Garten

Erntezeit in Franken: Warum wir alle wieder einen Garten haben sollten

Frische Produkte warten zur Erntezeit auf die Verbraucher. Garten-Profi Jupp Schröder erklärt, warum Grünes aus der Region so wichtig ist.
Jupp Schröder in seinem Garten. Foto: Barbara Herbst
 
von PETER GROSCURTH
Müssen es Spargel aus Griechenland, Erdbeeren aus Südafrika oder Knoblauch aus China sein? Oft ist das nicht nur aus ökologischer Sicht fragwürdig. Viele Verbraucher denken um und wollen wissen, woher die Nahrungsmittel kommen, die sie konsumieren. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab, dass zwei Drittel der Befragten Obst und Gemüse aus ihrer Gegend bevorzugen. Garten-Experte Jupp Schröder erklärt im Interview, warum regionale Versorgung nicht nur umweltfreundlich, sondern vor allem auch gesund ist.

Welches Gemüse oder Obst aus der Region ist aktuell reif zur Ernte?
Jupp Schröder: Bei den Gemüsesorten sind es rote Bete, Mangold, Spinat, Fenchel, Weißkraut, die letzten Bohnen, Wirsing, Zucchini, Kürbisse, Teltower Rübchen, Möhren, Zwiebeln und Knoblauch sowie Tomaten und Kartoffeln. Im Spätherbst kommen Grün- und Rosenkohl und Lauch sowie Winterrettiche und Schwarzwurzeln hinzu. Und an Obst gibt es Birnen, Frühäpfel, Herbsthimbeeren, Zwetschgen und Pfirsiche. Noch nicht reif sind Walnüsse, Quitten und Mispeln.

Wo liegen die Vorteile, sich mit fränkischen Feldfrüchten zu versorgen, anstatt exotische Produkte aus fernen Ländern zu kaufen?
Damit werden die Gemüse- und Obstanbauer vor Ort unterstützt. Die Verbraucher wissen, wie die Früchte angebaut werden. Die Produkte stehen frisch zur Verfügung, ohne lange Schifffahrten. Wer einen Biobauern oder Biogärtner in der Nähe hat, kann sich also glücklich schätzen. Die Früchte schmecken ganz anders als aus den Großbetrieben, wo die Pflanzen keine Erde mehr kennen und nur mit Nährlösung aufgepäppelt werden. Mit dem Kauf von Obst aus fränkischen Anbau wird auch dazu beigetragen, dass eine vielfältige Landschaft mit Obstbäumen erhalten bleibt.

Kann jeder bei einem Landwirt oder Gärtner in seiner Nähe einkaufen?
In vielen Dörfern Frankens gibt es Anfang Oktober an Sonntagen Obstmärkte. Hier werden auch Kontakte mit den Anbauern geknüpft. So ergeben sich feste Kundschaften. Nicht jeder hat nämlich die Möglichkeit zur richtigen Lagerung. Oft liegen an den Landratsämtern Listen aus, in denen vermerkt ist, wo man heimische Produkte beziehen kann.

Warum sind Obst und Gemüse von unseren Feldern oder Gärten jetzt so gesund?
Es werden in der Regel keine chemischen Schädlingsbekämpfungsmittel angewandt. Der Geschmack und der gesundheitliche Wert sind hier im Gegensatz zu den vielfach behandelten Früchten aus dem Intensivanbau unvergleichlich. Noch in den 60-er und 70-er Jahren hat man sich fast ausschließlich von einheimischen Produkten ernährt. Reine Ziergärten wie heute waren unbekannt. Zu einem Garten gehörte auch der Anbau vom Obst und Gemüse. Direkt vom Garten auf den Tisch - gesünder geht es kaum.

Welche Grundsätze sollten Gartenbesitzer beim Pflanzen im Frühjahr beachten?
Ein biologischer Garten zeichnet sich durch eine besondere Artenvielfalt aus. Monokulturen sind nach Möglichkeit zu vermeiden. Zu beachten sind auch die Aussaat- und Pflanztermine. Weiterhin sollte der Garten luftig gehalten werden. Ein Garten, in dem es nichts zu ernten gibt, hat mit dem Ursprung fast nichts mehr gemeinsam. Ganz anders die alten Bauerngärten: Sie sehen nicht nur sehr schön aus, sondern sind auch äußerst praktisch. Sie dienen als Quelle der Gesundheit und bieten darüber hinaus auch Möglichkeiten der Erholung. Wie schön ist es, wenn man in den Garten gehen kann, um sich zum Beispiel Gewürzkräuter zu holen.

Wie kann man bestimmte Gemüsearten lecker haltbar machen?
Die natürliche Säuerung zählt zu den ältesten Konservierungsmitteln. Durch Milchsäuregärung wird Gemüse nicht nur haltbar und schmackhaft; auch die Inhaltsstoffe bleiben weitgehend erhalten. Die Produkte sind gesund und gleichen den Basenhaushalt im Körper aus. Der Gärungsprozess in einem Gärtopf verläuft in mehreren Stufen und dauert je nach Gemüse vier bis sechs Wochen. Dazu gibt es im Handel spezielle Töpfe. Es lohnt sich auch, sonnengereifte Tomaten für den Winter durch Trocknen zu konservieren. Dabei entsteht ein einmaliger würziger Geschmack. Die gewaschenen Tomaten werden halbiert, der Stileinsatz entfernt und die Kerne herausgeschabt. Dann kommen die Früchte in einen Dörrapparat oder Backofen und werden bei 50 bis 70 Grad Celsius je nach Sorte und Menge bis zu 20 Stunden getrocknet. Der Backofen ist wegen der langen Trocknungszeit und des hohen Energieverbrauchs nur eine Notlösung für das Dörren. Wer regelmäßig größere Mengen an Obst oder Gemüse trocknet, sollte sich ein elektrisches Dörrgerät zulegen. Die gedörrten Tomaten halten sich am besten in einem Schraubglas an einem kühlen und trockenen Ort. Sie sorgen für den richtigen Pep in vielen warmen und kalten Gerichten bis zur nächsten Saison und darüber hinaus. Reife Früchte sollte man allgemein am Vormittag ernten, nachdem sie gut abgetrocknet sind. Dann haben sie mehr Wasser gespeichert, als in der Mittagszeit. Die Früchte schmecken dadurch aromatischer und bleiben auch länger frisch.

Welche Pflanzenarten aus Großmutters Garten sind derzeit wieder im Kommen?
Dicke Bohnen, Pastinaken, Chicorée, Butterrüben, Rübstiel, Portolak und Buttersalat. Steckrüben waren früher als Arme-Leute-Essen verschmäht. Mit den Rüben kam man gut über den Winter. Heute gelten Steckrüben als Delikatesse.

Was sind für Sie wichtige Arten, die in jedem Garten gepflanzt werden sollten?
Petersilie, rote Bete, Knollensellerie, Lauch, Pflücksalat, Radieschen, Mangold, Buschbohnen, Zucchini und Tomaten.

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