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Interview

Wenn Musik aus der Seele kommt

Ainars Rubikis, 1. Preisträger des 3. Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerbs, erarbeitet sich Partituren auch dadurch, indem er sie singt. Der lettische Musiker begann seine Laufbahn als Sänger im Knabenchor.
 
Donnerstag Abend in der Konzerthalle. Nach einem spannenden Finale mit zwei nicht nur vom Alter her unterschiedlichen Kandidaten gibt Jury-Präsident Jonathan Nott die Preisträger des 3. Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerbs der Bamberger Symphoniker bekannt. Ainars Rubikis, der 31-jährige Gewinner aus Lettland, wird von Gratulanten umringt und fotografiert, bevor er sein erstes Interview geben kann.

Wie fühlen Sie sich jetzt?

Ainars Rubikis:
Ich bin zwar im Moment müde und matt, aber im Kopf überschlagen sich die Gedanken und ich bin voll von Energie – von himmlischer und musikalischer Energie. Ich bin natürlich überglücklich, denn ich habe schon seit fünf Jahren bei keinem Wettbewerb mehr mitgemacht. Es war sehr schwer, es überhaupt noch einmal zu versuchen, zumal es mein erster Wettbewerb als Orchesterdirigent war.

Wie war das Finale für Sie? Wie hat sich die Zusammenarbeit mit dem Orchester entwickelt?

Ainars Rubikis: Das Orchester ist einfach fantastisch! Sie haben erstaunlich viel Mut, Beweglichkeit und Kraft bewiesen in den letzten Tagen – bei so viel wechselnden Dirigenten und wechselndem Repertoire. Sie können in Bamberg nur stolz sein auf dieses Orchester! Was das Finale betrifft, so ist mir der Durchlauf des 3. Satzes von Mahlers 4. Sinfonie gut gelungen, während es bei Matthias Pintschers „towards Osiris“ noch einige ungelöste Details gab. Aber ich bin wirklich begeistert von diesem Orchester: mit welchem Enthusiasmus, mit welcher Energie die Musiker spielen. Man spürt den Willen, der dahinter steckt. Sie wollen wirklich Musik machen.

Warum sind sie Dirigent geworden?

Ainars Rubikis: Als ich noch ein Kind war, ging meine Mutter oft mit mir in Konzerte und in die Oper. Ich war sofort fasziniert davon, wie unterschiedlich die verschiedenen Gesangsstimmen und Instrumente klingen konnten. Und schon als Sieben- oder Achtjähriger träumte ich davon, einmal selber da vorne zu stehen und Dirigent zu werden.

Und die reine Orchestermusik?

Ainars Rubikis: Kam erst später. Meine ersten Erfahrungen habe ich konkret mit zeitgenössischer Musik gemacht, mit Orchestermusik, die gleichaltrige Freunde von mir geschrieben haben. Und dann kamen auch schon die ersten Auftritte an der lettischen Nationaloper mit der „Zauberflöte“ und „Don Giovanni“.

Sie haben dem Orchester bei den Proben immer wieder etwas vorgesungen. Hat das mit Ihrer intensiven Chorarbeit zu tun?

Ainars Rubikis: Nein, ich glaube das hat einen anderen Grund. Wenn ich Musik mache, muss ich sie in mir selbst gefühlt und erfahren haben. Eine Geige ist eine Geige, eine Harfe ist eine Harfe, aber erst wenn man die Musik im eigenen Körper, in der eigenen Seele spürt, kann man sie auch in Instrumenten lebendig machen. Es ist tatsächlich so, dass ich versuche, jede Musik für mich singend zu erkunden. Ob ich mit meiner Gesangsstimme singe oder nur summe: Hauptsache, ich spüre die Musik körperlich – ihre Schwingungen, die Phrasierungen. Wenn ich die Partituren lerne, lese ich sie wie ein Buch, und wie durch ein magisches Auge leuchtet die Musik in mir auf. Wenn ich sie dann singe, fühle ich sie wirklich.

Wer hat Sie beeinflusst?

Ainars Rubikis: Meine Lehrer und Professoren natürlich – zuerst für die Chorleitung Janis Lindenbergs, Andris Veismanis und Maris Sirmais, mit dem ich nach wie vor zusammenarbeitet, dann Andris Vecumnieks für die Orchesterleitung. Schwierig war für mich vor allem der Wechsel vom Chor zum Orchester. Die meisten Chorwerke sind einfach nicht so umfangreich wie die großen Orchestersinfonien, bei denen man ständig viel weiter vorausdenken muss. Aber es sind nicht nur Dirigenten, die mich beeinflusst haben. Von einer guten Freundin, der Schauspielerin Rezije Kalnina, habe ich gelernt, dass es in der Kunst keine Kompromisse gibt – entweder heiß oder kalt, bloß nicht lauwarm.

Was wollen Sie als Dirigent?

Ainars Rubikis: Als ich mich vor Jahren mit einem Stück von Brahms auf einen Wettbewerb für Chordirigenten vorbereitet habe, hatte ich für einige Sekunden plötzlich das Gefühl, als würde Johannes Brahms selbst mir über die Schulter schauen – eine magische Verbindung! Da ist mir klar geworden, dass es darauf ankommt, die Musik immer wieder lebendig zu machen. Musik ist für alle Menschen ein großes Geschenk – auch für mich als Dirigenten. Ich als Dirigent kann anderen Menschen, wenn sie es wollen, die Musik nahe bringen, kann das große Geschenk mit anderen teilen. Musik ist letztlich Liebe. Zur Person

Ainars Rubikis ist am 14. Juli 1978 in Riga geboren, lernte früh Geige und Klavier spielen und absolvierte 1996 die Domchorschule Riga.

Ausbildung:

Studium an der Lettischen Musikakademie Riga, Dirigierabschlüsse in den Fächern Chor 2002 und Orchester 2007, Meisterklassen u.a. bei Mariss Jansons, Jorma Panula und Zsolt Nagy.

Künstlerischer Werdegang:

Seit 2000 Leitung des Chors der Lettischen Universität „DeCoro“, ab 2003 Konzertdirigate beim lettischen Nationalorchester, der Sinfonietta Riga und dem Liepaja Sinfonieorchester, seit 2006 Sänger (im Stimmfach Bariton) und Assistenzdirigent beim Lettischen Rundfunkchor. 2008 Assistent von Cornelius Meister bei Wagners „Siegfried“ in Riga, seit 2008 Dirigate von Mozarts „Zauberflöte“ und „Don Giovanni“ an der Lettischen Nationaloper . 2009 Auslandsdebüt mit dem Orchester der ungarischen Staatsoper in Miskolc.

Bisherige Auszeichnungen:

2. Preise bei den internationalen Wettbewerben für Chordirigenten in Riga 2000 und 2005 sowie beim Wettbewerb für junge Chordirigenten 2002 in Tallin und Spezialpreis des Philharmonischen Kammerchors Tallin.

Pläne:

Als nächstes bereitet er mit dem lettischen Rundfunkchor die Johannespassion von James MacMillan vor, auch für ein Gastspiel in Kopenhagen, gefolgt von „Don Giovanni“-Aufführungen in Riga.