Jerusalem
Raketenangriff

Raketenangriff auf Israel - Militär beschießt Ziele im Gazastreifen

Nach der umstrittenen Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump hat die radikal-islamische Hamas zu einer Intifada aufgerufen.
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Mitglieder der Volksfront zur Befreiung Palästinas protestieren am Donnerstag in Gaza gegen US-Präsident Trumps Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Wissam Nassar, dpa
Mitglieder der Volksfront zur Befreiung Palästinas protestieren am Donnerstag in Gaza gegen US-Präsident Trumps Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Wissam Nassar, dpa
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen hat Israels Armee am Donnerstag Stützpunkte der dort herrschenden Hamas angegriffen. Eine Rakete sei im Süden Israels explodiert, teilte das Militär mit. Daraufhin hätten ein Panzer und ein Kampfjet der Streitkräfte zwei Posten im Gazastreifen beschossen.

"Die israelische Armee zieht die Hamas für feindselige Aktivitäten aus dem Gazastreifen zur Verantwortung, die gegen Israel gerichtet sind", hieß es in der Stellungnahme.

Nach der weltweit kritisierten Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump ist es in den Palästinensergebieten zu gewaltsamen Unruhen gekommen. Bei Konfrontationen in Ramallah, Hebron, Bethlehem und am Rande des Gazastreifens wurden am Donnerstag nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums mindestens 80 Palästinenser verletzt.

Die radikal-islamische Hamas rief für Freitag zu einem neuen Palästinenseraufstand (Intifada) gegen Israel auf. Die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch Trump komme einer "Kriegserklärung gegen die Palästinenser" gleich, sagte Hamas-Chef Ismail Hanija in Gaza.

In mehreren arabischen Ländern hat es nach der weltweit kritisierten Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump Proteste und Demonstrationen gegeben. Unter anderem in den Hauptstädten von Ägypten, Tunesien und Jordanien waren am Donnerstag mehrere hundert Menschen auf die Straße gegangen, um friedlich gegen die Entscheidung Trumps zu protestieren, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen.

In Tunis versammelten sich mehrere hundert Menschen und zogen mit palästinensischen Fahnen durch die Innenstadt. Im Parlament entrollten Abgeordnete zwei riesige Flaggen von Tunesien und Palästina und bedeckten damit die Regierungsbank, wie auf Fotos zu sehen war, die Abgeordnete im Internet teilten. Auch in anderen Teilen Tunesiens kam es zu Protesten.

Studenten und Professoren gingen in mehreren jordanischen Universitäten auf die Straße und betonten die "arabische und islamische Identität" von Jerusalem. Auch an der amerikanischen Universität in Kairo gab es Demonstrationen und Sympathiebekundungen für Palästina.
Der Status von Jerusalem ist hochumstritten. Israel beansprucht ganz Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt. Dieser Anspruch wird international nicht anerkannt. Israel hatte 1967 während des Sechs-Tage-Krieges den arabischen Ostteil der Stadt erobert und später annektiert. Die Palästinenser sehen in Ost-Jerusalem die künftige Hauptstadt eines unabhängigen Palästinenserstaates.

In der islamischen Welt sehen sich viele als Retter von "Al-Kuds", der Heiligen Stadt. Die wichtigsten Spieler in dieser komplizierten Gemengelage:

TÜRKEI: Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat sich in der Jerusalem-Krise zum Wortführer der islamischen Welt aufgeschwungen. An die Adresse von US-Präsident Donald Trump sagte er: "Herr Trump, Jerusalem ist die rote Linie der Muslime." Erdogan setzt sich seit Jahren für die Sache der Palästinenser ein und steht besonders der Hamas nahe. Der türkische Präsident hat derzeit zudem turnusgemäß den Vorsitz der Organisation für Islamische Kooperation (OIC) inne, in der sich 57 Staaten zusammengeschlossen haben. Die OIC versteht sich als "die kollektive Stimme der muslimischen Welt", der Erdogan nun Ausdruck verleihen will: Für kommenden Mittwoch hat er einen OIC-Sondergipfel in Istanbul einberufen.

SAUDI-ARABIEN: Als Hüter der heiligen Stätten in Mekka und Medina nimmt Saudi-Arabien in der islamischen Welt eine besondere Rolle ein - und damit auch im Konflikt um die für Muslime ebenfalls heilige Stadt Jerusalem. König Salman nannte die Entscheidung Trumps einen "gefährlichen Schritt" und eine Provokation für die Muslime weltweit. Das islamisch-konservative Königreich hat keine diplomatischen Beziehungen zu Israel, ist allerdings nach Einschätzung von Beobachtern grundsätzlich zu einer Normalisierung des Verhältnisses bereit. Gleichzeitig unterstützt es die Palästinenser. Nach einem Bericht der "New York Times" soll der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman den Palästinensern jedoch einen Friedensplan vorgeschlagen haben, der den Israelis weiter als jemals zuvor entgegenkam.

HAMAS: Die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas herrschte zehn Jahre lang allein im Gazastreifen, nun soll sie im Rahmen eines Versöhnungsabkommens die Kontrolle dort an die gemäßigtere Palästinenserbehörde abgeben. Die Hamas lehnt jeglichen Friedensprozess mit Israel ab und hat sich die Zerstörung des jüdischen Staates auf die Fahne geschrieben. Katar galt lange als wichtigster finanzieller Unterstützer der Hamas, zuletzt hat die Hamas sich wieder stärker dem Iran angenähert. Nach der Jerusalem-Entscheidung Trumps hat Hamas-Chef Ismail Hanija zu einem neuen Palästinenseraufstand (Intifada) zur "Befreiung Jerusalems" aufgerufen, der an diesem Freitag beginnnen soll.

PALÄSTINENSISCHE AUTONOMIEBEHÖRDE: Die gemäßigten Kräfte um Palästinenserpräsident Mahmud Abbas waren jahrelang in einem Friedensprozess mit Israel, der jedoch letztlich gescheitert ist. Die Fatah-Organisation von Abbas bemüht sich gegenwärtig um eine dauerhafte Versöhnung mit der Hamas. Eine Einheitsregierung soll im Gazastreifen die Kontrolle übernehmen. Ziel ist eine einheitliche Herrschaft der Palästinenser im Gazastreifen und Westjordanland und ein Ende der innerpalästinensischen Spaltung. Die Palästinenserführung hat Trumps Entscheidung zu Jerusalem als Zerstörung der Zwei-Staaten-Lösung gewertet. Die Palästinenser wollen im arabischen Ostteil Jerusalems, den Israel 1967 erobert hatte, die Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates errichten.
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