Forchheim
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Radeln ist gesund und macht einfach Spaß

Unsere Leser wählten den Radsport auf Platz 4 der beliebtesten Sportarten. Für André Korff eine gute Entscheidung: Radeln ist gesund und macht einfach Spaß, sagt der Ex-Profi.
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Miriam Welte (links) und Kristina Vogel aus dem Nationalteam von Trainer André Korff holten im Februar bei der Bahnrad-WM in Minsk im Teamsprint die Goldmedaille. Foto: Anatoly Maltsev/dpa
Miriam Welte (links) und Kristina Vogel aus dem Nationalteam von Trainer André Korff holten im Februar bei der Bahnrad-WM in Minsk im Teamsprint die Goldmedaille. Foto: Anatoly Maltsev/dpa
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Es war ein typischer Streich kleiner Jungs: Den großen Rostocker Radprofis mal eben in die Parade fahren, wenn die sich beim Training auf dem Parkplatz in die Kurve legen. Und dann mal sehen, was passiert. Schimpfen die? Im Gegenteil. Sie luden André Korff zum Training ein, 1981, da war er acht. Nächste Woche wird er 40 und hat seine erste Karriere als Radprofi hinter sich, im Januar hat er eine zweite als Trainer begonnen. Seit 1998 lebt Korff im oberfränkischen Forchheim und muss heute noch lachen, wenn er an die Anfänge zurückdenkt: "Ich bin wie die Jungfrau zum Kind zum Radfahren gekommen. Vorher habe ich Fußball gespielt."

Aus der Schnuppereinheit im Rostocker Verein wurde "kontinuierlich immer mehr", sagt Korff. Zweimal pro Woche Training, ein paar Radrennen. Und dann, das wird er nie vergessen: Haben sie ihm ein Fahrrad gestellt. "Das war was ganz Großes. Ein Rad umsonst zu bekommen!" Genug Ansporn, um weiter, noch mehr zu trainieren. Mit 13 dann ein erster Lohn für die Anstrengungen: Das Angebot, aufs Sportinternat zu gehen. Korff erinnert sich lebhaft: "Ich dachte, wenn die mich wollen, dann mach' ich das." Also wechselte er 1987 nach Berlin an die Sportschule und fuhr dort sechs Jahre Rad.

Als er in die Männerklasse kam, zog Korff nach Hamburg und startete dort in der damals neu gegründeten Bundesliga-Mannschaft. Und dann, "wenn man um die 20 ist, sagt man sich: Entweder machst Du den Sport jetzt richtig oder gar nicht." Also, erzählt Korff, nahm er sich vor: " Ich werde Profi."

Mit 24, "relativ spät", hatte er es geschafft und wurde 1998 beim damaligen Festina-Team Profi. 2001 wechselte der gebürtige Erfurter zum Team Coast und zwei Jahre später zum Team Bianchi, wo er Mannschaftskollege von Jan Ullrich war. Von 2004 bis 2007 fuhr Korff für T-Mobile. Als er 2008 seine Karriere beendete, hatte er Etappensiege bei der Mittelmeer- und der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt zu verbuchen und war als Junior Vize-Weltmeister im Bahnvierer.

Früher 40.000, jetzt 4000 Kilometer

In Spitzenzeiten saß Korff pro Jahr 40.000 Kilometer im Sattel. Ein gutes Stichwort: "Das einzige, was man falsch machen kann, ist die Position auf dem Rad," sagt er. "Wenn man mit dem Sattel zu tief sitzt, kann das Fahren auf die Knie gehen." Ansonsten nur Gutes im Zusammenhang mit seinem Sport: "Radfahren ist gesund, man ist an der frischen Luft, bewegt sich, es ist gelenkschonend und gut für Leute, die Gewichtsprobleme haben."

Das bestätigt auch der Bamberger Sportmediziner Volker Schöffl. Den Kalorienverbrauch bewertet er mit der höchstmöglichen Punktzahl: "Man fährt ja länger, deshalb ist der gesamtkalorische Umsatz pro Trainingseinheit höher als bei anderen Sportarten wie zum Beispiel Basketball."

Außerdem bewertet Schöffl Radfahren im Gesamten positiv für die Gesundheit. Er sagt: "Radsport ist nichts für chronische Rückenpatienten, aber gut bei leichten Knieproblemen, weil Kraft aufgebaut und die Muskulatur gestärkt wird."

In Forchheim kann man gut trainieren

Diese Aspekte schätzt auch Ex-Profi Korff und steigt deshalb nach wie vor gern aufs Rad. "Die Forchheimer Region ist ein gutes Terrain zum Trainieren", sagt er. Allerdings spult er längst nicht mehr so lange Strecken wie früher ab. "Es sind vielleicht 3000 bis 4000 Kilometer im Jahr. Und ich fahre nur, wenn das Wetter gut ist", sagt er und schmunzelt. Dann überlegt er kurz und schiebt nach: "Ich jogge manchmal auch. Aber eigentlich mach' ich zu wenig. Aber die Profijahre waren einfach so exzessiv, dass man es irgendwann mal ein bisschen ruhiger angehen lässt."

Ruhiger angehen ließ Korff es auch nach dem Ende seiner Karriere. Sie hatte ihn an 280 Tagen im Jahre von Zuhause fern gehalten, weshalb er nur zu gern das Lager wechselte: "Ich habe mich drei Jahre um meine Kinder gekümmert." Dem Radsport ist der Ex-Profi aber trotzdem treu geblieben. Bereits im vergangenen Jahr war er in die Olympia- und WM-Vorbereitung des Bundes Deutscher Radfahrer eingebunden, im Januar übernahm er als Bundestrainer das Frauen-Nationalteam.

Die Fahrerinnen sind richtig gut und räumen bei nationalen und internationalen Wettbewerben regelmäßig Medaillen ab. Ob sie das aus eigener Kraft schaffen? Oder direkt formuliert: "Wie halten Sie es mit dem Thema Doping?" Korff stöhnt kurz und sagt, die Frage stinkt ihm. Immer werde man als Radsportler auf Doping angesprochen. Aber ihm ist auch klar, dass sich der Radsport aus eigener Schuld mit dem Thema verwoben hat. Also antwortet er: Die Frauen im Nationalteam müssen eine Vereinbarung gegen Doping unterschreiben. "Und die müssen sie auch einhalten." Korff geht davon aus, "dass der Radsport mittlerweile sauber ist, was Flächendoping angeht. Aber eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht."
Sitzposition ist entscheidend

Radfahren ist gesund und verursacht kaum Probleme oder Schmerzen - solange die Sitzposition passt. Die richtige Sattelhöhe ist schnell eingestellt: Mit der Ferse auf dem Pedal sollte das Bein locker gestreckt sein. Beim Treten sitzt der Fußballen auf dem Pedal und das Bein kann optimal Kraft übertragen. Wirbelsäulenachse, Tretkurbel und Sitz sollten im Lot sein.

Für Gesundheitssportler ist die Mittelposition empfehlenswert - nicht halb liegend wie auf einer Harley, aber auch nicht nach vorn gebeugt. Ein Triathlonlenker ist schlecht für die Halswirbelsäule, ebenso wie alle Extrempositionen schädlich sind. Sie sind eher im Spitzensport angesagt, weil sie Vorteile wie etwa Windschatten bringen, eignen sich aber nicht für Gesundheitssportler. Normalerweise gilt: Wenn man sich wohlfühlt, passt alles und macht das Radeln Spaß. Dann massiert und stärkt die zyklische Belastung ohne Spitzen die Gelenkknorpel, hilft bei Frühknorpelschaden und ist gut bei Knieproblemen.
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