Cluj-Napoca

Kim Bui für Tabea Alt bei Turn-EM: Fünfte

Der Ausfall von Tabea Alt vor dem Mehrkampf-Finale bewegt die deutschen Turnerinnen. Doch Kim Bui sorgt wieder für stahlenden Gesichter. Auch Lukas Dauser feiert einen starken Auftritt.
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Kampfgeist
Kim Bui beendet das Mehrkampf-Finale als Fünfte. Foto: Catalin Soare
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Tabea Alt blieb mit langem Gesicht im Hotelzimmer, doch Kim Bui schloss mit Kampfgeist die von der erkrankten Hoffnungsträgerin gerissenen Lücke.

Als Fünfte im Mehrkampf-Finale der Turn-Europameisterschaften von Cluj-Napoca sorgte sie schon wieder für aufgeheiterte Mienen im deutschen Turn-Lager.

«Tabea ist todtraurig, hätte gern ihr Können unter Beweis gestellt», berichtete Cheftrainerin Ulla Koch von der Entscheidung der Teamleitung, die 17-jährige Ludwigsburgerin eine Stunde vor dem Finale wegen akuter Magen-Darm-Probleme aus dem Wettkampf zu nehmen. «Kim Bui hat einen Super-Wettkampf gezeigt. Gigantisch, Fünfte in Europa zu sein», lobte Koch.

Die 28 Jahre alte Stuttgarterin kam auf 53,499 Punkte und erzielte damit die zweitbeste Platzierung des Deutschen Turner-Bundes in der EM-Geschichte nach dem zweiten Rang von Elisabeth Seitz 2011 in Berlin. Bui bestach vor über 7000 Zuschauern durch Ausgeglichenheit und überzeugte erneut am Stufenbarren (14,033).

Pauline Schäfer, die erst eine Stunde vor Wettkampfbeginn als Alt-Ersatz eingesprungen war, landete mit 48,798 Zählern auf Rang 20. Sie hatte große Probleme am Stufenbarren, konnte aber diesmal am Schwebebalken ihren «Schäfer-Salto» durchturnen und erzielte dort wiederum ein Top-Resultat mit 13,766 Punkten.

Ob Tabea Alt am Sonntag im Finale am Schwebebalken dabei sein kann, ist offen. Am Freitag war sie von der Mannschaftsleitung dafür nicht abgemeldet worden. «Wir müssen erst sehen, wie sie sich am Sonntagmorgen fühlt, und entscheiden dann», sagte Teamchef Sven Karg.

Die schlechte Nachricht der Jüngsten hatte zuvor ein wenig die Freude im Team über die guten Leistungen der Männer getrübt. Lukas Dauser hatte auf der Bodenmatte nach seinem gelungenen Sechskampf bei einem Tänzchen noch entspannt den Pistolero gegeben. Der Unterhachinger wollte seine Freude nach dem siebten Platz im Mehrkampf unbedingt mit den Zuschauern in der Polivalenta Arena teilen. «Ich überlege mir immer wie ich turne, aber nicht, wie ich danach feiere», meinte er schmunzelnd zu seiner spontanen Geste.

Seit dem Sieg von Philipp Boy 2011 in Berlin war kein Deutscher Turner weiter vorn im EM-Sechskampf gelandet als Dauser. Mit 82,199 Punkten gelang ihm «ein echt guter Wettkampf. Natürlich war nicht alles perfekt, aber ich kann mehr als zufrieden sein», bemerkte er strahlend. Und er vergaß auch nicht den Hinweis, dass er im Barren-Finale noch ein ganzes Stück weiter vorn landen möchte.

Dort duelliert er sich als Dritter des Vorkampfes unter anderen mit seinem Vereinsgefährten Marcel Nguyen im Kampf um die Medaillen, der sich im Training an der Hand verletzte und gehandicapt ins Finale geht. «Jetzt will ich die Akkus aufladen und dann am Sonntag die Halle rocken», kündigte Dauser an. Sein Trainingsgefährte Philipp Herder aus Berlin, der im Vorkampf noch knapp vor ihm gelegen hatte, beendete den Sechskampf auf dem zehnten Rang (81,305).

Seinen EM-Titel von 2015 in Montpellier verteidigte Oleg Wernjajew dank 85,866 Punkten mit Erfolg, auch wenn sich der Ukrainer diesmal am Boden einen Sturz erlaubte und am Barren unsicher wirkte. Es war das insgesamt fünfte EM-Gold für den Barren-Olympiasieger. Bei den Frauen ging der Mehrkampf-Titel erstmals in der EM-Geschichte an Großbritannien durch Elissa Downie (55,765), die sich am letzten Gerät gegen die Ungarin Zsofia Kovacs (55,432 Punkte) durchsetzte.

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