Das hat damit zu tun, dass viele Leute Benzinkosten für den Weg zur Arbeit sparen wollen. Andere setzen vor allem auf den Gesundheitsaspekt einer regelmäßigen Radtour. Einen Haken aber hat die Sache immer noch: Wenn es Winter und damit richtig kalt wird, stellt sich die Frage, welche Kleidung die richtige ist, um zum einen nicht zu frieren, zum anderen nicht durchgeschwitzt am Ziel anzukommen, dazu vor Wind und Wetter geschützt und in der Dunkelheit sicher unterwegs zu sein.
Ein Tipp für die winterliche Kleidung auf dem Fahrrad gilt seit Jahren und macht auch heute noch Sinn: das Zwiebelprinzip. Es geht darum, mehrere Kleidungsschichten übereinander zu tragen. Dabei sollte es sich bei dem am Körper getragenen Kleidungsstück um eines handeln, das Feuchtigkeit von der Haut abtransportiert - denn auch im Winter kommt ein Radfahrer ins Schwitzen. Der Abtransport von Feuchtigkeit hilft, Erkältungen vorzubeugen. Die zweite Schicht der Kleidung hat die Aufgabe, ein Auskühlen zu verhindern und für den Weitertransport der Feuchtigkeit zu sorgen. Als geeignet gelten hier Fleece-Stoffe. Schicht drei ist dann der eigentliche Wetterschutz.
Das Prinzip hat aber weitere Vorzüge: Vor allem wirken die dünnen Luftschächte zwischen den Kleidungsstücken wie eine Isolierung, erklärt Siegfried Neuberger vom Zweirad Industrie-Verband (ZIV). Außerdem hat das Zwiebelprinzip den Vorteil, dass Radler sich schnell auf Temperatur-Umschwünge einstellen können. Wird es zu warm, kann problemlos eine Kleidungsschicht ausgezogen werden - wird es zu kalt, wird das Teil wieder übergezogen.
Bei der Wahl der äußeren Kleidungsstücke sollten Radler zudem auf moderne Funktionstextilien setzen. Denn es gilt im Winter nicht nur, dass Kälte nicht zum Körper durchdringen soll. Regen und Schnee sollte ebenfalls nicht dazu führen, dass man völlig durchnässt am Ziel ankommt.
Der Schutz vor Regen darf aber nicht bei der Bekleidung des Oberkörpers aufhören. So rät Bettina Cibulski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) in Bremen dazu, für alle Eventualitäten unter anderem eine Regenhose mitzunehmen, die bei einem plötzlichen Schauer schnell übergezogen wird. Auch die Schuhe und damit die Füße sollten vor Durchnässung geschützt werden: zum Beispiel mit speziellen Gamaschen oder Regenschuhen für Radfahrer. „So etwas findet sich beim Fahrradhändler“, sagt Cibulski.
Ein wichtiges Thema im Winter ist der Schutz der Hände und Finger. Hier kann nicht nur auf möglichst viel Wärme gesetzt werden - die Finger müssen auch so beweglich bleiben, dass sie Bremse und Schaltung einwandfrei bedienen können. Hier muss jeder Radler individuell prüfen, mit welcher Art von Handschuh er am besten zurechtkommt: Prinzipiell gilt, dass Fausthandschuhe wärmer sind, aber eher die Beweglichkeit einschränken. Bei Fingerhandschuhen ist es vom Grundprinzip her umgekehrt.
Dass es bei den Schuhen ebenfalls auf möglichst guten Kälteschutz ankommt, sollte klar sein. Ein weiterer Bereich darf jedoch nicht vernachlässigt werden - die Sohle. Wenn es regnet oder der Boden verschneit ist, wird natürlich auch die Sohle nass. Wichtig ist dann, dass diese rutschfest ist, damit der Radfahrer nicht von den Pedalen abrutscht und eine ebenso schmerzliche wie gefährliche Überraschung erlebt.
Ebenfalls um gefährliche Überraschungen geht es beim Thema Farbe. Denn rein modisch sind Herbst und Winter traditionell die Saison für gedeckte Farbtöne - wobei der Begriff gedeckt bis hin zum verbreiteten Dunkelbraun oder Schwarz geht. Gerade dunkle Töne tragen aber nicht zur Sicherheit im Straßenverkehr bei. Auch wenn das Fahrrad mit komplett intakter Beleuchtung unterwegs ist, verbessert Kleidung in hellen Farben die rechtzeitige Erkennbarkeit eines Radlers deutlich.
Noch besser wird ein Mensch an oft trüben und dunklen Phasen eines Wintertages gesehen, wenn in eine Jacke oder ein anderes Kleidungsstück reflektierende Materialien eingearbeitet sind. Längst nicht mehr unüblich ist der Versuch, die eigene Sichtbarkeit dadurch zu erhöhen, dass Radfahrer sich blinkende Batterieleuchten an Rucksack oder Kleidung klemmen. Diese Leuchten sind laut Siegfried Neuberger zwar als Beleuchtung für das Fahrrad selbst verboten - werden sie jedoch an der Kleidung befestigt, sei dagegen nichts einzuwenden.