Gotha
Musik-Tipp

Gothas Hofkapellmeister Stölzel endlich dem Vergessen entreißen

Wer musikalische Alternativen zu Johann Sebastian Bachs unverwüstlichem "Weihnachts-Oratorium" sucht, kann in Gotha fündig werden.
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Unbekannter Meister aus dem Umkreis Tilman Riemenschneiders: "Maria mit Kind" (Ausschnitt - Teil eines etwa 1515 entstandenen Marienalters, der in der Heiligkreuzkirche in Coburg gestanden hat), Kunstsammlungen der Veste Coburg.Foto: Jochen Berger
Unbekannter Meister aus dem Umkreis Tilman Riemenschneiders: "Maria mit Kind" (Ausschnitt - Teil eines etwa 1515 entstandenen Marienalters, der in der Heiligkreuzkirche in Coburg gestanden hat), Kunstsammlungen der Veste Coburg.Foto: Jochen Berger
Die Musikgeschichte ist oft eine gar gestrenge Richterin. Schnell lässt sie Komponisten, die vielleicht nicht der allerhöchsten Genie-Kategorie angehören, in Vergessenheit geraten. Doch manchmal ist die Musikgeschichte auch entweder im Irrtum oder einfach nur schlecht informiert.
Denn mancher Komponist ist schlicht deshalb in Vergessenheit geraten, weil die Nachwelt allzu schlampig umgegangen ist mit seinen Partituren.
Ein charakteristisches Beispiel für diese Art der Vergessenheit ist der Bach-Zeitgenosse Gottfried Heinrich Stölzel, der 30 Jahre Hofkapellmeister in Gotha war - hochgeschätzt von den Zeitgenossen bis zu seinem Tod im November 1749.


Festliche Arien

Viele seiner Werke gingen schon bald nach seinem Ableben verloren und mit ihnen die Erinnerung an einen Komponisten, der sich gewiss nicht auf das Etikett Kleinmeister reduzieren lässt. Das beweist sein Zyklus von zehn Weihnachtskantaten von 1736/1737, die ihn als Tonschöpfer mit einer durchaus eigenen musikalischen Sprache hörbar werden lassen.
Stölzels Weihnachts-Kantaten, die sich zu einem potenziellen Weihnachts-Oratorium gruppieren lassen wie im Falle des berühmten Vorbildes von Johann Sebastian Bach, sind viele Arien ebenso festlich wie ausdrucksvoll.


Trompetenglanz

Sie zeigen die Handschrift eines überaus versierten Komponisten, der Trompetenglanz und warmen Hörnerschall ebenso geschickt einzusetzen weiß wie aparte Holzbläser-Mischungen.
Das belegt die Ersteinspielung dieser Sammlung von Weihnachts-Kantaten, die im Umfeld von Stölzels 250. Todestag entstand.

Unter der Leitung des als Barock-Spezialist international renommierten Cembalisten und Dirigenten Ludger Rémy, der im Juni verstorben ist, singt ein Quartett stilsicherer Vokalsolisten, den instrumentalen Part entfaltet das Weimarer Barockensemble farbenreich und transparent in den Linien.


CD-Tipp Gottfried Heinrich Stölzel, Weihnachts-Oratorium, Kantaten 1 bis 5, Kantaten 6 - 10; Britta Schwarz (Mezzosopran), Henning Voss (Alt), Jan Kobow (Tenor), Klaus Mertens (Bass), Weimarer Barockensemble, Leitung: Ludger Rémy
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