Pleinfeld
Segway

Selbsttest Segway: Ich bin dann mal "seg"

Anfangs wurden die Mobilitätshilfen als Spielzeuge für Businessleute belächelt, heute werden sie zunehmend als spaßige Alternative fürs Fahrrad genutzt.
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Ein Helm ist zum Segway-Fahren nicht erforderlich, wird aber von den meisten Anbietern empfohlen. Bei maximal 20 Kilometern pro Stunde hält sich die Gefahr für Sportreporter Daniel Ruppert (Mitte) und die anderen Teilnehmer in Grenzen. Foto: privat
Ein Helm ist zum Segway-Fahren nicht erforderlich, wird aber von den meisten Anbietern empfohlen. Bei maximal 20 Kilometern pro Stunde hält sich die Gefahr für Sportreporter Daniel Ruppert (Mitte) und die anderen Teilnehmer in Grenzen. Foto: privat
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Ist das Sport?, ist mein Gedanke, als ich die ersten Meter auf dem Segway zurückgelegt habe. Ein Schachspieler kommt zwar auch selten ins Schwitzen, benötigt aber sicherlich mehr Konzentration. Ein Formel-1-Fahrer erreicht definitiv höhere Geschwindigkeiten, braucht dafür aber nicht seine Muskelkraft. Ich verschiebe die Antwort auf meine eigene Frage. Abgerechnet wird in zwei Stunden, wenn die Segway-Tour entlang des großen Brombachsees 40 Kilometer südlich von Nürnberg endet.


Das Segway hat kein Gaspedal

Bevor die vierköpfige Gruppe inklusive Führerin starten kann, bedarf es einer Einweisung. "Wie schiebt man da denn an?", staunt eine Passantin gegen Ende der Rundfahrt. Gar nicht: Die rollerartigen Gefährte verfügen weder über ein Gaspedal, noch lassen sie sich wie ein Skateboard per Fuß antreiben. Die größte Hürde lauert schon beim Aufsteigen. "Erst wenn der Lenker völlig gerade ist, erscheint auf dem Podest ein kreisendes grünes Licht und ihr könnt mit dem ersten Fuß drauf", erklärt Vermieter Holger Niemitz. Damit sich der Segway in dieser kritischen Position nicht in Bewegung setzt, gilt es, den Griff gerade zu lassen.

Die Sorgenfalten auf der Stirn des 58-Jährigen und seine scheinbar übertriebene Vorsicht sind nicht seinem mangelnden Vertrauen in unsere Fahrkünste geschuldet, sondern begründen sich in den hohen Kosten für die sogenannten Mobilitätshilfen. "Ein Exemplar kostet 9000 Euro", erklärt Niemitz. "Der Oberkörper regelt die Geschwindigkeit, die Hände steuern die Richtung", sagt er. Klingt leichter als es ist, doch nach zehn Minuten Trockenübung auf dem Parkplatz der Verleih-Firma in Pleinfeld geht es los.


Petra grüßt mit Grinsen

Holgers Frau Petra fährt voraus, wir folgen in jeweils zwei bis drei Metern Abstand. Mit etwa 15 Kilometern pro Stunde rollen wir aus dem 7500 Einwohner zählenden Ort im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Bei sommerlichem Wetter sind viele Menschen unterwegs und Petra grüßt jeden einzelnen mit einem breiten Grinsen. "Lächeln entspannt. Und zum Segway-Fahren muss der Körper entspannt sein", erklärt die ebenfalls 58-Jährige.

Nicht nur Aufsteigen, sondern auch Anstiege seien heikel. "Man hat das Gefühl, dass man geradeaus fährt und vergisst, sich ausreichend nach vorne zu lehnen", berichtet Petra von Fehlern früherer Teilnehmer. Apropos Fehler. Mein Begleiter wird ermahnt, als er von Petra beim Slalomfahren erwischt wird. "Unfälle sind immer eigene Dummheit", erklärt sie bei der ersten Pause am Hafen. Zwei Mädels seien einmal zu dicht nebeneinander gefahren, um sich zu unterhalten. Die Segways berührten sich und die jungen Frauen purzelten links und rechts in den Graben. Ein Mann wollte bei Vollgas eine scharfe Kurve fahren und brach sich beim Sturz das Schlüsselbein.

Die größten Feinde des Segways seien jedoch Fahrradfahrer, von denen nicht nur an diesem Tag etliche einen Ausflug am Brombachsee machen. Doch auch denen schenkt Petra ihr unausweichliches Lächeln. Zu einem Zusammenstoß kommt es an diesem Tag nicht. Vielleicht auch deshalb, weil die Segways ein Geräusch wie ein besonders großer Bienenschwarm von sich geben, der die montierte Klingel überflüssig macht.


Fuß- oder Fahrradweg?

Wenn sich der Weg in eine Spur für Radler und eine für Fußgänger spaltet, entscheidet sie sich dank Sondergenehmigung für Letztere. "Laut Gesetz gelten wir als Fahrradfahrer, dabei ist die Eigenschaft eines Segways einem Fußgänger viel ähnlicher", sagt sie. Ein Radler könne schließlich nicht auf der Stelle umkehren. Das ist mit geschicktem Einsatz der Handgelenke tatsächlich möglich, stellen wir fest, nachdem wir uns mit den Segways angefreundet haben.

Mehr als 20 Kilometer pro Stunde sind für die Geräte des monopolistischen Herstellers nicht vorgesehen. Die in Richtung meines Körpers drückende Lenkstange verhindert ein Überschreiten. Als die Höchstgeschwindigkeit erreicht und mein Anfängerstatus abgelegt ist, wünsche ich mir etwas mehr Tempo. Spaß macht die gemächliche Fahrt trotzdem. Zumal sich die Landschaft so leichter beobachten lässt. Zum Beispiel der So-da-Baum, der rechts am Ufer eines Weihers auftaucht. "Seht ihr den So-da-Baum?", fragt Petra. Ehe wir antworten können, löst sie auf - "Der steht einfach nur so da" - und braust mit einem kurzzeitig noch breiteren Lächeln davon.
Bis zur Mandlesmühle, wo sich das bei unserer Ankunft geschlossene Infozentrum zum fränkischen Seenland befindet. Nebenan fließt der kleine Brombach vorbei, der dem etwa neun Quadratkilomter großen See seinen Namen gab. Zwei Stunden und 16 Kilometer später haben wir zwar kaum Abgase ausgestoßen, aber auch Schweißtropfen suche ich auf unseren Gesichtern vergeblich.


Im Winter ist es zu kalt

Kein Wunder, dass das Ehepaar Niemitz in den Wintermonaten vom Ersparten leben muss. "Wenn es zu kalt ist, macht es keinen Spaß, denn man bewegt sich ja kaum, spürt aber den Fahrtwind", erklärt Petra. Der Spaßfaktor ist dennoch groß, so dass schon ein besonders langer Winter kommen müsste, um das Ersparte von Holger und Petra aufzuzehren. Und um die Eingangsfrage zu beantworten: Segway ist Sport - ein Funsport.
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