Kassel
Namensgebung

Standesbeamter verhindert teuflischen Namen für Kind

Ein Elternpaar aus Kassel wollte sein Kind Lucifer nennen. Ein Standesbeamter meldete Bedenken an - nun wird daraus nichts.
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Ein Elternpaar aus Kassel wollte sein Kind Lucifer nennen. Ein Standesbeamter meldete Bedenken an - nun wird daraus nichts.  Foto: pixabay
Ein Elternpaar aus Kassel wollte sein Kind Lucifer nennen. Ein Standesbeamter meldete Bedenken an - nun wird daraus nichts. Foto: pixabay
Der Beamte hatte sich geweigert, den außergewöhnlichen Namen zu beurkunden und schaltete das Amtsgericht Kassel zur Klärung ein, wie Gerichtssprecher Matthias Grund am Mittwoch sagte. In einer nicht-öffentlichen Anhörung hätten sich die Eltern schließlich umstimmen lassen - nun werde das Kind Lucian heißen. Zuerst hatte die Hessisch Niedersächsische Allgemeine (HNA) über den Fall berichtet.
Ob der Hintergrund für die Namenswahl eine populäre US-Fernsehserie war, deren Titelheld Lucifer heißt, lasse sich nicht sagen, erklärte Grund. Wörtlich übersetzt bedeute der Name Lucifer nichts weiter als "Lichtträger". Seit dem Mittelalter stehe er jedoch als Synonym für "Satan" und "Teufel" und somit für die Personifizierung des Bösen, sagte Grund. Deswegen hält auch die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) den Namen für problematisch. Sie wird von Standesämtern regelmäßig zur Namensklärung angefragt.
Ein Verbot für Namen gibt es nicht, wie Frauke Rüdebusch von der GfdS erklärte. "Es gibt Richtlinien, aber keine Gesetze. In erster Linie geht es bei solchen Entscheidungen um das Kindeswohl." Der Name darf dem Kind also nicht schaden. Wegen der negativen Assoziationen, die Menschen mit dem Namen Lucifer verbänden, sei dieser nicht für ein Kind geeignet.
Aber auch himmlische Gegenspieler des Teufels haben es schwer: Jesus sei als Vorname in spanischsprachigen Ländern zwar gebräuchlich, in Deutschland jedoch problematisch, da er hier aufgrund der religiösen Tradition stärker tabuisiert sei, erklärte Rüdebusch von der GfdS. Allerdings würden bei der Namensgebung auch die Herkunft der Eltern und die Tradition im jeweiligen Heimatland berücksichtigt.
Über mögliche Probleme eines Vornamens werde in jedem Fall aufgeklärt. In den Niederlanden gebe es beispielsweise den männlichen Vornamen Windel, der sich von Winold ableite und im Deutschen natürlich eine völlig andere Bedeutung habe.
In Deutschland erlaubt wurden schon Vornamen wie Gandalf, Novalis, Magenta, Arizona oder Kastanie. Nicht erlaubt wurden hingegen etwa Borussia, Vespa, Zecke, Schröder oder Dracula. Vermutet ein Standesbeamter, dass der von den Eltern ausgesuchte Vorname das Kindeswohl gefährdet, kann er den Fall von einem Amtsgericht klären lassen, wie Grund sagte. Ob er den Weg zum Gericht wähle, entscheide der Beamte nach eigenem Ermessen.
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