Serie "Engagiert in Franken"

Ehrenamt und Beruf: Das sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer beachten

Knapp 40 Prozent der deutschen Arbeitnehmer engagieren sich ehrenamtlich. Was es im Verhältnis von Freiwilligenarbeit und Broterwerb zu beachten gilt.
 
von NATALIE SCHALK
Knapp 40 Prozent der deutschen Arbeitnehmer engagieren sich ehrenamtlich. Im Verhältnis von Freiwilligenarbeit und Broterwerb gibt es Einiges zu beachten.

1.Nebentätigkeit: Wenn ein Mitarbeiter ein Ehrenamt ausüben will, braucht er dafür keine Genehmigung des Arbeitgebers. Allerdings sollte er ihn informieren, denn auch wenn das Ehrenamt unbezahlt ist, wird es im Streitfall als Nebentätigkeit gesehen - und diese müssen nach den meisten Arbeitsverträgen dem Arbeitgeber gemeldet werden. Aber selbst wenn nicht: Nur wenn der Chef Bescheid weiß, kann er das Ehrenamt unterstützen. Manchmal springt nebenbei ein Trikot mit Firmenlogo für den Vereins-Nachwuchs heraus.

2.Freistellung: In der Regel darf ein Ehrenamt nur in der Freizeit ausgeübt werden. Ausnahmen gelten für Ehrenämter, die für das Gemeinwohl von besonderer Bedeutung sind. Für Sicherheitsaufgaben wie den Feuerwehrdienst müssen ehrenamtliche Einsatzkräfte freigestellt werden. Genau wie Ehrenämtler im Rettungsdienst, die während ihrer Arbeitszeit von der Leitstelle zum Einsatz gerufen werden. Auch Helfer der freiwilligen Hilfsorganisationen und des Technischen Hilfswerks THW müssen für Einsätze zur Katastrophenabwehr und Ausbildungsveranstaltungen freigestellt werden. Das Gehalt wird währenddessen weiter bezahlt; ist der Arbeitgeber ein Privatunternehmen, wird es ihm erstattet. Wichtig ist dem Land Bayern auch die Jugendarbeit, weshalb ehrenamtliche Jugendleiter in der Regel (bis zu 15 Arbeitstage im Jahr) beispielsweise als Leiter von Jugendfreizeiten freigestellt werden müssen. Auch ehrenamtliche Richter (Schöffen) und Betriebsräte müssen freigestellt werden.

3.Ressource: Gesellschaftlich aktive Mitarbeiter sind eine wichtige Ressource für Unternehmen. Engagierte Leute engagieren sich auch in der Firma überdurchschnittlich. Sie sind in der Regel ausgeglichener, können sich und ihre Zeit organisieren und schaffen es besser als andere, verschiedene Lebensbereiche zu vereinbaren. Sie berichten seltener von einem Work-Life-Balance-Konflikt. Sie erwerben außerdem im Ehrenamt soziale und fachliche Kompetenzen wie die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, Teamgeist, Führungskompetenz. Hinzu kommen Fach-Ausbildungen wie beispielsweise beim THW die technischen Lehrgänge.

4.Corporate Volunteering: Besonders im englischsprachigen Raum gehört die "Förderung des Mitarbeiterengagements" oft bereits zur Unternehmenskultur. Zunehmend gibt es auch in Deutschland Firmen, die ihren Mitarbeitern anbieten, während der Arbeitszeit etwas für's Ehrenamt zu tun, die eine eigene Freiwilligen-Organisation unterhalten oder im Intranet eine Plattform bieten, auf der sich engagierte Kollegen vernetzen können. Mitarbeiter identifizieren sich stärker mit ihrem Unternehmen, wenn ihr gesellschaftliches Engagement gefördert wird, sie sind motivierter. Das Unternehmen gewinnt als Arbeitgeber an Attraktivität. Die Unterstützung von Freiwilligenarbeit stärkt auch das Image des Unternehmens. Große Konzerne präsentieren sich nicht nur mit ihrem eigenen sozialen Engagement, sondern weisen zunehmend auch auf ehrenamtliche Einsatzgebiete ihrer Mitarbeiter hin.

zum Thema "engagiert.infranken.de"

Newsletter kostenlos abonnieren