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Terror

Patronen mit Schweineblut getränkt: Trump schockt mit Geschichte um Terrorkampf

Kurz nach dem Barcelona-Terror verbreitet Trump eine Legende der Gewalt. Dafür hagelt es mal wieder Kritik.
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Kurz nach dem Barcelona-Terror verbreitet Trump eine Legende der Gewalt. Dafür hagelt es mal wieder Kritik. Foto: -/AP/dpa
Kurz nach dem Barcelona-Terror verbreitet Trump eine Legende der Gewalt. Dafür hagelt es mal wieder Kritik. Foto: -/AP/dpa
In seinen letzten Urlaubstagen in Bedminster (New Jersey) reagierte Trump am Donnerstag auch auf den Terroranschlag in Barcelona. Man werde alles tun, was nötig sei, um zu helfen, twitterte Trump.

Wenig später legte er auf Twitter nahe, im Kampf gegen Terrorismus die Methoden von General John Pershing zu studieren. Dieser soll - einer bereits mehrfach widerlegten Legende nach - auf den Philippinen 50 muslimische Gefangene mit Projektilen exekutiert haben, die er zuvor in Schweineblut getaucht hatte. Mit dem Blut der für gläubige Muslime unreinen Tiere sei ihnen der Weg ins Paradies versperrt gewesen. Trump: "Danach gab es 35 Jahre keinen islamistischen Terror mehr!"

Trump hatte diese Legende bereits im Wahlkampf 2016 zitiert. Laut Historikern gibt es nicht den geringsten Anlass, die Geschichte um Pershing für wahr zu halten, die sich angeblich in den Jahren der Moro-Rebellion (1899-1913) zugetragen haben soll.

In zahlreichen Reaktionen auf Trumps Tweet hieß es in US-Medien am Donnerstag, während die Welt noch um die Toten von Barcelona trauere, verweise der Präsident der Vereinigten Staaten auf eine Lüge, in der die Exekution Gefangener glorifiziert werde.


Kritik an Trump auch von Republikanern wächst

Der prominente republikanische Senator Bob Corker hat dem Präsidenten entscheidende Charaktermerkmale abgesprochen. "Der Präsident war bisher nicht fähig, die Stabilität oder etwas von der Kompetenz an den Tag zu legen, die er braucht, um erfolgreich zu sein", sagte Corker am Donnerstag (Ortszeit) vor Journalisten.

Der Senator sprach Trump das Verständnis für das Wesen der USA ab. "Er hat zuletzt nicht zu erkennen gegeben, dass er verstanden hätte, was dieses Land gestern und heute groß gemacht hat", sagte Corker. "Er muss das Verhalten eines Präsidenten an den Tag legen, der zeigt, dass er das begreift."

Corker (64) ist Senator von Tennessee. Der außenpolitische Experte wurde 2016 als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten unter Trump gehandelt. Er gilt als vergleichsweise besonnen und differenziert in seinen Wortmeldungen.

Die von Corker mehrfach benutzten Begriffe "Stabilität" und "Kompetenz" wurden von US-Medien aufmerksam registriert: Der Sender CNN und andere interpretierten sie als mögliche Vorboten einer so tiefgehenden Entfremdung zwischen Partei und Präsident, dass sie Trump unter Verweis auf den 25. Verfassungszusatz für grundsätzlich ungeeignet halten könnten, das Amt auszuüben.

Trump schlägt derzeit besonders scharfe Kritik entgegen, weil er nach gewalttätigen Zusammenstößen in Charlottesville Rassisten und Gegendemonstranten auf eine Stufe gestellt hatte. "Er hat nicht angemessen reagiert", sagte Corker. "Ich würde mir wünschen, dass ihm klar ist, als wer er spricht, dass er der Präsident aller Amerikaner ist."

In Trumps Präsidentschaft seien radikale politische Änderungen nötig, sagte Corker. "So geteilt wie dieses Land ist, sollten wir doch darauf hoffen, dass er (Trump) ein wenig Selbstreflexion betreibt."
Trump müsse aufhören, sich selbst so wichtig zu nehmen, sagte Corker. Der Präsident dürfe nicht jeden Morgen aufwachen und erstmal darüber nachdenken, was für ihn selbst gut sei.
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