen Banm den Vorstandsvorsitzenden John Cryan setzt auf das Instrument der Mitarbeiterumfrage und macht die Ergebnisse hinterher sogar öffentlich. Ob das Management darauf aufbauend auch die richtigen Maßnahmen trifft, lässt sich von außen nur schwer beurteilen.

"Wenn man intern etwas ändern will, sollte eine Befragung der eigenen Belegschaft in jedem Fall am Anfang stehen, bei kleinen Mitarbeiterzahlen besser im Rahmen von Workshops", sagt Jürgen T. Knauf, der Würzburger Geschäftsführer der Scopar GmbH, die er vor zwölf Jahren gegründet hat. Das Unternehmen hat sich nach eigenem Verständnis auf die ganzheitliche Beratung größerer und kleinerer Betriebe spezialisiert. "Wir sehen Unternehmen, vor allem aber den Menschen als Dreiklang aus Körper, Geist und Seele. Sobald ein Bereich nicht richtig funktioniert, bleibt der Mitarbeiter teils deutlich hinter seiner Leistungsfähigkeit zurück, etwa weil er innerlich gekündigt hat."


Wie steht es um die seelische Frische?

Für das körperliche Wohlbefinden werde mittlerweile sehr viel getan, so Knauf, der Präsident des Golfclubs Kitzingen und mit der Unternehmerfamilie Knauf weder verwandt noch verschwägert ist. In größeren Konzernen ist es häufig eine ernährungsbewusst geführte Kantine oder ein eigener Fitnessraum, in kleineren vielleicht ein stets vorrätiger Obstteller oder eine Laufgruppe.

Anders sieht es bei der geistigen und seelischen Frische aus. Unter Ersterer versteht Knauf die Fähigkeit, betriebliches Wissen aufzubauen, anzuwenden und nicht zuletzt auch kreativ und innovativ zu sein. Das sei gerade am Wissensstandort Deutschland zukunftsweisend. "Der seelische Bereich deckt eher das psychische Wohlbefinden ab - beispielsweise, dass die Arbeit Sinn stiftet, der Mitarbeiter motiviert ist und sich zugehörig fühlt", erläutert der 52-jährige Vater eines Sohnes. Doch genau daran mangele es allzu oft - mit verheerenden Folgen für das Unternehmen und die Volkswirtschaft.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt hat sich längst des Betrieblichen Gesundheitsmanagements angenommen. Sie bietet in Kooperation mit dem sogenannten Rhön Saale Gründer- und Innovationszentrum in Bad Kissingen den Lehrgang zum Gesundheitsmanager an. "Wir haben Teilnehmer aus ganz Bayern, überwiegend aus dem Personalbereich", sagt Doris Kunkel, Beraterin für Weiterbildung bei der IHK in Schweinfurt. "Viele Betriebe sind schon dafür sensibilisiert, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu fördern. Allerdings stellen wir in konjunkturell guten Zeiten wie diesen fest, dass das Interesse an solchen Lehrgängen sinkt."


Erschöpfungszustände spielen große Rolle

Die Unternehmen würden da offensichtlich andere Prioritäten setzen. "Dabei ist ein Betriebliches Gesundheitsmanagement im Wettbewerb um junge Fachkräfte, aber auch bei der Arbeitskraftpflege von älteren Menschen ein großes Plus", weiß Kunkel. Der nächste Kurs zum Gesundheitsmanager soll im November starten. "Statistiken der Fehltage gibt es zuhauf. Die Kosten des Absentismus lassen sich relativ eindeutig berechnen", erklärt Knauf. "Doch noch schlimmer ist der sogenannte Präsentismus. Mitarbeiter sind körperlich zwar anwesend, mit ihren Gedanken aber ganz woanders. Im schlimmsten Fall bahnt sich eine Depression oder ein Burnout an."

Solche anhaltenden Erschöpfungszustände sind längst beständige Krankheitsbilder einer sich immer schneller drehenden Arbeitswelt geworden. In den jüngsten Gesundheitsreports der Krankenkassen DAK (circa 5,8 Millionen Versicherte) und Techniker (9,9 Millionen) spielen sie wieder einmal eine bedeutende Rolle.

Der Gesetzgeber hat schon länger auf die gestiegenen Fallzahlen psychischer Erkrankungen reagiert, wenn auch halbherzig. So hat er 2013 in den Paragrafen 5 des Arbeitsschutzgesetzes, der ohnehin eine Gefährdungsbeurteilung des jeweiligen Arbeitsplatzes fest vorschreibt, noch einen zusätzlichen Passus aufgenommen, der auch die psychischen Belastungen bei der Arbeit mit einbezieht.


Jeder Betrieb muss Belastung der Mitarbeiter im Blick haben

Nach Aussage von Oliver Walle von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement auf dem Haufe-Onlineportal sind viele Unternehmen erst am Anfang oder höchstens in der Umsetzungsphase. Essentiell ist nach Walles Ansicht, die Bestimmung der Grenzwerte, also die Frage danach, ab wann eine erfasste psychische Belastung als gelb oder sogar rot eingestuft wird. "Das Schwierige ist", sagt Knauf, "dass die Innenwelt sehr individuell ist. Der eine kommt mit einem hohen Arbeitspensum zurecht, der andere nicht. Der eine kann sein Privatleben im Job ausblenden, der andere nicht."

Auch kontrolliert und bestraft der Gesetzgeber kaum, wenn ein Arbeitsplatz zum ständigen Stressverursacher wird. Trotzdem müssen nicht nur Konzerne wie die Deutsche Bank oder Volkswagen, sondern auch jeder Kleinstbetrieb dafür Sorge tragen, dass die Belastung für jeden einzelnen Mitarbeiter nicht zu groß und damit krankheitsverursachend wird.

Das Eigeninteresse sollte dabei eigentlich hoch genug sein. "Körperlich, geistig und seelische gesunde Mitarbeiter sind schließlich auch für Unternehmer und Vorgesetzte überlebenswichtig. Denn sie beeinflussen den Firmenerfolg maßgeblich. In der Realität wird stattdessen der Fokus meist auf die Optimierung von Prozessen, Maschinen und der EDV gelegt", sagt Scopar-Geschäftsführer Knauf. Jobkahlschläge als Reaktion auf einen Umbruch seien in den allermeisten Fällen der falsche Weg und führten nur zu noch mehr Unsicherheit unter den Beschäftigten - siehe auch das Beispiel Deutsche Bank. Erfolgversprechender sei dagegen der frühzeitige Aufbau eines ganzheitlichen Gesundheitsmanagements, getreu dem Motto: Gesunde Menschen - erfolgreiche Unternehmen.

Von unserem Mitarbeiter Jörg Rieger
Newsletter kostenlos abonnieren