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Medizin

Strenge Regeln: Wer darf eigentlich Blut spenden?

Ein Drittel der Menschen in Bayern ist irgendwann auf eine Blutspende angewiesen. Doch für Spender gelten strenge Regeln.
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In der Ferienzeit tut sich das Rote Kreuz schwer, genügend Blutspender zu finden. Die Richtlinien für freiwillige Spender haben sich vor kurzem geändert. Foto: David Ebener, dpa
In der Ferienzeit tut sich das Rote Kreuz schwer, genügend Blutspender zu finden. Die Richtlinien für freiwillige Spender haben sich vor kurzem geändert. Foto: David Ebener, dpa
Die Ferienzeit ist für den Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes eine schwierige Phase: "Zur Sommerzeit bleiben mehr Spenderliegen leer als zu anderen Zeiten im Jahr", sagt Geschäftsführer Georg Götz. Viele Menschen seien verreist, die bayerischen Kliniken bräuchten aber kontinuierlich 2000 Blutkonserven täglich.
Jeder Dritte in Bayern ist in seinem Leben irgendwann einmal auf eine Blutspende angewiesen. Doch nur sieben Prozent der bayerischen Bevölkerung spenden Blut - also ungefähr jeder Vierzehnte, schätzt das Bayerische Rote Kreuz (BRK). Hinzu kommt, dass nicht jeder, der Blut spenden will, auch spenden darf. Wer folgende Kriterien erfüllt, darf zeitweise oder dauerhaft kein Blut spenden:

Zu jung oder zu alt
Spender müssen mindestens 18 und dürfen maximal 72 Jahre alt sein. Wer zum ersten Mal spendet, sollte nicht älter als 64 Jahre alt sein. Zwischen zwei Blutspenden muss ein Mindestabstand von acht Wochen liegen.

Zu leicht
Wer Blut spenden will, muss mindestens 50 Kilogramm wiegen. Stefanie Skarzik vom BRK-Blutspendedienst erklärt: "Bei einem Gewicht unter 50 Kilo und einer entsprechenden Körpergröße hat man medizinisch gesehen nicht ausreichend Blut, um welches abzugeben." Die Abnahme von knapp 500 Milliliter Blut, worauf das Beutelsystem und alle folgenden Test- und Verarbeitungsschritte ausgelegt sind, "ist für einen zierlichen Körper zu viel und belastet die normale Körperfunktionsfähigkeit".

Bei bestimmten Krankheiten
Dauerhaft vom Blutspenden ausgeschlossen werden Menschen mit Krankheiten wie HIV, Hepatitis B, Creutzfeldt-Jakob, Malaria, Syphilis oder Tuberkulose. Eine Übersicht findet sich auf der Homepage bundesaerztekammer.de. Auch wer schon einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall hatte, darf nicht mehr Blut spenden. "Wer einmal eine schwere körperliche Erkrankung erlitten hat oder an einer schweren chronischen Krankheit leidet, der sollte keinen weiteren körperlichen Belastungen ausgesetzt werden", erklärt Sklarzik.

Schwangere und stillende Mütter
Während ihrer Schwangerschaft sowie sechs Monate nach der Entbindung sollten Mütter kein Blut spenden, um nicht zusätzlich belastet zu werden. Ebenfalls sollten sie darauf verzichten, Blut zu spenden, während sie noch stillen.

Piercings und Tätowierungen
Vier Monate sollten vor der Blutspende vergehen, nachdem sich ein Spender ein Tattoo oder ein Piercing hat stechen lassen. Darunter fällt auch das Stechen eines Ohrlochs. Denn bei sämtlichen kosmetischen Eingriffen, bei denen Haut- oder Schleimhaut verletzt werden, besteht der Bundesärztekammer zufolge das Risiko einer Infektion. "Da nicht sichergestellt werden kann, wo Piercings oder Tätowierung gemacht wurden und ob steriles Einmal-Material verwendet wurde, ist es wichtig, ein Risiko für eine Übertragung mit Hepatitis und HIV auszuschließen", sagt Stefanie Sklarzik.

Nach Zahnarztbesuch
Auch bei einer Zahnarztbehandlung besteht ein Risiko: "Es besteht die Gefahr, dass durch offene Stellen im Mundraum Bakterien ins Blut eingeschwemmt werden", sagt Sklarzik.
Deswegen empfiehlt die Bundesärztekammer eine Spendepause von einer Woche, nachdem ein Zahn gezogen wurde. Zwischen einer professionellen Zahnreinigung und der nächsten Blutspende sollte ein Tag liegen

Sexuelles Risikoverhalten
Menschen mit sogenanntem "sexuellen Risikoverhalten", etwa Leute mit häufigen wechselnden Sexkontakten, Prostituierte, Transsexuelle und homosexuelle Männer, durften bisher gar kein Blut spenden. Die Bundesärztekammer hat das Verbot vor wenigen Tagen gelockert. Für die Betroffenen gilt künftig eine Zwölfmonatsfrist, die sie bis zu einer Blutspende abwarten müssen. Das heißt konkret, dass sie vor einer Blutspende ein Jahr lang keinen Sex haben dürfen. Bisher waren homosexuelle Männer ganz von der Blutspende ausgeschlossen, weil sie statistisch gesehen häufiger an HIV leiden. Einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts zufolge betrafen 2200 von insgesamt 3200 Neuinfektionen im Jahr 2015 Männer, die gleichgeschlechtlichen Sex hatten.

Der Deutschen Aidshilfe geht die Lockerung der Richtlinie dennoch nicht weit genug: "Eine HIV-Infektion kann man heute sechs Wochen nach dem letzten Risiko sicher ausschließen", erklärt Vorstandsmitglied Björn Beck. Eine Frist von einem Jahr schließe hingegen die meisten schwulen und bisexuellen Männer weiterhin unnötig von der Blutspende aus.

Das sieht auch Axel Hochrein, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland, so. Er kritisiert die neue Richtlinie als "wissenschaftlich nicht haltbar". So werde nicht berücksichtigt, dass bei geschütztem Sex ein weitaus geringeres Übertragungsrisiko bestehe. Mit afp, dpa
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